GastWirtschaft

Schenken schenkt ein Schenken macht Freude, versprechen einem die bunten Kataloge, die uns zurzeit ins Haus flattern. Schenken macht auch Freunde – und manchmal auch Feinde, wenn man jemanden, der einen beschenkt, zu beschenken vergessen hat.

Merken
Drucken
Teilen
Urs Fischbacher ist Leiter Thurgauer Wirtschaftsinstitut (TWI) in Kreuzlingen

Urs Fischbacher ist Leiter Thurgauer Wirtschaftsinstitut (TWI) in Kreuzlingen

Schenken schenkt ein

Schenken macht Freude, versprechen einem die bunten Kataloge, die uns zurzeit ins Haus flattern. Schenken macht auch Freunde – und manchmal auch Feinde, wenn man jemanden, der einen beschenkt, zu beschenken vergessen hat. Wie du mir, so ich dir! Gilt das auch beim Schenken?

Wenn ich jemanden beschenke, denke ich in der Regel nicht vorderhand daran, dass ich dann auch beschenkt werde. Mir scheint, ich schenke, weil ich netten Menschen eine Freude bereiten will. Wir wollten mit einem ökonomischen Experiment herausfinden, ob Leute wirklich daran interessiert sind, nett zu netten Menschen zu sein. In diesem Experiment konnte man Geldeinheiten verschenken, sprechen wir einfachheitshalber von Franken. Man konnte für zwei Franken einem andern fünf Franken bezahlen. Die Differenz ging zulasten des Experimentators. Diese Situation wurde mit wechselnden Partnern und Rollen (Schenker oder Empfänger) wiederholt. Man konnte also gut verdienen, wenn man sich gegenseitig beschenkte. Aber es bestand auch die Versuchung, sich beschenken zu lassen und selbst niemanden zu beschenken.

Um herauszufinden, ob vor allem nette Menschen beschenkt werden, haben wir den potenziellen Schenker darüber informiert, wie oft der potenzielle Empfänger in der Vergangenheit spendete. Die Geschenke nahmen deutlich zu: Zum einen wurden jene häufiger beschenkt, welche zuvor grosszügig waren. Aber nicht nur diese: Generell wurde mehr gegeben, weil man gerne als spendabel dastehen wollte. Man schenkte, um sich einen guten Ruf aufzubauen.

Um herauszufinden, wie wichtig dieser gute Ruf ist, haben wir das Experiment so verändert, dass bei manchen Schenkern die Entscheide nicht transparent gemacht wurden. Tatsächlich wurde weniger geschenkt. Und differenzierter: Sie gaben vorab denjenigen, die selbst grosszügig waren. Zum Glück haben wir in der Realität meist einen Ruf zu verlieren: So schenken wir nämlich; wenn auch oft nur, weil wir dann beschenkt werden. Und so macht Schenken tatsächlich Freude. So oder so jenen, welche uns die bunten Kataloge zuschicken.