Gast-Wirtschaft

Hinderliche Altlasten Moderne Singles wünschen sich öfters einen Partner oder eine Partnerin ohne Altlasten.

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Peter Maag (56) ist Direktor der Industrie- und Handelskammer Thurgau. Er wohnt in Mettendorf.

Peter Maag (56) ist Direktor der Industrie- und Handelskammer Thurgau. Er wohnt in Mettendorf.

Hinderliche Altlasten

Moderne Singles wünschen sich öfters einen Partner oder eine Partnerin ohne Altlasten. Mit «Altlasten» sind in diesem Zusammenhang Umstände gemeint, die sich emotional oder finanziell belastend auf eine neue Beziehung auswirken können. Man möchte, dass der Partner mit der vorherigen Beziehung vollständig abgeschlossen hat. Er soll gedanklich frei sein.

Das Ringen um die Scheidung, die Kinder und die Finanzen soll beendet, allfällige Verletzungen sollen verarbeitet sein. Wer auf Partnersuche ist, steht gewissermassen unter dem Generalverdacht, er sei nicht frei von solchen Altlasten.

Um gänzlich andere Formen von Altlasten geht es im Umweltrecht. Unter Altlast wird hier ein Standort verstanden, der mit Abfällen belastet ist, die zu schädlichen oder lästigen Einwirkungen für die Umgebung führen.

Konkret kann es sich beispielsweise um eine Abfalldeponie, einen Unfallstandort, eine Schiessanlage oder eine chemische Fabrik handeln. Dabei ist es wohl eine unbestreitbare Tatsache, dass während Jahrzehnten zu sorglos mit umweltgefährdenden Stoffen und Abfällen umgegangen wurde.

Zwischen den beiden Formen von Altlasten gibt es erstaunliche Parallelen. So gilt auch im Umweltrecht das Prinzip des Generalverdachts.

Im öffentlichen Altlastenkataster wird zunächst einmal ohne nähere Prüfung und bei bloss geringem Verdacht eine grosse Zahl von Standorten erfasst. Im Kanton Thurgau sind zahlreiche Industrie- und Gewerbebetriebe von dieser Umweltbürokratie betroffen. Bloss bei einem kleinen Anteil dieser Unternehmen werden die späteren, teils kostspieligen und zeitaufwendigen Abklärungen ergeben, dass eine Sanierung nötig ist.

Trotz bürgerlicher Mehrheiten in Regierung und Parlament werden die Unternehmen in der Schweiz administrativ nicht entlastet – sondern im Gegenteil Jahr für Jahr zusätzlich belastet. Der Altlastenkataster stellt ein solches Beispiel dar. Für die betroffenen Betriebe hat der Eintrag handfeste Nachteile. Der Kataster-Eintrag führt zu einer sofortigen Entwertung der Betriebsliegenschaft. Die Möglichkeiten zur baulichen Unternehmensentwicklung werden eingeschränkt. Nachfolgeprozesse werden behindert, mögliche Partner abgeschreckt.

Die übertriebene Umweltbürokratie wirkt sich nicht nur finanziell, sondern auch emotional nachteilig auf die betroffenen Unternehmen aus. Das Management muss sich um Altlasten aus der Vergangenheit kümmern und ist gedanklich weniger frei für kreative, zukunftsgerichtete Prozesse.

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