Gast-Wirtschaft

15 Jahre RAV: Grund zum Feiern? Vor 15 Jahren, 1996, revolutionierte die Schweiz die öffentliche Arbeitsvermittlung. Die rund 3000 Gemeindearbeitsämter wurden zugunsten von rund 130 Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) aufgehoben.

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Johannes Rutz ist Leiter des Amtes für Arbeit des Kantons St. Gallen

Johannes Rutz ist Leiter des Amtes für Arbeit des Kantons St. Gallen

15 Jahre RAV: Grund zum Feiern?

Vor 15 Jahren, 1996, revolutionierte die Schweiz die öffentliche Arbeitsvermittlung. Die rund 3000 Gemeindearbeitsämter wurden zugunsten von rund 130 Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) aufgehoben. Das Stempeln wurde durch Beratung abgelöst. Aktive Massnahmen ersetzten passives Warten.

Damals glaubten viele, dass die RAV eine vorübergehende Erscheinung seien. Inzwischen haben sie sich jedoch etabliert und sind bei der Bevölkerung akzeptiert. Unerfreulich am Jubiläum ist, dass die RAV immer noch benötigt werden, weil die wirtschaftliche Entwicklung die Arbeitslosigkeit nicht beseitigen konnte. Anfang der 1990er-Jahre gab es kaum Arbeitslose. Im Kanton St. Gallen zählte man im Juni 1990 gerade mal 466.

Die Sockelarbeitslosigkeit stieg nach dem Höhepunkt der Krise von 1997 auf knapp 5000 Stellensuchende (2001) und nach einem weiteren wirtschaftlichen Einbruch auf knapp 7000 (2008). Aktuell zählt unser Kanton 11 400 Stellensuchende. Es ist zu hoffen, dass diese Zahlen in der gegenwärtigen Erholung erheblich sinken. Es wäre alarmierend, wenn nach jeder rezessiven Phase die Sockelarbeitslosigkeit immer mehr ansteigen würde.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht hat sich die Arbeit der RAV in den letzten 15 Jahren stark verbessert. Das ist die erfreuliche Seite des Jubiläums. Nach einer Untersuchung des Basler Professors Sheldon hat die Vermittlungseffizienz aller RAV in den letzten 10 Jahren um über 20 Prozent zugenommen. Das heisst, dass um diesen Prozentsatz schneller und dauerhafter vermittelt wird. Das bedeutet eine Ersparnis von einer Milliarde Franken jährlich!

Als das Seco (Staatssekretariat für Wirtschaft) das erste Mal die Wirkung der RAV überprüfte, landete St. Gallen auf dem letzten Platz aller Kantone. Inzwischen ist der Kanton dank konsequentem Qualitätsmanagement und Kundenorientierung auf den vordersten Rängen anzutreffen.

Die nächste grosse Herausforderung für die RAV ist die Umsetzung der 4. Revision der Arbeitslosenversicherung.

Die ab April geltenden, zum Teil verkürzten Taggeldbezugszeiten zwingen das Personal, die Beratung und Vermittlung der Stellensuchenden noch früher und zielgerichteter anzugehen.