Gegen Überholspur im Internet

Der Vorschlag der US-Aufsichtsbehörde für Telekommunikation, zahlenden Unternehmen eine schnellere Datenautobahn zu ermöglichen, stösst auf Kritik.

John Dyer
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BOSTON. Der Vorsitzende der US-Telekomaufsicht, Tom Wheeler, steht im Gegenwind. Bisher läuft der Datentransfer auf der letzten Meile zum Endkunden für alle mit der gleichen Geschwindigkeit. Das versteht man heute unter Netzneutralität. Nun aber will Wheeler Unternehmen die Möglichkeit geben, Inhalte im Internet schneller zu transportieren – gegen höhere Gebühren (vgl. Ausgabe vom 28. April). Grosse Kabelanbieter würden profitieren, viele kleinere Internetfirmen aber hätten das Nachsehen. Die FCC-Pläne wurden als Sieg für Verizon, Comcast und andere Anbieter verstanden. Aber auch für Firmen wie Disney, Googles YouTube oder Netflix, die an schnellem Datentransfer interessiert sind, etwa um Videos per Stream zu den Kunden zu transportieren.

«Ernste Bedrohung»

Verfechter der Gleichheit für alle im Internet protestieren. Technologiekonzerne wie Amazon, Facebook, Microsoft, aber selbst Google oder Netflix sowie eine Reihe kleinerer Firmen haben begonnen, im US-Kongress gegen die FCC zu lobbyieren. «Das ist eine ernste Bedrohung des Internets», schreiben die Firmen. Denn die Dienstanbieter im Internet würden «technisch und finanziell diskriminiert», weil ihnen neue Gebühren auferlegt würden. 50 Anleger von Risikokapital, darunter Twitter, Airbnb-Investor Ron Conway oder Facebook-Financier Chris Dixon von Andreessen Horowitz, meldeten sich ebenfalls zu Wort. Ihr Argument: Wheelers Plan dämpfe Innovation und Wirtschaftswachstum. «Wenn etablierte Firmen höhere Geschwindigkeit kaufen können, dann ist das Internet kein gleiches Spielfeld für alle mehr.»

Skeptischer Verwaltungsrat

«Das Internet funktioniert am besten, wenn die Nutzer bestimmen», sagt Alan Davidson vom Open Technology Institute. Die FCC sollte es nur vor «diskriminierenden Eingriffen schützen». Ob es im FCC-Verwaltungsrat diese Woche zur Abstimmung über Wheelers Plan kommt, ist wenig wahrscheinlich. Dem Gremium gehören drei Demokraten und zwei Republikaner an. Demokratin Jessica Rosenworcel äusserte ihre Zweifel öffentlich. Und auch die beiden Republikaner haben schon gegen Wheelers Plan Position bezogen.

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