GEWINNHOCH: Hilti fährt eine reiche Ernte ein

Der Liechtensteiner Baugerätehersteller lässt die Rekorde purzeln. Noch nie hat die Hilti-Gruppe derart viel verdient, noch nie war sie so profitabel. Und die Rekordjagd soll weitergehen.

Stefan A. Schmid, Zürich
Drucken
Teilen
Ein batteriebetriebenes Befestigungsgerät von Hilti, das genug Kraft entwickelt, um selbst Beton und Stahl zu durchdringen. (Bild: PD)

Ein batteriebetriebenes Befestigungsgerät von Hilti, das genug Kraft entwickelt, um selbst Beton und Stahl zu durchdringen. (Bild: PD)

Stefan A. Schmid, Zürich

In Sachen Investitionen wird bei Hilti geklotzt – und nicht gekleckert. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung steigen trotz des schwierigen Markt­umfelds Jahr für Jahr: von knapp 180 Mio. Fr. im Jahr 2012 auf 280 Mio. Fr. im vergangenen Jahr. Damit investiert das Unternehmen mit Sitz in Schaan, das 2016 sein 75-Jahr-Jubiläum feiern konnte, 6% des Umsatzes in neue Produkte, Serviceleistungen und Software. Ein Wert, der deutlich über dem Branchendurchschnitt liegt, wie Hilti-Konzernchef Christoph Loos gestern an der Bilanzmedienkonferenz betonte.

Was Hilti in der Vergangenheit gesät hat, wird jetzt geerntet. Und diese Ernte fällt reich aus. Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2016 um 5,7% auf 4,63 Mrd. Fr., wobei die Geschäfte vor allem in Nordamerika (+11,6%) und Europa (+6,2% rund liefen. In den Schwellenländern war das Umfeld wegen der niedrigen Öl- und Rohstoffpreise sowie wirtschaftlicher und geopolitischer Spannungen dagegen schwierig. Harzig lief es insbesondere in Saudi-Arabien, wo der Umsatz nach dem Generationswechsel im Königshaus um fast 30% einbrach, in Lateinamerika sowie in einzelnen asiatischen Ländern.

Auch beim Umsatz wankt der Rekord

Trotzdem: Alles in allem läuft Hilti gut geölt. Das Unternehmen wächst schneller als die meisten Konkurrenten und baut seine Marktstellung entsprechend aus. Die 60 neuen Produkte, die Hilti im vergangenen Jahr auf den Markt brachte, unterstreichen dies. Sie sind Zeichen der Innovationskraft – und Motor künftigen Wachstums. Den Umsatz­rekord von 4,7 Mrd. Fr. aus dem Jahr 2008 verfehlte das Unter-nehmen mit den weltweit bekannten roten Bohrmaschinen denn auch nur knapp. Diese Marke dürfte aber im laufenden Jahr übertroffen werden, denn Loos rechnet «trotz des anspruchsvollen Marktumfelds» mit einem weiteren Umsatzsprung von 6% bis 8% in Lokalwährungen.

Bestmarken gab es 2016 dagegen bei den Gewinnzahlen und punkto Profitabilität. Das Betriebsergebnis kletterte um 10% und übertraf erstmals die Marke von 600 Mio. Franken. Der Rein-gewinn wuchs sogar um 17% – was ebenso einen Rekordwert darstellt wie die Umsatzrendite von 13%. Verwaltungsratspräsident Pius Baschera, der gestern nach 27 Jahren letztmals an einer Hilti-Bilanzpressekonferenz mitwirkte, sprach denn auch von einem sehr guten Jahr. «Wir haben von den hohen Investitionen der letzten Jahre in neue Produkte, Services und Software sowie dem Ausbau des Direktvertriebs profitiert.» Der 66-jährige Baschera wird das Präsidentenamt kommenden April an den früheren Saurer-Chef Heinrich Fischer abgeben. Das Know-how Bascheras bleibt Hilti aber erhalten: Er sitzt weiterhin im Verwaltungsrat und wird Sprecher des Martin-Hilti-Familien-Trusts, der sämtliche Hilti-Aktien hält. Baschera, der auf den 70-jährigen Michael Hilti folgt, wird somit der erste Sprecher des Trusts, der nicht der Familie angehört.

Neue Stellen geschaffen

Der Investitionskurs der Hilti, einem der grössten Arbeitgeber in der Region, spiegelt sich auch im Personalbestand. Im letzten Jahr schuf das Unternehmen weltweit über 1200 neue Stellen. Die Mitarbeiterzahl in Liechtenstein, wo Hilti 1700 Angestellte beschäftigt, stieg allerdings nur leicht. Die neuen Jobs entstanden vor allem im Vertrieb und somit direkt in den wachsenden (Ausland-)Märkten. Auch 2017 will Hilti den Wachstumskurs fortsetzen und neues Personal einstellen: Der Mitarbeiterbestand dürfte um weitere 5% zunehmen.