Gewinne vor Ort versteuern

Spanien will die Steuervermeidung grenzüberschreitend tätiger Firmen eindämmen. Diese sollen nun offenlegen, wo sie Gewinne erzielen und welche Steuern sie entrichten.

Heinz Krieger
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Spanien, hier neue Autos der Marke Seat, will endlich von Unternehmensgewinnen profitieren, die im Land generiert werden. (Bild: ap/Manu Fernandez)

Spanien, hier neue Autos der Marke Seat, will endlich von Unternehmensgewinnen profitieren, die im Land generiert werden. (Bild: ap/Manu Fernandez)

MADRID. Wer Gewinne in Spanien macht, soll in Spanien Steuern zahlen. Und wer als internationales Unternehmen spanische Gewinne zu einer Tochter oder auch der Hauptfirma mit Steuersitz in einem Land mit geringeren Sätzen verlagert, soll auch in Spanien Steuern zahlen. So stellt sich das die Steuerverwaltung in Madrid vor. Ein Werkzeug dafür hat sie bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gefunden, in der Country-by-Country-Regelung.

Schon jetzt wirksam

Diese ist eindeutig: Um Steuervermeidung grenzüberschreitend tätiger Unternehmen einzudämmen, sollen diese offenlegen, wo sie welche Gewinne erzielen und welche Steuern sie entrichten. Die Hacienda española, die spanische Steuerbehörde, will künftig allen Unternehmen auf die Finger schauen. Auf den Weg gebracht werden soll die geplante Direktive laut der Wirtschaftszeitung «Expansión» noch im 1. Halbjahr 2015. Aber Firmen, bei denen bald eine Steuerprüfung ansteht, werden schon jetzt Auskunft über ihre internationalen Verflechtungen geben müssen, sagte Staatssekretär Miguel Ferre. Die Neuregelung soll in Reformen der Unternehmensbesteuerung einfliessen. Die stellvertretende Generaldirektorin für Steuern, Begoña García Rozado, geht davon aus, dass die neue Regelung 2016 in Kraft tritt, so dass der Fiskus ab den 2017 abgegebenen Steuererklärungen dann mehr Geld bekommen wird. Betroffen sind Firmen mit Auslandverflechtung ab einem Jahresumsatz von 2 Mio. €. Staatssekretär Ferre erinnerte daran, dass mit dem seit Januar geltenden neuen Gesetz über Kapitalgesellschaften der Verwaltungsrat selber für die Steuergestaltung des Unternehmens verantwortlich ist, er kann diese Verantwortung nicht an andere Abteilungen delegieren. Die globale Strategie müsse offengelegt werden, nicht, um die Unternehmertätigkeit zu beschränken, sondern um mehr Transparenz zu schaffen. Das sei auch geeignet, mehr Vertrauen bei Investoren zu schaffen.

Nur 17 Prozent legen alles offen

Derzeit legen nur 17% der im spanischen Aktienindex Ibex gelisteten 35 wichtigsten Firmen Spaniens ihre gesamte Steuerpflichtigkeit offen. Andere verschleiern dies. So hat der Internetkonzern Facebook kürzlich erst mitgeteilt, dass sein Umsatz in Spanien nur 3,4 Mio. € betrage. Viel zu wenig, glaubt Hacienda. Offenlegen sollen die in Spanien tätigen Firmen in Anlehnung an das Country-by-Country-Reporting die Gewinne aller Filialen im jeweiligen Land. Dazu gehören auch Angaben über Gewinne oder Verluste vor Steuern, bezahlte oder anstehende Unternehmenssteuern, Offenlegung des Kapitalstatuts in jedem Land, aufgelaufene Gewinne, Zahl der Mitarbeiter, Liste aller Beteiligungen in allen Ländern und ähnliches.

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