GENOSSENSCHAFT
Raiffeisen entlässt ihre eigenen Niederlassungen in die Selbstständigkeit

Rechtlich autonom, genossenschaftlich organisiert: Das ist der Grundgedanke bei Raiffeisen Schweiz und den einzelnen Banken. Doch für sechs Institute, darunter jenes in St.Gallen, gilt das noch nicht. Das wird nun bald ändern.

Thomas Griesser Kym
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Raiffeisen Schweiz lässt ihre sechs Niederlassungen an die lange Leine.

Raiffeisen Schweiz lässt ihre sechs Niederlassungen an die lange Leine.

Bild: Gaëtan Bally/Keystone

225 Raiffeisenbanken mit 824 Standorten gibt es in der Schweiz. Sie sind rechtlich autonom und genossenschaftlich organisiert. Ihnen gehört Raiffeisen Schweiz mit Hauptsitz in St.Gallen. Diese ist ebenfalls eine Genossenschaft und steuert die Strategie der Bankengruppe.

Doch es gibt auch ein halbes Dutzend Raiffeisenbanken, die nicht autonom und keine Genossenschaft sind. Sie unterstehen der Zentrale in St.Gallen und werden von dieser direkt geführt. Doch damit ist bald Schluss.

Verselbstständigung der Niederlassungen in Etappen

Wie bereits 2019 in Aussicht gestellt, verselbstständigt Raiffeisen Schweiz ihre eigenen Niederlassungen. Das hat die virtuelle Generalversammlung von Raiffeisen Schweiz beschlossen. Die Vertreterinnen und Vertreter der Schweizer Raiffeisenbanken stimmten diesem Vorhaben mit 98 Prozent zu.

Konkret bedeutet das: Die beiden Raiffeisen-Niederlassungen Bern und Thalwil werden voraussichtlich Anfang 2022 verselbstständigt. St.Gallen und Winterthur sollen Mitte 2022 folgen, Basel und Zürich Anfang 2023.

Bankkundinnen können Genossenschafterinnen werden

Raiffeisen-Präsident Guy Lachappelle.

Raiffeisen-Präsident Guy Lachappelle.

Bild: PD

Guy Lachappelle, Verwaltungsratspräsident von Raiffeisen Schweiz, sagt: «Mit der Verselbstständigung der Niederlassungen stärkt Raiffeisen den genossenschaftlichen Gedanken. Jede Raiffeisenbank ist eine Genossenschaft.» Und:

«Kundinnen und Kunden der heutigen Niederlassungen können nun Genossenschafterinnen und Genossenschafter ihrer Raiffeisenbank werden und mitbestimmen.»

Im Zuge der Affäre um den ehemaligen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz und die in diesem Zusammenhang von der Finanzmarktaufsicht (Finma) ans Licht gebrachten schwerwiegenden Mängel in der Corporate Governance bei Raiffeisen Schweiz war diese von der Finma 2018 beauftragt worden, Vor- und Nachteile einer Umwandlung in eine AG zu prüfen. Der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz fügte sich widerwillig, hielt aber am Genossenschaftsmodell fest.