Geld rein, Gold raus

Automaten sollen den Handel mit edlen Metallen vereinfachen. Eine schwäbische Firma hat kürzlich die ersten Goldautomaten aufgestellt. Und das ist erst der Anfang. Bald sollen sie zum Strassenbild gehören wie Geldautomaten.

Martin Ebner
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Der Goldautomat im Emirates Palace Hotel in Abu Dhabi. (Bild: www.gold-to-go.com)

Der Goldautomat im Emirates Palace Hotel in Abu Dhabi. (Bild: www.gold-to-go.com)

Reutlingen. Gelegen zwischen Stuttgart und der Schwäbischen Alb, ist die Kleinstadt Reutlingen wenig bekannt. Doch verbirgt sich hier ein Unternehmen, das «den ersten Goldautomaten der Welt» entwickelt hat. Auf den ersten Blick sieht das Gerät, das in einem Finanzberatungsbüro in der Fussgängerzone aufgestellt ist, wie ein mit Blattgold überzogener Billettautomat aus.

Neben den Schlitzen für Münzen, Banknoten und Kreditkarten sowie der Tastatur für den PIN-Code ist allerdings ein kleines Schaufenster eingelassen. Tippt man auf dem Monitor darüber eines der zehn abgebildeten Produkte an, wird in dieser Vitrine die gewählte Kostbarkeit angestrahlt. «Zur Absicherung der Kaufentscheidung», erläutert der Unternehmer Thomas Geissler.

Schliesslich kostet die Feinunze Gold derzeit über 1000 € – ohne sinnlichen Anreiz in Form eines glitzernden Barrens oder einer Goldmünze schreckt da der eine oder andere Kunde vielleicht in letzter Sekunde doch zurück.

Energie, Oliven, Gold

Die Geissler C-B-T Holding beschäftigte sich erst mit erneuerbaren Energien, dann mit Olivenanbau in Kroatien.

Vor allem verkaufte die Tochtergesellschaft Infos GmbH aber Anteile von Investmentfonds und betreute nach eigenen Angaben ein Vermögen von 200 Mio. €. Als das Fondsgeschäft im Herbst 2008 einbrach, hatte Geissler ein Problem: «Ich wollte meine 15köpfige Belegschaft unbedingt halten.» Wo andere über die Finanzkrise klagten und sich um den Euro sorgten, entdeckte Geissler neue Gewinnchancen: Er gründete die Ex Oriente Lux AG, die verunsicherten Sparern über eine Online-Plattform

eine unkomplizierte Flucht in Sachwerte aus Gold, Silber und Platin ermöglichen soll.

Schutz vor Geldwäscherei

Um «den Goldhandel zu entmystifizieren» und noch mehr «Lust auf die Investition in Edelmetalle zu machen», entwickelte Geissler zusammen mit dem schwäbischen Automatenhersteller Hess den Gold-to-go-ATM.

Ein erster Prototyp des 35 000 € teuren und 450 Kilo schweren Geräts aus Molybdän-Panzerstahl wurde im Mai 2009 ein paar Tage lang in Frankfurt am Flughafen und im Hauptbahnhof getestet. Danach wurde weiter an der Preisanzeige gefeilt, die via Internet alle zehn Sekunden aktualisiert wird. Zur Geldwäscherei-Prävention wurde für Käufe ab 1000 € ein Ausweis-Scanner eingebaut.

Diesen Mai installierte Geissler im mondänen Emirates Palace Hotel im Golfemirat Abu Dhabi die erste permanente Anlage; letzten Monat folgte der nicht ganz so prominente Standort in Reutlingen.

«Ein tolles Geschenk»

Bestückt sind die Automaten jeweils mit zwei Kilo Gold. Während die Araber gerne Krügerrand und andere Münzen ziehen, haben die Schwaben lieber Barren. «Unsere Klientel hier ist der normale Sparer», sagt Geissler. In den letzten Wochen habe er Gold für eine halbe Million Euro verkauft.

Besonders beliebt sei das 250- Gramm-Stück für rund 7800 €. Von kleineren Barren als Anlage rät Geissler ab: Die Herstellkosten seien viel zu hoch. Weil aber Goldplättchen «ein tolles Geschenk sind», bietet der Automat auch Minibarren in Geschenkboxen.

In den nächsten Wochen will Geissler im deutschsprachigen Raum an «Standorten mit gehobener Kaufkraft, grossem Publikumsverkehr und guter Sicherheitslage» rund 200 weitere Goldautomaten aufstellen und betreiben.

In anderen EU-Ländern können Franchisenehmer für 25 000 € und gegen 25% Gewinnbeteiligung die Idee übernehmen; ausserhalb Europas denkt Geissler an ein Lizenzmodell. Goldautomaten werden schon «bald selbstverständlich sein», äussert sich Geissler überzeugt: «Vor 20 Jahren, als die Banken Geldautomaten einführten, herrschte auch eine Unmenge Skepsis.»