GM blockiert Saab-Verkauf

Saab verhandelt mit Ex-Eigentümer General Motors um eine Einigung im Lizenzstreit. Der US-Autobauer stemmt sich gegen Patentvergaben an übernahmewillige chinesische Investoren.

André Anwar
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Immer neue Handwechsel – das bisherige Schicksal von Saab. (Bild: dapd/David Hecker)

Immer neue Handwechsel – das bisherige Schicksal von Saab. (Bild: dapd/David Hecker)

STOCKHOLM. Die Schwedenmarke Saab tanzt eine Seifenoper gleich einem unendlichen Todestanz. Was bisher geschah: Im Sommer wollten sich die chinesischen Autounternehmen Pang Da und Youngman an der Saab-Rettung beteiligen, dann ganz aussteigen, um vor kurzem dann doch eine totale Saab-Übernahme zu verkünden. Mit staatlichen chinesischen Krediten und grosser finanzieller Geduld wollten sie Saab auferstehen lassen, gar neue Modelle entwickeln, unter anderem einen Kleinwagen, der Standort Schweden sollte nicht gefährdet sein.

Einspruch erhoben

Nun jedoch erhebt Saabs amerikanischer Ex-Eigentümer GM Einspruch gegen diese neue Ehe. General Motors hat bereits im Jahr 2005 sämtliche Patente aller seiner Marken in der Firma Global Technology Operations zentralisiert. Nach dem Verkauf von Saab an die holländische Spyker Cars waren die Neueigentümer gezwungen, zur weiteren Produktion von Saab-Autos diese Lizenzen für viel Geld von GM zu pachten.

Jetzt droht eine Lizenzsperre aus Detroit, die neue Rettung von Saab zu vereiteln. Denn an einen Verkauf ist ohne Patente nicht zu denken. Die amerikanischen Autobauer haben hohe staatliche Schulden, erholen sich aber derzeit durch eine neue Lebensader: den jährlich um 10% wachsenden Chinamarkt. Erst letztes Jahr überstieg der 2,35 Mio. umfassende Stückverkauf von GM im Reich der Mitte erstmals den in den USA um 136 000 Autos.

Konkurrenten will man sich deshalb nicht machen – ungeachtet der verschwindend geringen Grösse von Saab im Vergleich zum US-Riesenkonzern. «Wir müssen im Interesse unserer Aktionäre entscheiden», begründete ein GM-Sprecher im schwedischen Radio SR. Schon bei den Übernahmeverhandlungen für Saab vor zwei Jahren lehnte GM den für diese Zwecke weitaus besser ausgestatteten chinesischen Saab-Interessenten BAIC als Käufer ab. Eigentlich wollte GM Saab ganz stilllegen, verkaufte dann jedoch an die relativ chancenlos wirkende Spyker Cars.

Alles nur Taktik?

Doch Autoexperten in Schweden glauben noch immer an eine Lösung. Dass GM mit einer Blockade hervorpresche, sei Taktik. Wenn das für chinesische Übernahmen zuständige Superministerium NDRC erstmals offiziell die Saab-Übernahme durch ein chinesisches Unternehmen genehmige, könne GM mit Rücksicht auf sein eigenes Chinageschäft nicht mehr so unnachgiebig auf sein Patentvergaberecht pochen. Um hohe Einfuhrzölle zu umgehen, hänge man gänzlich von chinesischen Kooperationspartnern ab, heisst es. GM wolle nun vor einer Einigung so viel aus den Verhandlungen herausholen wie möglich, argumentierte etwa ein renommierter Branchenexperte der Tageszeitung «Svenska Dagbladet».

Schnelle Entscheidung erwartet

Da Saab in Schweden unter befristetem Gläubigerschutz zur «Rekonstruktion» steht und dieser mit der neuen Entwicklung bald gerichtlich aufgehoben werden muss, erwarten Experten in Schweden eine schnelle Entscheidung.

Seit einem halben Jahr steht nun die Saab-Produktion schon still. Und dass Saab mit den neuen chinesischen Eigentümern eine ernste Konkurrenz für GM werden könnte, glaubt unterdessen niemand. Neben dem gigantischen Grössenunterschied beider Unternehmen gelten auch die angepeilten chinesischen Neueigentümer als weitaus weniger bedeutend als die Kooperationspartner von GM, darunter als wichtigster Shanghai Motors.