General Electric baut weiter ab

Der angeschlagene US-Konzern will in der Schweiz weitere 1400 Stellen streichen. Standorte sollen aber keine geschlossen werden.

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Im Sommer 2016 beschloss General Electric (GE) den Abbau von 900 Stellen in der Energiesparte, die der US-Konzern von Alstom übernommen hatte. Vergangenen Juli folgte die Ankündigung, dass weitere 100 Stellen verschwänden. Nun will GE nochmals 1400 der noch 4500 Stellen kappen. Betroffen sind die Aargauer Standorte Baden (1100), Birr (150) und Oberentfelden (50). GE wolle jedoch keinen dieser drei Standorte ganz schliessen.

GE begründet die Einschnitte mit der schwierigen Marktlage im Turbinengeschäft. Der Abbau soll in den nächsten zwei Jahren vollzogen werden. Für die Betroffenen gibt es einen Sozialplan. GE wolle möglichst dafür sorgen, dass alle Mitarbeitenden wieder eine Stelle finden, sagte Michael Rechsteiner, Vizepräsident und Chef von Power Service Europe. Die Schweiz bleibe trotz des Abbaus von grosser Bedeutung und Baden der Hauptsitz der Sparten Steam Power Systems und Power Services.

Gewerkschaften contra Schneider-Ammann

Der kantonale Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann sprach von einem «harten Schlag für den Industrie- und Wirtschaftskanton Aargau». Dass die Produktionsstandorte Birr und Oberentfelden erhalten bleiben, verbuchte der Regierungsrat als Folge seiner Bemühungen. Der Verband Angestellte Schweiz sowie die Gewerkschaften Syna und Unia nannten den Abbau einen «Kahlschlag». Es gebe keine zwingende wirtschaftliche Notwendigkeit für einen derartigen Radikalabbau, befand die Syna. Die Unia forderte, der Bundesrat, insbesondere Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, müsse gegenüber GE eine sofortige Sistierung der Abbaupläne durchsetzen. Schneider-Ammann konterte, der Abbau sei zwar hart. Er gehe jedoch davon aus, dass der Schritt notwendig sei, um die Rentabilität wiederherzustellen. Zudem sagte der Bundesrat, in der Industrie gebe es nicht nur Abbau, sondern auch viele neu angesiedelte Stellen. In der Tat hatte GE 2016 neben dem Abbau von 900 Stellen auch die Schaffung neuer Stellen in der Sparte Power Services in Baden in Aussicht gestellt. In diesem Geschäft wartet, repariert und modernisiert GE Kraftwerke und Industrieanlagen.

Den jüngsten Abbau begründet GE mit den Veränderungen im Energiemarkt. So setzen laut Mitteilung eine zunehmende Zahl an Windkraft- und Solaranlagen, eine bessere Energieeffizienz, Preisdruck im Strommarkt und stärkere Konkurrenz vor allem aus Asien dem Geschäft von GE Power zu. Diese stellt vor allem Turbinen für Gas- und Atomkraftwerke her. Die Nachfrage nach thermischen Kraftwerken ist laut GE in den letzten Jahren aber wegen des Strompreiszerfalls kräftig gesunken. (sda/red)