Fusion zur grössten Airline

Die Fusion von American Airlines und US Airways schafft die grösste Fluggesellschaft der Welt. Konsumenten befürchten, dass sie das Nachsehen haben werden in Form teurerer Tickets.

Thomas Spang
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Eine Maschine der US Airways hebt ab hinter parkierten Flugzeugen der American Airlines am Ronald Reagan Airport in Washington. (Bild: bloomberg/Andrew Harrer)

Eine Maschine der US Airways hebt ab hinter parkierten Flugzeugen der American Airlines am Ronald Reagan Airport in Washington. (Bild: bloomberg/Andrew Harrer)

WASHINGTON. Die Vorstände der beiden Airlines haben gestern das 11 Mrd. $ schwere Geschäft besiegelt, das die Konzentration auf dem amerikanischen Luftverkehrsmarkt verschärft. Der neue Riese bietet künftig unter dem Namen American Airlines (AA) täglich 6700 Flüge in 56 Länder an. Neben den Routen an der Ostküste und im Südwesten der USA wird sie das Lateinamerika-Geschäft dominieren.

Die Vereinbarung bedarf noch der Zustimmung der amerikanischen Kartell- und Regulierungsbehörden. Branchenexperten erwarten keine grundlegenden Einwände. American Airlines und US Airways haben unter den 900 Flugrouten, die sie gemeinsam bedienen, lediglich ein Dutzend Überlappungen. «Das ist eine extrem komplementäre Fusion», preist der bisherige US-Airways-Chef Douglas Parker das über ein Jahr ausgehandelte Geschäft.

«Das letzte Puzzleteil»

Parker rückt an die Spitze der fusionierten Airline, während der Chef der AA-Mutter AMR, Tom Horton, ins Präsidium des Verwaltungsrates wechselt. «Ich habe mich stets für eine Konsolidierung der Branche stark gemacht», erklärt Parker die Stossrichtung. «Das war das letzte Puzzleteil, das die Industrie rationalisiert und wieder profitabel macht.»

American Airlines schrieb in den letzten Jahren kontinuierlich rote Zahlen. Seit 2001 häuften sich Verluste von 12 Mrd. $ an. Vor zwei Jahren suchte die Fluggesellschaft deshalb den Schutz des Konkursgerichts. Die relativ kleine US Airways wiederum drohte trotz der Übernahme von America West auf dem amerikanischen Luftverkehrsmarkt gegenüber den grossen Rivalen immer weiter ins Hintertreffen zu geraten.

Kaum Hilfe über dem Atlantik

Parker verspricht neue Investitionen in die Flotte, von denen die Kunden durch bequemere Sitze, individuelle Bildschirme und ein dichteres Routennetz profitieren könnten. Eventuell muss die neue Gesellschaft in der US-Hauptstadt ein paar Start- und Landerechte aufgeben, da sie in Washington sonst 60% des Markts kontrollieren würde. Kaum helfen dürfte der Zusammenschluss im lukrativen Geschäft auf den Asien-Routen. Hier ist keiner der beiden Partner gut aufgestellt. Auch im Transatlantik-Geschäft wird sich vorläufig wenig an der Dominanz von United und Delta ändern.

Konsumenten sehen schwarz

Konsumentenschützer sind besorgt. Kevin Mitchell von der Business Travel Coalition meint, die Konzentration bringe «weniger Wettbewerb, höhere Preise und Gebühren, und sie führt zum Abbau von Verbindungen zu Flughäfen in kleineren und mittleren Städten». Unabhängige Analysten malen weniger schwarz. «Wir haben einen sehr grossen, sehr heiss umkämpften Markt», sagt William Swelbar vom Massachusetts Institute of Technology. Leistungsstärkere Fluggesellschaften böten in der Regel besseren Service und flögen mehr Ziele an. Künftig teilen in den USA American Airlines, Delta, United und Southwest 70% aller Flugrouten unter sich auf.