Gefahr einer Immobilienblase in der Ostschweiz besteht nicht - Wachsamkeit ist dennoch angezeigt

Der Immobilienmarkt Ostschweiz ist in guter Verfassung. Allerdings mehren sich die Anzeichen für Probleme.

Stefan Borkert
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Tiefe Hypothekarzinsen und die Nachfrage nach Einfamilienhäusern befeuern auch deren Neubau in der Ostschweiz.

Tiefe Hypothekarzinsen und die Nachfrage nach Einfamilienhäusern befeuern auch deren Neubau in der Ostschweiz.

Bild: Michel Canonica

Investoren mögen eines nicht, und das ist Unsicherheit. Unsicherheit wegen der Weltlage, der Lage in der Schweiz und der Lage in der Ostschweiz vor Ort. Was die Weltlage betrifft, bestehen die Befürchtungen angesichts der jüngsten Auseinandersetzungen wohl zu Recht. Die Schweiz präsentiert sich hingegen grundsätzlich stabil, was einen starken Franken zur Folge hat. Die Ostschweiz, besonders der Kanton St.Gallen, hat Nachholbedarf. Raumplanungs- und Baugesetz sorgen für rote Köpfe.

Für Manager von Immobiliengesellschaften ist das Hin und Her kaum nachzuvollziehen. Sie wollen rasch Baugenehmigungen haben. Das machte René Zahnd, Chef von Swiss ­Prime Site (SPS), der grössten Immobiliengesellschaft der Schweiz, die an der Börse kotiert ist, unmissverständlich deutlich. Der St.Galler Regierungsrat Marc Mächler gelobte Besserung und zeigte Verständnis.

Ausserdem rief Zahnd eindringlich dazu auf, endlich ernst zu machen mit verdichtetem Bauen und mit der Reduktion von Treibhausgasemissionen. Alle Ölheizungen würde er verbieten, sonst würden die Klimaziele bis 2050 nicht erreicht. Am Ende stellte er noch ein Paket vor, wie die SPS schon zehn Jahre früher, nämlich 2040, die Vorgabe der Klimaneutralität erfüllen wolle. Regierungsrat Mächler hat er überzeugt. Der will sich im Kantonsrat massiv dafür einsetzen, dass bei Neuinstallationen keine Ölheizungen mehr zugelassen werden. Bauen, Umbauen, Wohnen, Vermieten und Verkaufen hat also ziemlich viel mit Eigeninteressen und Politik zu tun. Auch das ist am Immobilienforum der St.Galler Kantonalbank (SGKB) deutlich geworden.

Umbau bietet grosses Potenzial

Die Sicht auf den Immobilienmarkt selbst lenkte hingegen Patrick Schnorf. Der Marktforscher von Wüest und Partner machte das am SGKB-Forum bereits zum zehnten Mal. Was gut für den Markt und für Investoren ist, war die Nachricht, dass es in der Ostschweiz unterm Strich recht ruhig und unspektakulär zugeht. Eine Immobilienblase sei nicht zu erwarten. Die Bautätigkeit ist hoch. Die Zinsen sind tief. Auch nach fünf Jahren Negativzins sieht Schnorf keine Anzeichen für eine Wende. Zwar nehme der Neubau eher leicht ab, aber im Bereich Umbauten liege grosses Potenzial.

Schnorf warnte davor, die Hände in den Schoss zu legen. Denn klar ist, dass zum Beispiel die Preise für die begehrten Einfamilienhäuser auf Dauer nicht in dem Masse weiter ansteigen werden können. Was man im Auge behalten müsse, das seien die Leerstände. Das habe bereits zur Folge, dass die Mieten teils sinken. Auch die Dauer von Inseraten habe leicht zugenommen, sei aber immer noch recht niedrig.

Rheintal mit Leerständen und Neubauten

Ein wenig Sorgen bereitet das Rheintal, wo teils vielleicht am zukünftigen Bedarf vorbei gebaut werde. Dort verortete Schnorf eine überdurchschnittliche Bautätigkeit, die mit überdurchschnittlich hohen Leerständen einhergehe. Allerdings ist im Rheintal auch das Bevölkerungswachstum überdurchschnittlich. Generell ist, was die gewerblichen Flächen, Büro­flächen und Verkaufsflächen angehe, die Vermietung etwas schwieriger geworden. Die Leerstände steigen, zwar nicht bedrohlich, aber sie steigen. So sieht Schnorf hier für die Entwicklung in diesem Jahr eine Seitwärtsbewegung.

Wohneigentum und besonders Einfamilienhäuser werden hingegen weiter gefragt sein. Immer noch gebe es Regionen, wo die Nachfrage das Angebot weit übersteige. Angezogen haben auch wieder die Preise für Eigentumswohnungen, die vorübergehend stagnierten.