Geldregen in klirrender Kälte

Für Marktfahrer und Teile der Reisebranche sind Weihnachtsmärkte ein Bombengeschäft. Im In- und Ausland buhlen immer mehr Orte um die Gunst und das Geld der Konsumenten.

Thomas Griesser Kym
Drucken
Teilen
In Frauenfeld findet in zwei Wochen einer der grössten Ostschweizer Weihnachtsmärkte statt. (Bild: Andrea Stalder (Frauenfeld, 17. Dezember 2016))

In Frauenfeld findet in zwei Wochen einer der grössten Ostschweizer Weihnachtsmärkte statt. (Bild: Andrea Stalder (Frauenfeld, 17. Dezember 2016))

Thomas Griesser Kym

Wenn der Duft von Glühwein und Lebkuchen die Luft erfüllt, glitzernde Adventslichter mit leuchtenden Kinderaugen um die Wette strahlen, dann ist sie wieder da: die Zeit der Weihnachtsmärkte. In der Schweiz hat ihre Zahl vor allem in den vergangenen paar Jahren drastisch zugenommen. Waren es früher vor allem grosse Städte, die sich so festlich herausputzten, finden sich Weihnachtsmärkte heutzutage landauf, landab. Einige dauern mehrere Wochen, etwa jener in St. Gallen, andere lediglich ein paar Tage, wie beispielsweise jener in Frauenfeld. Philipp Widmer, Redaktor der «Schweizerischen Marktzeitung», kennt den Grund der Vielzahl: «Fast jeder Gewerbeverein hat einen Weihnachtsmarkt gegründet, um einen weiteren offenen Verkaufssonntag erhalten zu können.»

Weihnachtsmärkte sind für das Gewerbe und den Tourismus ein bedeutender Wirtschafts­faktor. Das weiss Peter Hutter, Sekretär des Schweizerischen Marktverbandes und Chef der Walliser-Confiserie in Kriessern, aus eigener Erfahrung. Mit seinem Stand ist er an den Weihnachtsmärkten in St. Gallen, in Chur und beim Globus in Zürich präsent. «Gerade vor Weihnachten sitzt das Portemonnaie lockerer», sagt Hutter. Die Leute erhielten den 13. Monatslohn, wollten sich etwas gönnen und seien auf der Suche nach Geschenken. Die Weihnachtsdekoration ziehe Publikum an, und besonders gut verkaufe sich authentische Ware. Für sein Geschäft seien die Weihnachtsmärkte «sehr wichtig», sagt Hutter. An ihnen erziele er annähernd 20 Prozent des Jahresumsatzes.

«Extrem an Bedeutung gewonnen»

Der Weihnachtsmarkt in St. Gallen, der heute öffnet und bis am 23. Dezember dauert, besteht aus 53 Ständen. Laut Marktchef Bernhard Steffen dauert der Aufbau einen Tag, und in drei bis vier Tagen werden die Häuschen geschmückt und eingerichtet. Während des Marktes muss Steffen dafür sorgen, dass die Öffnungszeiten eingehalten und nur bewilligte Produkte verkauft werden. Das Wachstum über die Jahre zeigt sich am Beispiel des Weihnachtsmarktes in Frauenfeld, der Mitte Dezember an drei Tagen in der Innenstadt stattfindet. 1999 startete man mit 20 Häuschen, dieses Jahr, bei der 19. Ausgabe, sind es 170 Stände. Simon Biegger, Präsident des Weihnachtsmarktes, erwartet 35000 Besucher, die auch von ausserhalb der Region kommen. «Es fahren Cars aus dem Tessin und Besucher aus Süddeutschland, Zürich oder der Innerschweiz zu uns.» Das gebe auch Restaurants und dem stationären Detailhandel, der mit vielen Läden und den Einkaufszentren Schlosspark und Passage in den Weihnachtsmarkt eingebunden ist, die Chance, neue Kunden zu gewinnen. Von den Ausstellern dagegen seien 90 Prozent Stammkunden. «Wichtig ist ein stimmiger Angebotsmix», sagt Biegger. Und: «Wir wollen nicht noch weiter wachsen.»

Wichtig sind Weihnachtsmärkte auch für die Reisebranche. Bei SBB Railaway, die Bahnfahrten nach Stuttgart, Colmar und Strassburg samt Hotelübernachtung anbietet, sind diese Arrangements das zweitstärkste Produkt im Winter nach den Skitageskarten plus Bahnfahrt, wie die stellvertretende Geschäftsführerin Nina Jordi sagt. «Dieses Segment habe über die vergangenen Jahre «extrem an Bedeutung gewonnen». Einerseits, weil es immer mehr Weihnachtsmärkte gebe, andererseits, weil diese als «Erlebnis in der Adventszeit» immer mehr Leute anzögen. «Sehr wichtig» ist der Dezember auch für das Uzwiler Unternehmen Franz Dähler Busreisen. «In diesem Monat erarbeiten wir einen Zehntel des Jahresumsatzes», sagt Geschäftsführerin Maya Sutter. Carfahrten zu Weihnachtsmärkten in den angrenzenden Ländern hätten «einen hohen Stellenwert», weil abgesehen davon im Dezember ausser Geschäftsausflügen oder Firmenessen nicht viel los sei. Zu schaffen macht Sutter allerdings die Konkurrenz der Fernbusse. Diese böten aber weder die Bequemlichkeit ganzer Arrangements noch einen Halt direkt vor dem Hotel.

Als «interessant» für sein Geschäft bezeichnet Stephan Frei, Geschäftsführer des Reisebüros Mittelthurgau, Flussfahrten auf Rhein und Main, Mosel oder Saar zu Weihnachtsmärkten. «Es hilft für die Auslastung unserer Flotte, verlängert die Saison und begeistert neue Kunden für den Fluss», sagt Frei, der sämtliche seiner Schiffe im Einsatz hat. Dass es auch hierzulande immer mehr Weihnachtsmärkte gibt, sieht er nicht als Konkurrenz. «Auf den Weihnachtsmärkten im Ausland herrscht ein anderes Ambiente, und das Schiff als schwimmendes Hotel dient als Rückzugsort.»