Geldschöpfung soll Sache der Nationalbank sein

Unter dem Titel «Geld aus dem Nichts» hat Mathias Binswanger ein neues Buch veröffentlicht, in welchem er die Rolle der Banken bei der Geldschöpfung untersucht (Ausgabe vom 30. März 2015).

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aus St. Gallen ist Sprecher des Komitees für die Vollgeld-Initiative (Bild: pd)

aus St. Gallen ist Sprecher des Komitees für die Vollgeld-Initiative (Bild: pd)

Unter dem Titel «Geld aus dem Nichts» hat Mathias Binswanger ein neues Buch veröffentlicht, in welchem er die Rolle der Banken bei der Geldschöpfung untersucht (Ausgabe vom 30. März 2015). Ausgehend von der historischen Entwicklung, bestätigt auch Binswanger die für viele Leute immer noch überraschende Aussage, dass 90 Prozent des Geldes von den privaten Banken «hergestellt» wird. Banken schöpfen Geld, indem sie Kredite gewähren, die sie nur zu einem ganz geringen Teil aus vorhandenen Mitteln finanzieren. Sie schöpfen Geld (fast) aus dem Nichts – was umgekehrt zur Folge hat, dass bei jeder Kreditrückzahlung Geld auch wieder vernichtet wird.

Allein daraus wird ersichtlich, dass – entgegen vielen Beteuerungen – ein grosses Interesse daran besteht, dass sich möglichst viele Leute (und auch die Staaten) immer mehr verschulden. Alles elektronische Geld kommt also von den privaten Banken, und nur die Banknoten kommen von der Nationalbank.

Im Untertitel zum Buch werden auch die Chancen und Risiken dieses Prozesses genannt: Die Banken ermöglichen mit ihrer Geldschöpfung Wachstum, verursachen aber auch immer wieder Krisen. Allerdings ist diese Aussage zu präzisieren: Nicht die Banken, sondern das neu geschöpfte Geld – unabhängig davon, wer es erzeugt – ermöglicht Wachstum. Hingegen hängt die Krisenanfälligkeit eindeutig mit der heutigen Art der Geldschöpfung durch die Banken zusammen. Und genau hier setzt die Vollgeld-Initiative an: Die Geldschöpfung sollte allein Sache der Nationalbank sein, und Banken sollten nur jenes Geld verleihen, welches ihnen von den Sparern, den Aktionären oder von der Nationalbank zur Verfügung gestellt wird.

Vorteile der Vollgeld-Initiative

Der Nationalbank stehen nach dem Vorschlag der Initiative drei Möglichkeiten der Geldschöpfung zur Verfügung. Diese können je nach wirtschaftlicher Situation gleichzeitig und aufeinander abgestimmt eingesetzt werden:

1. Durch eine schuldfreie Überlassung von neuem Geld an Bund und/oder Kantone, was erhebliche zusätzliche Einnahmen für die öffentliche Hand zur Folge hat.

2. Als jährliche Auszahlung an den einzelnen Bürger («Bürgerdividende»), was unmittelbar die Kaufkraft der Bevölkerung stärkt.

3. Als verzinsliche Darlehen an die Banken, was der Nationalbank erlaubt, die Geldmenge effektiv und auf die Bedürfnisse der Wirtschaft abgestimmt zu steuern.

Die Vorteile einer solchen Lösung sind offensichtlich: weniger Finanzkrisen, mehr Einnahmen für die Allgemeinheit, Entschuldung der Gesellschaft, sicheres Geld für alle. Diese Vorteile sind keine Hirngespinste der Initianten, sondern wurden in einer Studie des IWF als realistisch beurteilt.

Kein radikaler – ein logischer Schritt

Es ist zu erwarten, dass gegen eine solche Reform viele Argumente vorgebracht werden: Schwächung des Finanzplatzes Schweiz, in einer international verflochtenen Wirtschaft nicht möglich, die Nationalbank bekäme zu viel Macht, Verstaatlichung der Wirtschaft usw. Diese Ängste sind unbegründet. Hingegen wird mit einer Vollgeld-Reform das angestrebt, was 1891 für die Banknoten beschlossen wurde: Damals wurde das Recht, Banknoten auszugeben, allein dem Bund bzw. der Nationalbank übertragen. Heute ist das für uns alle eine Selbstverständlichkeit. Aber heute machen die Banknoten nur noch einen geringen Teil der gesamten Geldmenge aus, und es ist daher folgerichtig, wenn dieses Recht der Geldschöpfung nun auch auf das viel wichtigere elektronische Geld ausgeweitet wird. Erst auf diese Weise wird es möglich sein, das Geld wieder stärker in den Dienst der Realwirtschaft zu stellen.