GAME-APP: Pokémon Go war erst der Start

Der Hype um das Smartphone-Spiel ist abgeflaut. Doch das Pokémon-Go-Team arbeitet am nächsten Coup.

Andrej Sokolow (dpa)
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Ein Jahr ist es her, dass Pokémon Go zu einem weltweiten Phänomen wurde. Trauben von Menschen, die auf Smartphones starren, füllten den New Yorker Central Park. Auch in der Schweiz tummelten sich an Orten wie dem Zürcher Hauptbahnhof Hunderte Spieler und irrten um­her, um die Cartoon-Monster zu fangen. Die App brachte die seit 20 Jahren populären Figuren in die Smartphone-Ära. Die Pokémon tauchen auf dem Bildschirm auf, wenn man sich bestimmten Orten nähert – die Ortungsfunktion der Smartphones machts möglich. Dabei können sie in die reale Umgebung eingeblendet werden, die von der Kamera erfasst wird: Pokémon Go ist das erste Erfolgsspiel mit der erweiterten Realität (Augmented Reality, AR).

In den ersten zwei Monaten knackte Pokémon Go die Marke von einer halben Milliarde Downloads – ein beispielloses Tempo. Dann passierte das Gleiche wie bei den meisten Online-Spielen: Der Hype liess nach. Von September bis Ende Februar wurde Pokémon Go noch 150 Millionen Mal heruntergeladen. Aber die aktiven Spieler – laut Schätzung 5 Millionen täglich und 65 Millionen mindestens einmal im Monat – lassen die Kassen des Entwicklers Niantic Labs klingeln, wenn sie Zusatzartikel wie mehr Speicherplatz oder Brutmaschinen für Pokémon-Eier kaufen. Analysten schätzen die bisherigen Erlöse auf über 1 Milliarde Dollar. Firmenchef John Hanke sagt, jetzt gehe es darum, die Nutzer im Spiel zu halten. Dafür brachte Niantic im Februar die zweite von bisher sieben Pokémon-Generationen in die App.

Hanke gründete und leitete einst die Firma Keyhole, deren Technologie die Grundlage für den digitalen Weltatlas Google Earth lieferte. Hanke arbeitete bei Google an den Kartendiensten, gründete aber 2010 unter dem Dach des Internetkonzerns Niantic und entwickelte das ortsbasierte Spiel Ingress. Dabei geht es darum, virtuelle Portale in der realen Welt zu erobern. Die Da­tenpunkte von Ingress wurden für Pokémon Go wiederverwendet. Hanke will mit der Technologie weitere Spiele lancieren. In der Zukunft werde man AR mit Hilfe spezieller Brillen nutzen, sagt er mit Überzeugung.

Andrej Sokolow (DPA)