Globale Finanzkrise dominiert Weltsozialforum

Einen Tag vor dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos hat gestern in der brasilianischen Stadt Belém das Weltsozialforum (WSF) begonnen. Es soll weniger Ideologie produzieren und mehr Praxis ermöglichen.

Drucken
Teilen

Belém. Die Organisatoren erwarten bis Sonntag 100 000 Teilnehmende. Zwar hoffen diese, dass die Finanzkrise ihrer globalisierungskritischen Botschaft mehr Gewicht verleiht. Gleichzeitig werden aber auch selbstkritische Töne laut. «In diesen bewegten Zeiten wollen die Leute praktische Antworten, keine Ideologien», erklärte Antonio Martins, Mitglied des internationalen WSF-Rates, vor der Kundgebung von Tausenden Menschen, mit der traditionellerweise das Treffen begann.

Erstmals wird das Weltsozialforum in seiner siebten Auflage versuchen, die 2400 Diskussionsrunden und Konferenzen zusammenzufassen.

Hilfe für Banken und Bildung

«Wir müssen konkrete Vorschläge formulieren, dies ist die Herausforderung von Belém», erklärte Martins, der seit dem ersten WSF 2001 in Porto Alegre zu den Organisatoren gehört.

Als Beispiel verwies er gegenüber der Schweizer Delegation auf die Rettungspakete verschiedener Staaten für Banken. «Wir haben nichts dagegen. Doch weshalb nicht fordern, dass mit jedem Franken für die Banken ein weiterer eingesetzt wird für öffentliche Investitionen in die Bildung, die Gesundheit, den Verkehr – oder hier in Brasilien in die Abwasserreinigung?»

Man müsse die blosse Opposition gegenüber dem kapitalistischen System überwinden, so Martins weiter. «In den vergangenen zehn Jahren haben wir einen Teil der öffentlichen Meinung hinter unsere Ideen geschart. Nun ist die Zeit günstig, um dies in mobilisierende Ziele umzuwandeln.»

Krisenlösungen verknüpfen

Erstmals findet das WSF an den Ufern des Amazonas statt. Dies ist für die etwa fünfzig teilnehmenden Schweizer Politiker, Gewerkschafter und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen (NGO) auch ein Grund, sich mit dieser Gegend zu beschäftigen.

Laut Martins gibt es viel zu tun – etwa im Kampf gegen die Entwaldung. «Ziel ist es, Aktivitäten zu finden, die dem Schutz der Umwelt und dem Überleben der Bewohner gerecht werden. Biolandbau oder grüner Tourismus beispielsweise.»

Die Organisatoren des Forums hoffen, dass Lösungen zum Schutz der Umwelt in Amazonien und anderswo auch für einen anderen Krisenherd nützlich sein könnten: für die Wirtschaft.

Dennoch wird auch die traditionelle Politik in Belém Platz haben: Morgen werden fünf linke Präsidenten südamerikanischer Staaten erwartet: Luiz Inácio Lula da Silva (Brasilien), Hugo Chávez (Venezuela), Evo Morales (Bolivien), Rafael Correa (Ecuador) und Fernando Lugo (Paraguay). (sda)

Aktuelle Nachrichten