GEWINNVERWÄSSERUNG: Aktieninflation bei der Credit Suisse

Kommende Woche will sich die Grossbank das Plazet ihrer Aktionäre geben lassen für eine weitere Kapitalerhöhung. Doch längst nicht jede Emission eines Beteiligungspapiers dient diesem Zweck.

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Und wieder sind die Aktionäre der Credit Suisse (CS) zur Generalversammlung (GV) geladen. Schon Ende April hatten sich die Eigner der Bank zu ihrem ordentlichen Treffen versammelt, und besonders in der Cheflohn-Debatte gingen die Wogen hoch.

Demgegenüber sollte das ausserordentliche Treffen vom Donnerstag in einer Woche ­nüchterner und rascher über die ­Bühne gehen. Schliesslich gibt es nur ein einziges Traktandum: Der Verwaltungsrat ersucht die GV um die Erlaubnis, bis zu 405 Mio. neue Namenaktien à 10.80 Fr. auszugeben. Damit will sich die CS 4 Mrd. Fr. an frischen Eigenmitteln beschaffen und die Zweifel vieler Anleger an ihrer Kapitalstärke aus der Welt schaffen.

Nötig wird die Kapitalerhöhung, weil die Bank den ursprünglich geplanten Teilverkauf des Schweizer Geschäfts über einen Börsengang abgeblasen hat. Doch die CS-Eigner lernten in den vergangenen Jahren auch so mehr zu teilen, als ihnen lieb ­gewesen sein dürfte. Von Ende 2010 bis Ende 2016 hat sich die Anzahl ausstehender Aktien von 1186 Mio. auf 2090 Mio. erhöht. Wer nicht bereit oder nicht berechtigt war, in den zahlreichen Aktienemissionen zu partizipieren, erlitt eine erhebliche Verwässerung seines Anspruchs auf den Gewinn und die Dividende.

Bei vielen Aktienemissionen blieb dem gewöhnlichen Anleger nichts übrig, als die Titelinflation tatenlos über sich ergehen zu lassen. So wurden in der fraglichen Zeit 140 Mio. Aktien an die Mitarbeiter ausgegeben. 60 Mio. Titel dienten der Finanzierung von Übernahmen. Aus den diversen Wandelanleihen, die nicht zuletzt in der Finanzkrise zur Kapitalaufnahme ausgegeben worden waren, sind in der Zwischenzeit über 200 Mio. neue Aktien geworden. Und schliesslich hat die CS mehrmals Dividenden mit Aktien bezahlt und dafür 170 Mio. neue Titel ausgegeben. Die grosse Kapitalererhöhung von Ende 2015, als die Bank durch die Ausgabe von über 300 Mio. Aktien über 6 Mrd. Fr. beschaffte, ist also nicht mal für ein Drittel der Titelflut der letzten sechs Jahre zuständig. ­ Vor diesem Hintergrund ist das ­Versprechen der CS-Führung, den Aktionären künftig nur noch Bardividenden auszuzahlen, verständlich. Voraussetzung ist allerdings, dass die Kapitalerhöhung vom 18. Mai reicht, die weiter steigenden Anforderungen ans Kapital der Banken zu decken.

Daniel Zulauf, Zürich

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