Goldgräberstimmung leicht verflogen

Börsenspiegel

Caroline Hilb Paraskevopoulos
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Der US-Aktienmarkt tendierte im März schwächer und verlor im Monatsverlauf leicht. Auch im April konnte er nicht an seinen fulminanten Jahresstart anknüpfen. Politische Entscheidungsprozesse werfen ihre Schatten auf beiden Seiten des Atlantiks voraus. Auch der starke Konjunkturoptimismus hat etwas an Strahlkraft verloren.

Dabei hat es Anfang Jahr noch anders ausgesehen: Vorlaufende Indikatoren wie der Einkaufsmanagerindex für den US-Service- und Industriesektor sendeten positive Signale. Für die verflogene Goldgräberstimmung gibt es ökonomische Gründe, aber auch politische. Dass die Abstimmung zur Abschaffung von Obamacare abgesagt wurde, ist für das Vertrauen in die Macherqualitäten des US-Präsidenten ein negativer Faktor. Denn mit der Abschaffung des Gesundheitsprogramms hätten Teile des Infrastrukturprogramms und der Steuererleichterungen finanziert werden sollen. Die Mittel dafür müssen nun neu «beschafft» werden.

Zwar gehen wir davon aus, dass die US-Regierung relativ schnell eine andere Lösung finden wird. Die Verhandlungen werden aber von «Lärm» begleitet sein, was für Unruhe sorgen könnte.

Der effektive Verlauf der Wirtschaft

Für uns stärker im Fokus als die politischen Ereignisse rund um den Globus ist nach wie vor der effektive Lauf der Wirtschaft. Und hierbei zeigt sich ein ambivalentes Bild. Auf der einen Seite stehen die vorlaufenden Indikatoren auf historischen Höchstständen. Auf der anderen Seite spiegeln die effektiven Wirtschaftsdaten dieses Bild nicht. Die Konsumausgaben sind solide, aber nicht überbordend. Die Entwicklung der Inflationsrate ist ebenfalls gut, aber mit dem Rückgang des Ölpreises hat sie etwas von ihrer positiven Wirkung verloren.

Überdies konnte im letzten Monat das US-Stellenwachstum und auch das US-BIP-Wachstum fürs erste Quartal weder die Erwartungen erfüllen noch ein positives Signal senden.

Unterm Strich zeigt sich eine ansprechende Konjunkturentwicklung in den Industrieländern, sowohl in den USA als auch in Europa oder der Schweiz. Aber positive Überraschungen werden angesichts der hohen Erwartungen ausbleiben.

An unserer Einschätzung hat sich in den letzten Wochen nichts geändert, weshalb wir die Aktienallokation weiterhin leicht untergewichtet halten. Weil die europäischen Aktienmärkte stark gelaufen sind und wir dort mehr Risiken erkennen, empfehlen wir bei europäischen Aktien Gewinnmitnahmen und empfehlen Investitionen im defensiven Schweizer Aktienmarkt.

Caroline Hilb Paraskevopoulos

Leiterin Anlagestrategie und Analyse, St. Galler Kantonalbank