GELDWÄSCHE: Der Jäger des «Wolf of Wall Street»

Gregory Coleman ist der FBI-Ermittler, der Ex-Aktienhändler Jordan Belfort wegen Betrügereien ins Gefängnis brachte. Die Geschichte rund um Belfort wurde auch von Hollywood verfilmt. Coleman spricht über die Ereignisse und den heutigen Kontakt zu Belfort.

Federico Gagliano
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Filmszene in «The Wolf of Wall Street», in der Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio, links) versucht, den FBI-Agenten (Kyle Chandler) zu bestechen. Im Film wurde Colemans Name zu Patrick Denham geändert. (Bild: PD)

Filmszene in «The Wolf of Wall Street», in der Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio, links) versucht, den FBI-Agenten (Kyle Chandler) zu bestechen. Im Film wurde Colemans Name zu Patrick Denham geändert. (Bild: PD)

Interview: Federico Gagliano

Gregory Coleman, haben Sie während der Ermittlungen jemals gedacht: «Diese Story ist filmreif?»

Nein, damals noch nicht. Es war ein faszinierender Fall, aber der Stein kam erst danach ins Rollen. Belfort rief mich nach seiner Gefängnisstrafe an und erzählte mir, er würde ein Buch schreiben. Danach verkaufte er die Filmrechte. Wir scherzten damals noch, ob Brad Pitt ihn spielen würde. Es war eine surreale Erfahrung.

Was ist im Film anders?

Einige Szenen haben sich im echten Leben nicht so abgespielt. Dort war es meine Aufgabe zu erklären, wie sich die Szene abgespielt hätte, falls ich sie wirklich erlebt hätte. Ein Beispiel ist die Szene auf dem Boot, als Belfort versucht, mich zu bestechen. Belfort wollte das zwar wirklich tun, ihm wurde aber dann davon abgeraten. Hätte er mich aber gefragt, wäre ich wirklich auf das Boot gestiegen. Erstens, weil ich schon immer so ein Boot sehen wollte. Zweitens würde ich jede Chance nutzen, um mit einem Verdächtigen ohne Anwälte zu reden. Ich würde aber nicht alleine gehen. Deshalb riet ich, einen zweiten Agenten in der Szene zu haben. Das wurde dann auch so umgesetzt.

Haben Sie den Schauspieler Kyle Chandler getroffen, der Sie verkörpert?

Ja, ich habe einige Zeit mit ihm verbracht, er ist wirklich ein sehr netter Typ. Ich hatte nichts dagegen, von einem gutaussehenden Hollywoodschauspieler gespielt zu werden (lacht).

Gefällt Ihnen der Film?

Ich hätte den Fokus anders gelegt und hätte die realen Ereignisse nachgezeichnet. Aber ich verstehe, dass Sex, Drogen und extremes Verhalten sich besser verkaufen. Mit einer Länge von drei Stunden war mir der Film aber doch etwas zu repetitiv, man hätte einige Szenen schneiden können. Bei einem längeren Flug sah ich einmal eine zensierte Version, die durch die fehlenden Szenen etwas kürzer war und mir deshalb auch besser gefiel. Man hätte auch mit weniger Sexszenen verstanden, dass sich bei Belfort alles darum drehte. Aber ich bin nur ein FBI-Agent, Martin Scorsese ist der Regisseur. Er weiss schon, was er da tut.

Haben Sie Kontakt zu Belfort?

Das mag komisch klingen, aber ich habe Kontakt zu mehreren Leuten, die ich verhaftet habe. Es sind faszinierende Menschen. Ich habe nur mit wenigen wirklich enge Beziehungen, ich halte sie auf Distanz. Aber wenn Belfort im Land ist, rufe ich ihn an und gehe mit ihm Abendessen. Jeder zahlt aber seinen Teil der Rechnung selbst (lacht).

Was halten Sie von Belfort?

Kommt drauf an, ob wir von früher oder heute reden. Früher war er ein furchtbarer Typ, er hatte keinen moralischen Kompass. Er war arrogant und liess sein Geld für ihn reden. Durch den Verlust seines Geldes, seiner Familie und seiner Gefängnisstrafe, die meiner Meinung nach zu kurz war, hat er sich aber verändert. Ich glaube nicht, dass er noch der Gleiche ist. Ich wäre überrascht, wenn er wieder Verbrechen begehen würde. Dafür ist er zu intelligent und talentiert. Früher fehlte es ihm an Reife. Ich hoffe, er hat sich diese inzwischen angeeignet. Würde ich aber jemals erfahren, dass er wieder krumme Geschäfte macht, würde ich nicht zögern und meine Kollegen beim FBI anrufen. Ich hege keinen Groll gegen ihn, noch gegen alle anderen, die ich verhaftet habe. Es war nicht persönlich, es war mein Job.

Was halten Sie von dem Personenkult, der seit dem Film um Belfort entstanden ist?

Es ist beunruhigend. Viele junge und dumme Männer, denn es sind meist Männer, lassen sich zu leicht von den Dingen verführen, die im Film gezeigt werden, ohne die Konsequenzen zu verstehen. Man sollte vom Film lernen und es nicht nachahmen wollen.

Welche Bedeutung werden Schweizer Banken in Zukunft haben?

Geheimhaltung war früher ein gutes Verkaufsargument, das heute nicht mehr akzeptabel ist. Die USA haben diesen Wandel aggressiv vorwärtsgetrieben. Schweizer Banken werden sich deshalb verändern müssen. Das wird der Industrie vielleicht zunächst schaden und sie zwingen, kompetitiver zu sein. Dank ihrer herausragenden Reputation werden eure Banken aber nie ihre Bedeutung verlieren.

Hinweis

Der ehemalige FBI-Agent Gregory Coleman, der Belfort vor Gericht brachte, blickt auf eine 25 Jahre lange Karriere im Bereich der Geldwäscherei zurück. Er trat diese Woche als Gastredner für das Institute for Compliance and Quality Management AG in Zürich auf, und am 12. Oktober ist er in Luzern anwesend. Tickets sind erhältlich unter www.icqm.com.