Gesundheit

Kampf gegen Fettleibigkeit: Frauenfelder Zur Rose spannt mit dänischem Milliardenkonzern zusammen

Weltweit gelten 650 Millionen Menschen als fettleibig. Die Frauenfelder Zur Rose Group und der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk wollen diesem Problem gemeinsam zu Leibe rücken.

Thomas Griesser Kym
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Zwei Firmen wollen gemeinsam Fettleibigkeit bekämpfen und damit Geld verdienen.

Zwei Firmen wollen gemeinsam Fettleibigkeit bekämpfen und damit Geld verdienen.

Bild: Benjamin Manser

Gut 13 Prozent der Weltbevölkerung leiden an Adipositas, also Fettleibigkeit oder starkem Übergewicht. In Europa sind es 20 Prozent, in Deutschland 25 Prozent. Diese Zahlen nennt Zur Rose in einer Mitteilung, in der sie eine digitale Kooperation mit Novo Nordisk ankündigt. Für die Schweiz nennt das Bundesamt für Gesundheit 11 Prozent adipöse Menschen. Und: Adipositas habe sich zu einer Volkskrankheit entwickelt.

Konkret wollen die beiden Unternehmen einen neuen digitalen Hub entwickeln für Menschen mit Adipositas. Auf diesem Hub zu finden sein sollen Informationen über Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Erkrankung. Ferner sollen betroffene Menschen Zugang erhalten zu Hilfe bei der Arztsuche, Online-Konsultationen über den Zur-Rose-Telemedizinanbieter TeleClinic sowie ein Angebot an Medikamenten, die in einer Apotheke oder einer Online-Apotheke erhältlich sind.

Start in Deutschland

Die Kooperation soll im laufenden ersten Quartal 2021 in Deutschland starten und sei mit der Absicht verbunden, sie später auf weitere europäische Märkte auszudehnen.

Für die Schaffung des neuen digitalen Hubs bringen die beiden Firmen ihre jeweiligen Kompetenzen ein. Dabei stellt die Zur Rose ihre elektronischen Plattformen bereit, namentlich Online-Apotheken, Marktplatz- und telemedizinische Plattformen. Mit diesen erreicht Zur Rose bereits 9,8 Millionen Kunden in Europa, und mit dem neuen digitalen Hub will man diese Zahl weiter steigern.

Stigmatisierung adipöser Menschen

«Fehlende Informationen oder formelle Diagnosen sowie Stigmatisierung sind nur einige der Barrieren, die es Menschen mit Adipositas oft schwermachen, geeigneten Zugang zu einer guten Versorgung zu erhalten», sagt Novo-Nordisk-Manager Mike Doustdar. Das Bundesamt für Gesundheit sieht das ähnlich: «Menschen mit Adipositas werden oft stigmatisiert. Sie werden für ihr Übergewicht verantwortlich gemacht, weil sie sich zu wenig bewegen und zu viel essen würden. Adipositas ist aber eine chronische Erkrankung. Betroffene sollen angemessen behandelt werden.»

Zur Rose baut ihr Geschäft kontinuierlich aus: TeleClinic, der grösste Telemedizinanbieter Deutschlands, ist erst im Jahr 2020 erworben worden. Im Jahr 2018 hat Zur Rose bereits Promofarma gekauft, den führenden spanischen Online-Marktplatz für freiverkäufliche, apothekenähnliche Produkte. Auf Promofarma sind über 500 Anbieter präsent, vor allem Apotheken, aber auch Pharmahersteller. Über die Jahre hat Zur Rose ausserdem eine Reihe von Versandapotheken aufgekauft.

Novo Nordisk ist ein Dutzend Mal grösser als Zur Rose

Novo Nordisk, gegründet 1923, ist spezialisiert auf Behandlungen schwerer chronischer Krankheiten wie Diabetes, Adipositas, seltenen Bluterkrankungen und Hormonstörungen. Seit 20 Jahren sei Novo Nordisk führend in der wissenschaftlichen Erforschung von Adipositas. Im Jahr 2019 setzte Novo Nordisk 18 Milliarden Euro um. Die Zur Rose setzte 1,6 Milliarden Franken um.