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GELDPOLITIK: Die Zinsen bleiben tief

Im Kampf gegen die Frankenstärke und andere Unzulänglichkeiten muss die Schweizerische Nationalbank die Zinszügel weiterhin schleifen lassen.
Thomas Griesser Kym
Kann weiterhin keine eigenständige Geldpolitik betreiben: Thomas ­Jordan, Chef der Schweizerischen Nationalbank. (Bild: Anthony Anex/KEY)

Kann weiterhin keine eigenständige Geldpolitik betreiben: Thomas ­Jordan, Chef der Schweizerischen Nationalbank. (Bild: Anthony Anex/KEY)

Thomas Griesser Kym

Am Mittwoch hatte die US-Notenbank Fed zum zweiten Mal dieses Jahr ihren Leitzinssatz um einen Viertelprozentpunkt an­gehoben, auf nunmehr 1,0% bis 1,25%. Zudem stellte die Fed für das laufende Jahr eine weitere Zinserhöhung auf ihrem Weg zur Normalisierung der Geldpolitik in Aussicht. Von solchen Verhältnissen ist die Schweizerische Nationalbank (SNB) weiterhin weit entfernt. Wie erwartet beliessen die Währungshüter gestern ihre Geldpolitik «unverändert expansiv», wie es das Direktorium un­ter Präsident Thomas Jordan formuliert. Das bedeutet: Der Strafzins auf Sichteinlagen bei der SNB beträgt weiterhin –0,75%, und das Zielband für den Leitzinssatz, den Dreimonats-Libor, reicht nach wie vor von –1,25% bis –0,25%.

Die SNB bekräftigt zudem, sie bleibe «bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv». Interventionen am Devisenmarkt respektive die Bereitschaft dazu, fremde Währungen gegen Franken zu kaufen, dienen ebenso wie der Negativzins dazu, Anlagen in Schweizer Franken weniger attraktiv zu machen. Das soll den starken Franken schwächen, klebt dieser doch hartnäckig unterhalb der Marke von 1.10 Fr. pro Euro fest. Diese 1.10 gelten in weiten Teilen der schweizerischen Wirtschaft als Schmerzgrenze. Ist der Franken noch stärker, wird es für viele Unternehmen noch schwieriger, preislich gegen Auslandkonkurrenz zu bestehen, und das nagt umso mehr an den Margen und beschert darüber hinaus so manchem Betrieb auch rote Zahlen. So haben laut einer Umfrage in der schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie vergangenes Jahr 23% der Firmen einen Betriebsverlust verbucht und 34% ihre Marge als ungenügend taxiert. Um diese Probleme weiss auch die SNB, die erneut festhält: «Der Franken ist nach wie vor deutlich überbewertet.»

Europäische Zentralbank gibt den Takt vor

Neben der Frankenstärke gibt es weitere Faktoren, die dagegen sprechen, dass die SNB ihre Geldpolitik in absehbarer Zeit etwas restriktiver gestaltet. Da ist zum einen die Europäische Zentralbank (EZB), deren Geldpolitik seit geraumer Zeit ebenfalls sehr expansiv ist. Dies vor dem Hintergrund, dass zahlreiche Staaten der Eurozone hoch verschuldet sind. Mit dem billionenschweren Aufkauf von Staatsanleihen und den extrem niedrigen Zinsen hilft die EZB entscheidend mit, dass die Sorgenländer im Euro weiterhin ihren Staatshaushalt finanzieren und ihre Schulden bedienen können. Zum anderen ist die Inflation in der Schweiz immer noch tief. Im Urteil von Credit-Suisse-Ökonom Maxime Botteron ist sie «immer noch zu tief», um ein Anziehen der geldpolitischen Zügel zu signalisieren. Die SNB rechnet für 2017 und 2018 mit einer In­flation von jeweils 0,3% und für 2019 mit einer von 1,0%. Damit hat sie ihre Prognosen für die beiden kommenden Jahre gar etwas zurückgenommen. Zum dritten ist da die Weltwirtschaft. Zwar geht die SNB davon aus, «dass sich die günstige Konjunkturentwicklung fortsetzt». Doch gleichzeitig weist die SNB auf Abwärtsrisiken hin, konkret auf politische Ungewiss­heiten und auf strukturelle Probleme in diversen Industrieländern. Kommt hinzu, dass sich die positiven Impulse aus dem Ausland bisher nur teils auf die Schweizer Wirtschaft übertragen haben. So hat sich deren Wachstum nach einer schwachen zweiten Jahreshälfte 2016 im ersten Quartal 2017 zwar etwas gefestigt, ist aber mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 1,1% im Urteil der SNB «verhalten» geblieben. Fürs ganze Jahr 2017 rechnet sie weiterhin mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5%.

CS-Ökonom Botteron geht davon aus, dass die SNB ihren Negativzins bei –0,75% belässt, solange die EZB ihrerseits ihre Zinsen nicht heraufsetzt. Das ist laut Botteron «nicht vor Ende 2018 zu erwarten». Die Zinsen dürften also vorderhand tief bleiben. Zudem geht Botteron davon aus, dass die SNB weiterhin Devisen gegen Franken kauft. Die Volumen dürften abnehmen, falls der Prozess der politischen Stabilisierung in Europa weitergehe und dies den Druck auf den Franken mindere.

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