Jörg Gasser wird neuer CEO der Bankiervereinigung

Bei der Schweizerischen Bankiervereinigung geht die operative Führung per Mai in neue Hände über. Der neue Chef ist ein Diplomat.

Daniel Zulauf, SDA
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Wechselt vom Bund zur Bankiervereinigung: Jörg Gasser (49). Bild: Boris Bürgisser (Zug, 14. Dezember 2018)

Wechselt vom Bund zur Bankiervereinigung: Jörg Gasser (49). Bild: Boris Bürgisser (Zug, 14. Dezember 2018)

Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg )erhält einen neuen CEO: Der frühere Diplomat im Rang eines Botschafters im Staatssekretariat für Internationale Finanzfragen (Sif), Jörg Gasser, übernimmt den Posten am 1. Mai von Claude-Alain Margelisch, der den Branchenverband nach neunjähriger Leitung und 25-jähriger Mitarbeit verlässt, um neue Aufgaben in der Privatwirtschaft zu übernehmen. Die Wahl von Gasser durch den SBVg-Verwaltungsrat am Dienstag sei einstimmig erfolgt, heisst es in einer Mitteilung. Gasser leitete bis Ende Februar das Sif, zuvor war er unter anderem als Generalsekretär beim Eidgenössischen Finanzdepartement sowie beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement tätig. Weitere Stationen waren das Bundesamt für Migration und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz.

Der in der Bundesverwaltung gut vernetzte Gasser ist zweifellos ein erfolgreicher Fischzug für die Bankiers, die in den letzten Jahren viel von ihrem einstigen politischen Gewicht eingebüsst haben. Herbert Scheidt, der Präsident der SBVg, sagte denn auch am Dienstag an einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz, den Banken gehe es mitunter darum, die Regulierung auf ein verkraftbares Mass einzudämmen.

Grösse des Einflusses bleibt abzuwarten

Inwieweit Gasser diesbezüglich Einfluss nehmen kann, bleibt abzuwarten. Als Regulierungsbehörde wirkt nicht das Sif, sondern die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma), die mindestens in ihrer aktuellen Struktur einigen Spielraum bei der konkreten Ausgestaltung politischer Regulierungsvorgaben geniesst. Im Parlament sind in jüngster allerdings Stimmen laut geworden, welche die Freiheiten der Behörde stärker einschränken möchten.

Gassers übertritt in die Bankiervereinigung stellt keinen grossen Bruch mit seinem letzten Posten beim Sif dar. Das Sif versteht sich als eine Art nationale Schutzpatronin des Finanzplatzes, für dessen Wettbewerbsfähigkeit sie sich auch international stark macht. Allerdings hat das Sif nicht nur die Interessen der Banken sondern auch jene der Assekuranz und vor allem jene der aufstrebenden Fintech-Industrie im Auge. Und die Fintechs und die Banken standen sich im Rahmen der Entwicklung neuer gesetzlicher Rahmenbedingungen auch schon als scharfe Konkurrenten gegenüber.