GastWirtschaft

Arbeit als existenzieller Anker In unserer Wohlstands- und Freizeitgesellschaft spielt Arbeit nach wie vor eine herausragende Rolle. Sie steht für Selbstverwirklichung, für soziale Integration und für materielle Unabhängigkeit.

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Johannes Rutz ist Leiter des Amtes für Arbeit des Kantons St. Gallen

Johannes Rutz ist Leiter des Amtes für Arbeit des Kantons St. Gallen

Arbeit als existenzieller Anker

In unserer Wohlstands- und Freizeitgesellschaft spielt Arbeit nach wie vor eine herausragende Rolle. Sie steht für Selbstverwirklichung, für soziale Integration und für materielle Unabhängigkeit. Noch nie waren so viele Institutionen so stark engagiert bei der Wiedereingliederung von Stellensuchenden: RAV, IV, Suva, Sozialämter, private Vermittler, Berufsberatungen, Taggeldversicherer, Psychiatrie, Sozialinstitutionen.

Das ist erfreulich - und erstaunlich zugleich, hat sich doch die Dauer der Lebensarbeitszeit in den letzten Jahrzehnten massiv reduziert hat. 1850 arbeitete ein Mensch 70 Prozent der Zeit zwischen Geburt und Tod. Heute sind es gerade noch etwas mehr als 10 Prozent (ausgehend von einem Durchschnittsalter von 80 Jahren, davon 40 Arbeitsjahre à 2000 Stunden pro Jahr). Der industrielle Fortschritt schlägt sich in einem unglaublich hohen Mass an freier Zeit nieder.

Obwohl nur noch rund 10 Prozent der Lebenszeit regulär gearbeitet wird, sind diese für die existenzielle Verankerung des Menschen entscheidend. Wer unfreiwillig ohne Arbeit ist, durchlebt eine fatale Abwärtsspirale von Frust und Angst und unter Umständen das einengende staatliche Gängelband. Darum ist der Kampf gegen Arbeitslosigkeit so wichtig und nur dann erfolgreich, wenn Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Staat eng zusammenarbeiten.

Arbeitnehmende, insbesondere Jüngere, müssen wissen: Bildung schützt vor Arbeitslosigkeit. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen klar: Je höher der Bildungsstand, desto geringer die Arbeitslosigkeit. Arbeitgeber sind an ihre soziale Verantwortung zu erinnen, wenn es darum geht, Mitarbeitende mit einer Behinderung zu halten oder neu einzustellen. Ohne das freiwillige Engagement der Unternehmen würde beispielsweise die geplante 6. IV-Revision ins Leere laufen. Schliesslich ist es Aufgabe des Staates, optimale wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen, denn das beste Beschäftigungsprogramm sind noch immer Unternehmen, die ihre Produkte erfolgreich am Markt verkaufen.

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