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Lehrer, Lehrlinge, Leerstellen Wenn bei KMU-Anlässen die Rede auf den Übergang zwischen Schule und Beruf kommt, dann sind oft Vorwürfe wie dieser zu hören: «Die Schule liefert uns nicht das, was wir brauchen.

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Roger Tinner (49) Unternehmer, Geschäftsführer Wirtschaft Region St. Gallen (WISG)

Roger Tinner (49) Unternehmer, Geschäftsführer Wirtschaft Region St. Gallen (WISG)

Lehrer, Lehrlinge, Leerstellen

Wenn bei KMU-Anlässen die Rede auf den Übergang zwischen Schule und Beruf kommt, dann sind oft Vorwürfe wie dieser zu hören: «Die Schule liefert uns nicht das, was wir brauchen.» Die Schule wird als Lieferant gesehen, die Lehrerinnen und Lehrer als Produzenten von falsch oder zu wenig qualifiziertem Berufsnachwuchs.

Von diesem allzu einfachen Bild wird sich die Wirtschaft bald verabschieden müssen. Die Industrieunternehmen, etwa im Rheintal, haben dies vor Jahren schon getan: Mit «Chance Industrie» machen sie ihre Unternehmen und Berufsbilder bei den potenziellen Auszubildenden attraktiv. Sie haben die Schule, die Lehrer- und – vor allem – die Schülerschaft der Oberstufe als wichtige Anspruchsgruppe erkannt und pflegen sie mit allen Mitteln des Marketings.

Auch in der Region St. Gallen wurde eine ähnliche Aktion gestartet, bei der Unternehmer und Lehrlinge in Schulen auftreten und erzählen, warum sich eine Lehre lohnt und spannend ist. Die Aktionen stossen bei Schülern und Lehrern, die ihren Schülern eine Lehrstelle verschaffen möchten, auf hohes Interesse. Weniger Begeisterung spürt man bisher leider auf Seiten der Unternehmen, die oft nur schwer für solche Einsätze zu motivieren sind.

Dies ist die ebenso klassische wie falsche Haltung am Übergang zwischen einem Nachfrage- und einem Angebotsmarkt, wie er derzeit bei den Lehrstellen stattfindet: vom Lehrstellenmangel zum Lehrlingsmangel. Während sich KMU in ihren Absatzmärkten gewohnt sind, mit persönlichem Einsatz und Kommunikation zu Kunden zu kommen, so müssen sie dies bei ihrem Beschaffungsmarkt für Fachkräfte und Berufsnachwuchs erst noch lernen.

Schade, dass dazu offensichtliche statistische Erkenntnisse nicht genügen: Man weiss seit Jahren, dass in Zukunft weniger Schüler auf den Lehrstellenmarkt kommen. Manche KMU werden dies leider erst merken, wenn es zu spät ist und aus ihren Lehrstellen Leerstellen geworden sind.

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