GM-Chefin hart gefordert

General-Motors-Chefin Mary Barra ist unter Druck: Amerikas grösster Autobauer steckt in der Krise. GM musste Autos zurückrufen, fehlerhafte Teile sollen tödliche Unfälle verursacht haben.

John Dyer
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Mary Barra leitet seit Anfang Jahr den Autokonzern General Motors. (Bild: epa/Tannen Maury)

Mary Barra leitet seit Anfang Jahr den Autokonzern General Motors. (Bild: epa/Tannen Maury)

BOSTON. General Motors (GM) steckt in den tiefsten Problemen seit der Insolvenz 2009. Mehr als sechs Millionen Autos musste der grösste Hersteller in den USA seit Jahresbeginn wegen teils gefährlicher Baufehler in die Werkstätten rufen. Besonders gefährlich ist ein seit Jahren fehlerhafter Zündschalter beim Chevrolet Cobalt. 13 Menschen sind durch Unfälle deshalb schon ums Leben gekommen. Weil GM das Problem lange Zeit verschwieg, den Fehler nicht fand und die Behörde offensichtlich nicht ausreichend informierte, musste sich jetzt Konzernchefin Mary Barra einer Anhörung vor dem US-Kongress stellen.

Barra bittet um Entschuldigung

Barra ist zwar erst seit Januar Chefin von General Motors. Aber sie war zuvor Chefin der Produktentwicklung des Autobauers aus Detroit. Sie wisse einfach nicht, warum es so lange gedauert habe, bis man bei GM den Grund für die Probleme beim Chevrolet Cobalt ausgemacht habe. Und, warum die Verkehrsaufsicht – National Highway Traffic Safety Administration oder NHTSA – so lange nicht eingegriffen habe. «Heute wird GM das Richtige tun», versicherte Barra vor den Abgeordneten des Energie- und Handelsausschusses im Repräsentantenhaus. Sie sprach den Betroffenen der GM-Fehler ihre «aufrichtige Entschuldigung» aus und sagte: «Es tut mir zutiefst leid.»

«Werden es herausfinden»

Zur Fehlersuche bei GM sagte die Konzernchefin: «Ich kann Ihnen nicht sagen, warum es Jahre dauerte, bis ein Sicherheitsdefekt in diesem Programm bekannt gemacht wurde. Aber ich versichere, dass wir das herausfinden werden.»

Erst kurz nach ihrem Amtsantritt als erste Frau an der Spitze eines amerikanischen Autokonzerns sollen Techniker Barra informiert haben, dass ein fehlerhafter Schalter im Modell Cobalt zur Motorabschaltung und Unfällen führen könne. In vergangenen Jahren waren Menschen bei dadurch verursachten Unfällen gestorben. Seit Mitte Februar wurden jetzt 2,6 Millionen Autos zurückgerufen zu Kosten von 750 Mio. $.

Börsenkurs sinkt

Das US-Justizministerium hat Ermittlungen zur Prüfung der Sicherheitsmassnahmen bei GM angeordnet. An der Börse sind die Kurse von GM nach den Rückrufaktionen in den Keller gegangen. Der Ruf des Unternehmens ist gefährdet. Der Goodwill, den die Amerikaner dem Konzern entgegengebracht haben – seit er mit 50 Mrd. $ an Steuergeldern gerettet wurde, die er inzwischen zurückbezahlt hat – ist verflogen. GM senkt die Preise drastisch, um nicht alle Kunden zu verlieren.

Fehler seit 2005 intern bekannt

In der Anhörung legten Abgeordnete ein Firmenmemorandum von GM vor, laut dem die GM-Ingenieure schon 2005 von den Problemen beim Cobalt-Zündschalter wussten. Man änderte nichts, weil die Kosten zu hoch gewesen wären. Kenner der US-Autobranche verweisen darauf, dass es die Unternehmenskultur bei GM nicht zulasse, dass untere Angestellte ihre Besorgnisse über Fehler in die Führungsetage weitergeben konnten. Republikanische Abgeordnete wollten wissen, warum die Aufsichtsbehörden das Problem des Zündschalters nicht früher untersucht hätten. Zweimal hatte die NHTSA Überprüfungen abgelehnt, nachdem sich Autofahrer ab 2007 dort beschwert hatten. GM habe unzureichende Informationen geliefert, die das ganze Ausmass des Problems verschleiert hätten, hiess es.

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