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Cupfinal ETH Zürich gegen ETH Lausanne Im grossen Wettstreit um die EU-Forschungsflaggschiffe hat sich die Jury der Europäischen Kommission kürzlich für zwei von sechs Finalisten ausgesprochen. Sie werden mit je einer halben Milliarde Euro gefördert.

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Urs Fischbacher ist Leiter Thurgauer Wirtschaftsinstitut (TWI) in Kreuzlingen.

Urs Fischbacher ist Leiter Thurgauer Wirtschaftsinstitut (TWI) in Kreuzlingen.

Cupfinal ETH Zürich gegen ETH Lausanne

Im grossen Wettstreit um die EU-Forschungsflaggschiffe hat sich die Jury der Europäischen Kommission kürzlich für zwei von sechs Finalisten ausgesprochen. Sie werden mit je einer halben Milliarde Euro gefördert. Zwei Projekte aus der Schweiz schafften es in die letzte Runde, ein Projekt der ETH Lausanne, mit welchem das Gehirn in einem Supercomputer simuliert werden soll, und ein Projekt der ETH Zürich, das menschliches Verhalten in Gesellschaften modellieren will. Beide Projekte gehen fundamentalen Fragen nach. Beide sind nicht unumstritten, werden aber unstrittig viele neue Erkenntnisse gewinnen. Die ETH Lausanne hat es geschafft, die ETH Zürich geht leer aus.

Vorweg: Es ist erfreulich, dass eine Schweizer Institution in diesem harten internationalen Wettbewerb erfolgreich war, der ETH Lausanne und den Forscherteams in Lausanne kann man nur gratulieren. Diese Förderung führt für die ETH Lausanne zu einem gewaltigen Geld- und Reputationsgewinn. Sie wird noch attraktiver, und ihre Chancen im internationalen Wettbewerb um Forschungsmittel steigen. Ein Sieg ruft den andern.

Da drängt sich geradezu ein Vergleich mit dem Profifussball auf. Wer an der Champions-League teilnimmt, erhält so viel Geld, dass eine Geld-Qualitäts-Spirale in Gang kommt, in welcher die Teams an der Spitze absahnen, folglich die besten Spieler zukaufen können und es damit wieder an die Spitze schaffen. So gibt es auch in der Forschung eine recht stabile Gruppe von Topuniversitäten. Das hat Vorteile: Grosses kann geschaffen werden, wenn sich die besten Köpfe finden; das ist einfacher, wenn sie wissen, welches die beste Adresse ist.

Es ist aber falsch, die ETH Zürich als grosse Verliererin darzustellen, wie es verschiedentlich geschehen ist. Die ETH Zürich hat zwar die Zwei am Rücken, doch ist sie damit nicht aus dem Spiel. Nun beginnt der Wettbewerb um Ideen. Da ist das Rennen offen. In der Forschung ist nie im voraus klar, wo wirklich die bahnbrechenden Resultate erfolgen werden – sonst wären sie nicht mehr bahnbrechend.