FUSSBALLDERBY: Dämpfer für Volkswagen auf dem Rasen

Der VfL Wolfsburg im Höhenflug wie VW – das war einmal. Jetzt heisst es für den Werksclub Relegation – ausgerechnet gegen Eintracht Braunschweig, die ebenfalls vom Volkswagen-Konzern gesponsert wird.

Thomas Strünkelnberg/Andreas Hoenig (dpa), Wolfsburg
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Will aufsteigen: Eintracht Braunschweig. (Bild: Focke Strangmann/EPA)

Will aufsteigen: Eintracht Braunschweig. (Bild: Focke Strangmann/EPA)

Thomas Strünkelnberg/Andreas Hoenig (DPA), Wolfsburg

Jubel auf der Tribüne, Fans des VfL Wolfsburg feiern die Meisterschaft – und dazwischen strahlen zwei Herren im Anzug: der damalige VW-Chef Martin Winterkorn und Firmenpatriarch Ferdinand Piëch. Das war 2009. Mittlerweile sind Winterkorn und Piëch bei Volkswagen Geschichte. Und ein erfolgreicher VfL auch. Acht Jahre später muss der Club in der Relegation um den verbleib in der Bundesliga kämpfen – ausgerechnet gegen Nachbar Eintracht Braunschweig, bei dem Volkswagen ebenfalls Sponsor ist: Der Autokonzern unterstützt die Eintracht mit 6 Mio. € pro Saison, dies über die spanische Automarke Seat (3,5 Mio. €) als Trikotsponsor und über die Volkswagen Financial Services (2,5 Mio. €.)

Das Eintracht-Stadion liegt neben dem VW-Werk in Braunschweig. Zudem pendeln täglich Tausende Menschen aus Braunschweig ins VW-Werk am Wolfsburger Stammsitz. Viele dürften in dem brisanten Duell hin- und hergerissen sein. Das gilt auch für VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh: Der gebürtige Braunschweiger ist Fan der Eintracht, hält aber auch dem VfL die Treue. Dem VfL droht bei einem Abstieg eine Bauchlandung – und damit indirekt auch VW. Denn der Anspruch des Autobauers, der den Verein dominiert, heisst eigentlich: mindestens Europa League. 2015 gewann der VfL den Cup und wurde Vizemeister, im April 2016 spielte er im Viertelfinal der Champions League gegen Real Madrid. Binnen Monaten aber entwickelte sich der VfL zum Abstiegskandidaten.

«Möge sich der Bessere durchsetzen»

Zum Abgasskandal mit seiner mühevollen Aufarbeitung kam nun auch noch die sportliche Krise der Fussballer. Vergangenen Herbst schrillten die Alarmglocken. «Gerade wo es VW schlecht geht, spielt auch noch der VfL scheisse», sagte damals ein Mitglied der Konzernleitung. Die sportliche Misere wurde zunehmend VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs angelastet. Dieser habe mit der Verpflichtung teurer Stars unglückliche Entscheide getroffen, nötig sei ein «Strategiewechsel». Mitte Dezember trennte sich der VfL von Allofs. Zugleich begannen Spekulationen, ob VW den Geldhahn für den Fussballclub weniger weit aufdreht – auch vor dem Hintergrund der finanziellen Belastungen des Abgasskandal. Im Februar wurde bekannt: statt 80 bis 90 Mio. € soll der VfL vom Mutterkonzern 60 bis 70 Mio. € jährlich erhalten.

Inzwischen läuft es Volkswagen trotz des Dieselskandals wieder besser: Das Geld sprudelt, selbst die lange Zeit gewinnschwache Kernmarke VW verkündet endlich Erfolge, Millionen manipulierter Dieselfahrzeuge sind bereits umgerüstet. Welche Folgen ein Bundesligaabstieg finanziell für den VfL hätte, will vor der Relegation gegen die Eintracht keiner sagen. Volkswagen-Personalchef Karlheinz Blessing äussert sich diplomatisch: «Der Sport schreibt manchmal verrückte Drehbücher, und so werden wir es auch sportlich nehmen: Möge sich der Bessere in den beiden Spielen durchsetzen.» Blessing räumt ein, die Menschen in der Region hätten sich die Konstellation sicher nicht gewünscht: «Es sind zwei Vereine, mit denen auch viele Kolleginnen und Kollegen der Volkswagen-Belegschaft mitzittern und mitfiebern, über die sie auch am Arbeitsplatz diskutieren.»

Zum VW-Imperium gehört auch die VfL Wolfsburg Fussball GmbH, eine 100% Tochter Volkswagens. Mächtigster Mann im Club ist VW-Vorstandsmitglied Francisco Javier Garcia Sanz als Aufsichtsratschef der GmbH. Blessing hat angesichts der Relegation noch einen Vorschlag: «Gerne würden wir einen Antrag stellen, die Bundesliga auf 19 Vereine aufzustocken, aber ich glaube, wir fänden kein Gehör.»

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