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Gas aus der Region, für die Region

Die Migros Ostschweiz macht sich auf den Weg in die Energiewende – mit Biogas aus St. Galler Grüngutabfällen.
Kaspar Enz
Daniel Balmer, Leiter Transportlogistik der Migros Ostschweiz, führt den Biogaslaster vor. Bild: Ralph Ribi (Gossau, 8. August 2019)

Daniel Balmer, Leiter Transportlogistik der Migros Ostschweiz, führt den Biogaslaster vor. Bild: Ralph Ribi (Gossau, 8. August 2019)

Ein Sattelschlepper wie jeder andere? «Von Grösse und Gewicht her gibt es keinen Unterschied zum Dieselfahrzeug», sagt Daniel Balmer, Leiter Transport­logistik der Migros Ostschweiz. Der grösste Unterschied zu den anderen Fahrzeugen, die hier vom Betriebszentrum in Gossau die Filialen anfahren, ist der Tankinhalt. Seit Frühling testet die Migros Ostschweiz zwei Lastzüge, die mit Biogas fahren. Das Gas liefern die St. Galler Stadtwerke, die es aus Grünabfällen gewinnen. Auch ein kleinerer Lieferwagen ist im Einsatz, im Herbst soll ein Wechselpritschenlaster dazukommen, der mit Biogas fährt.

Denn der Detailhandelsriese will im Güterverkehr CO2 einsparen. Wie, will er noch klären. Dass die Migros Ostschweiz nun Biogas testet, hat einfache Gründe. Sie ist die flächenmässig grösste der Genossenschaften, die Distanzen sind zu gross für E-Laster. Und Gasantriebe sind eine bewährte Technologie.

Im Dialog zur Energiewende

Damit das Pilotprojekt beginnen konnte, brauchte es aber neben den Fahrzeugen auch geeignete Tankstellen und einen Treibstofflieferanten. «Für uns kam nur Schweizer Biogas in Frage», sagt Balmer. Alles zusammenzuführen sei gar nicht so einfach gewesen. Ein Grund, weshalb die Migros den Dialog sucht, um den Umbau des Güterverkehrs auf erneuerbare Energien anzugehen. Gestern lud sie Vertreter aller Beteiligten in die Gossauer Betriebszentrale: Regierungsrat Bruno Dammann, den Direktor des Bundesamts für Strassen Jürg Röthlisberger, Vertreter des Lastwagenbauers Iveco, der St. Galler Stadtwerke und auch der Empa. Diese belegte, dass Biogas viel CO2 einsparen kann. Und sie erstellte ein Informatiktool, dass die Migros nun nutzt, um alternative Antriebe auszutesten. Denn während die Biogaslaster durch die Ostschweiz kurven, sind in der städtischeren Zürcher Genossenschaft E-Laster im Einsatz. Anfang nächstes Jahr sollen erste Brennstoffzellenfahrzeuge in Betrieb genommen werden.

Effizienz dank Daten

Grundlage für diesen nächsten Schritt sei aber die Digitalisierung, machte Rainer Deutschmann, Leiter der Direktion Logistik des Migros-Genossenschaftsbundes klar. Dank neuer Informatiksysteme kann die Migros alle Lieferungen genau nachverfolgen, von fernen Häfen bis in die Filiale. Am ge­nausten geht das bei den eigenen Lastwagen. So kann das Empa-Tool mit den Daten den CO2-Ausstoss berechnen. Und welche Antriebe auf welchen Strecken wie viel Emissionen einsparen könnten.

Doch die Migros muss nicht nur beim CO2 sparen. «Ökologisch ist eine Umstellung auf Biogas gut», sagt Daniel Balmer. «Aber es wäre ein teures Vergnügen.» Denn von Strom oder Brennstoffzellen betriebene Lastwagen sind von der LSVA ausgenommen. Biogaslastwagen aber nicht. Pro Jahr seien sie deshalb rund 20000 Franken teurer als Diesellaster, rechnet er den Vertretern von Regierung und Verwaltung vor. Astra-Direktor Jürg Röthlisberger winkt noch ab. Mit der Verbreitung der Technologie und höherem Angebot von Biogas dürfte es günstiger werden, entgegnet er. «Da sehe ich ein Potenzial von 15 bis 20 Prozent.» Der Dialog kann also weitergehen. Denn «diskutieren kann man immer», so Röthlisberger.

Erste Schritte zur Energiewende im Güterverkehr

Weltweit einmalig, was die Schweiz zustande­bringe, sagte gestern Migros-Logistikchef Rainer Deutschmann: Im Förderverein H2-Mobilität Schweiz arbeiten Konkurrenten zusammen, Lastwagenhändler mit Logistikbetrieben, Detailhändlern und Tankstellen. Auch deshalb liefere der südkoreanische Hersteller Hyundai ihre ersten 1000 Brennstoffzellen-Lastwagen in die Schweiz. Ein Projekt, das nicht nur für die Migros ein Meilenstein hin zur Energiewende im Güterverkehr ist.
Am Wasserstoff-Projekt beteiligt ist auch der wichtigste Konkurrent der Migros, Coop. Der hat schon seit 2016 einen Wasserstoff-Laster im Einsatz. Mit guten Resultaten. «Das ist der Grund, weshalb Coop auf Brennstoffzellen setzt», sagt Mediensprecherin Andrea Bergmann. Auch fünf Elektro-Lastwagen sind im Einsatz.

Die Detailhandelskette Spar kaufte bereits 2012 den ersten Hybrid-Lastwagen, der 2017 ersetzt wurde. Nun sammelt sie Erfahrungen mit einem Elektrofahrzeug. Falls sich dieses ­bewähre, könnte man deren Einsatz ausweiten, sagt Spar-Mediensprecherin Silvia Manser. (ken)

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