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Nur noch 200 statt 450: Rechnet sich GE den Stellenabbau schön?

Der US-Konzern General Electric will in der Schweiz statt 450 nur noch 200 Jobs streichen. Gewerkschaften kommen jedoch auf eine andere Zahl.
Fabian Hock
General Electric in Baden: Die dritte Kündigungswelle rollt an. (Bild: Keystone)

General Electric in Baden: Die dritte Kündigungswelle rollt an. (Bild: Keystone)

Es war ein Schock für den Industriestandort: 450 Stellen sollten beim US-Konzern General Electric in der Schweiz wegfallen, erklärte GE im Sommer dieses Jahres - der dritte Abbau im grossen Stil in nur drei Jahren. Betroffen seien die Standorte Baden und Birr. Heute dann die vermeintliche Entwarnung: Nach dem Konsultationsverfahren verringere sich die Zahl auf „noch höchstens 200“. „Das ist 55 Prozent weniger als ursprünglich vorgeschlagen“, heisst es in einer Mitteilung von GE. Als Gründe führt der Konzern „natürlich Fluktuation, Vereinbarungen mit Dritten, Frühpensionierungen“ sowie einen reduzierten Stellenabbau an.

Alles halb so schlimm also? Mitnichten, meinen Gewerkschaften. Sie zeigen sich empört. Angesprochen auf die neue Zahl 200 meint Manuel Wyss, Branchenleiter für die MEM-Industrie bei der Unia: „Das stimmt so nicht.“ Nach seiner Rechnung werden 410 Stellen unwiederbringlich verschwinden. Es werde 230 Kündigungen geben sagt Wyss – hinzurechnen müsse man allerdings auch die 120 Austritte über die sogenannte „natürliche Fluktuation“. Ferner seien 70 Jobs zum Unternehmen Infosys gewandert. Zusammen mit 40 frühzeitigen Pensionierungen mache das eben 410 statt 200.

Ins selbe Horn stösst die Gewerkschaft Syna. Auch sie spricht von 410 verlorenen Stellen. Dass es nicht, wie zuvor angekündigt, 450 werden sollen, mache die Bilanz zwar etwas besser. Aber: Für 220 GE-Angestellte gebe es noch keine Folgelösung. „Deshalb ist dieser Teilerfolg nur ein kleiner Trost im Vergleich zum desolaten Gesamtbild von General Electric in der Schweiz.“

„Dahinter steckt keine industrielle Logik“

Der jüngste Stellenabbau ist der dritte Tiefschlag innert drei Jahren. Die erste Abbauwelle kam 2016 – kurz nachdem der US-Konzern die Energiesparte der französischen Alstom übernommen hatte. Einige hundert Jobs fielen damals weg – und nur zwei Jahre später der nächste Schock: 1200 Stellen strich GE in der zweiten Welle. Zusammen mit der jüngsten, dritten Welle kommt eine handfeste Zahl zusammen: „Seit der Übernahme der Power-Sparte von Alstom sind in unserem Land 3000 Jobs verschwunden“, rechnet die Syna vor. Eine grosse Restrukturierung folge auf die andere. Kontinuität und Stabilität, die die Mitarbeitenden nach der Übernahme gefordert hatten: Fehlanzeige. Wie die Zukunft des Unternehmens aussehe sei alles andere als klar.

Wyss von der Unia spricht von einem „Debakel für den Standort Schweiz“, das bereits bei der Übernahme der Energiesparte von der französischen Alstom begonnen habe. „Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat sich damals keine Garantien geben lassen“, sagt der Unia-Mann. In Bern verweigere man sich jeglicher Industriepolitik. Das sei nun die Quittung.

Ferner kritisiert Wyss, GE gehe von einer sehr schwachen Marktentwicklung aus. Die Arbeitnehmervertreter sehen dagegen eine wesentlich freundlichere Marktentwicklung. Wyss folgert: „Hinter den Abbauplänen von GE steckt keine industrielle Logik, sondern eine Profitlogik.“

"Oberstes Ziel ist es, eine neue Stelle für die betroffenen Mitarbeitenden zu finden"

Auf die Gewerkschaftskritik zur verbreiteten Zahl 200 angesprochen heisst es seitens GE: "Seit Beginn des Konsultationsverfahrens tut GE alles Notwendige, um die sozialen Auswirkungen auf die Mitarbeitenden so gering wie möglich zu halten." Man sei sich dieser Verantwortung bewusst und habe daher "Vereinbarungen mit Drittpartnern getroffen und Frühpensionierungen sowie natürliche Fluktuation genutzt, so dass jetzt nur noch höchstens 200 Mitarbeitende in der Schweiz betroffen sind."

Das oberste Ziel sei es, eine neue Stelle für die betroffenen Mitarbeitenden zu finden, so GE weiter. "Eine wichtige Rolle spielt dabei GEs eigener interner Stellen- und Beratungsservice (ISB). Bei der letzten Restrukturierung hatte dieser massgeblich dazu beigetragen, dass 90 Prozent der betroffenen Arbeitnehmenden bereits vor ihrem Austritt aus GE eine neue Stelle fanden."

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