Aufholjagd
Gold lässt wieder träumen

Das Edelmetall ist fulminant ins Jahr gestartet, auch dank der US-Notenbank. Die Gold-Bestände in börsengehandelten Fonds legten dieses Quartal um etwa 300 Tonnen zu, der höchste Zuwachs seit März 2009.

Tommaso Manzin
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Bisher wurden global ca. 183600 Tonnen Gold ans Tageslicht gefördert. Das ergäbe einen Würfel mit 21 Metern Kantenlänge. (Archivbild)

Bisher wurden global ca. 183600 Tonnen Gold ans Tageslicht gefördert. Das ergäbe einen Würfel mit 21 Metern Kantenlänge. (Archivbild)

KEYSTONE/MARTIN RUETSCHI

Die Schweizer Börse ist dieses Jahr so schlecht gestartet wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Im ersten Quartal fiel der die 20 grössten börsennotierten Gesellschaften repräsentierende Swiss Market Index (SMI) um fast 12 Prozent auf rund 7800 Punkte.

Je düsterer die Stimmung an den Börsen wurde, desto heller strahlte der Glanz eines Investments, das im Dauer-Feuerwerk der Aktienkurse ermattet war: Gold.

Bisher unter den besten Anlagen

Der Preis für Gold notierte vergangenen Freitag um die 1220 Dollar je Feinunze, nach 1235 Dollar am Vortag. Der höchste Wert in diesem Jahr liegt bisher auf 1282.86 Dollar je Feinunze. Seit Anfang Jahr hat der Goldpreis damit über 15 Prozent zugelegt. Das ist nicht nur der erste Quartalsgewinn seit Mitte 2014, sondern der höchste seit über 15 Jahren. Gold gehört bis dato zu den besten Investments im laufenden Jahr.

Neben Gold sind auch andere Edelmetalle wieder beliebt bei den Anlegern. Silber registrierte einen Quartalszuwachs von rund zehn Prozent, Platin einen von rund 8,5 Prozent. Doch das Gold verzeichnete die beste Entwicklung aller wichtigsten Rohstoffe.

Seit einigen Wochen bewegt sich der Goldpreis nun seitwärts um die Marke von 1240 Dollar pro Unze. Zuletzt notierte es dabei eher schwächer. Sind die bisherigen Avancen der Anfang einer neuen goldenen Zeit für das gelbe Metall, vergleichbar mit jener zwischen 2005 und 2011? Damals hatte sich der Dollar-Goldpreis am Ende fast verfünffacht. Oder sind wir Zeugen eines Strohfeuers, das bald erlischt?

Ort der Zuflucht

Welches sind die Kräfte, die dem Metall Auftrieb verleihen? Traditionell hat Gold für Anleger die Funktion des Schutzes vor Krisen. Denn in solchen Zeiten brechen die anderen Investitionen im Portfolio meist ein. Da gleichzeitig oft eine Flucht in Gold einsetzt, mildert
der Wertanstieg der Goldposition im Deport die Verluste anderer Wertschriften wie Aktien, aber auch Obligationen. Als üblich gilt eine Quote von 2 bis 10 Prozent Goldanteil der eigenen Investitionen. Gold ist aber auch dann gesucht, wenn das Vertrauen in die eigene Währung sinkt, etwa bei hoher Inflation.

Sicherer als der Dollar

Wie Gold gilt auch der US-Dollar als sicherer Hafen in stürmischen Zeiten. Doch kommen weniger Zinserhöhungen im Dollarraum als erwartet, sollte sich die US-Währung weniger stark entwickeln als gedacht. Das würde sie weniger interessant machen.

Und genau danach sieht es aus: Die Sorgen um die Weltwirtschaft in diesem Jahr schürten Spekulationen, dass die US-Notenbank Federal Reserve eine Pause bei ihren geldpolitischen Straffungen ein-
legen wird. «Die Äusserungen von Fed-Chefin Janet Yellen am vergangenen Dienstag, bei den Zinserhöhungen behutsam vorzugehen, haben den Dollar belastet, was sich positiv auf Gold auswirkt», erklärte eine Ökonomin der National Australia Bank letzte Woche gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Vor diesem Hintergrund konnte Gold seinen Status als Absicherung in diesem Jahr noch mehr behaupten, auch gegenüber dem Dollar.

Wenig Zinsverlust

Viele Händler sehen kaum eine Chance mehr, dass die Fed ihre Geldpolitik bald verändert. Ja sie erwarten nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 54 Prozent eine Zinserhöhung in diesem Jahr überhaupt. Gold wirft keinen Zins ab. Steigen die Zinsen, werden Anlagen wie Sparkonti relativ gesehen attraktiver. Ein Aufschub weiterer Zinserhöhungen in den USA gäbe dem Gold daher weiter Auftrieb.

Die Chancen scheinen also intakt, dass die Aufholjagd des Goldes anhält. Dennoch gibt es gute Gründe, weshalb sich die Erfolgsstory von 2005 bis 2011 nicht wiederholen könnte (vgl. Artikel unten). Am wichtigsten dabei: Die jetzigen Krisenherde sind nicht vergleichbar mit der Finanzkrise von 2008 und von Inflation fehlt jede Spur.

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