FUSION: «Ein wirklicher Champion»

PSA Peugeot Citroën und Opel sehen in ihrem Zusammengehen lauter Vorteile. Ob aber auf mittlere Sicht Arbeitsplätze abgebaut und Standorte aufgegeben werden, bleibt offen.

Stefan Brändle, Paris
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Opel soll als Teil von PSA Peugeot Citroën in die schwarzen Zahlen zurückkehren. (Bild: Thomas Lohnes/Getty)

Opel soll als Teil von PSA Peugeot Citroën in die schwarzen Zahlen zurückkehren. (Bild: Thomas Lohnes/Getty)

Stefan Brändle, Paris

Man nennt sich beim Vornamen, schüttelt sich herzhaft die Hände und ist rundum «optimistisch». Das sagt jedenfalls Opel-Chef Karl-Thomas Neumann, der auch zur Pressekonferenz von PSA Peugeot Citroën und dem Verkäufer General Motors (GM) in Paris geladen ist. Auf der Bühne darf er zwar nur am Rand sitzen. Aber er zeigt sich ebenso zuversichtlich, dass nach 88 Jahren unter amerikanischer Führung nun dank der französischen Leitung «die Chance besteht, einen wirklichen europäischen Champion zu schaffen». Wobei Opel eine «deutsche Marke» und Vauxhall eine «britische Marke» bleibe, wie Neumann präzisiert.

PSA zahlt den Amerikanern 1,3 Mrd. € für das Unternehmen Opel und 0,9 Mrd. € für die Opel-Bank namens GM Financial. Von «Übernahme» ist im Communiqué allerdings nirgends die Rede. Opel werde in PSA «eingegliedert», formulieren die Franzosen elegant. Sie betonen lieber, ihr Konzern werde mit der «Aufnahme» des Opel- und Vauxhall-Geschäftes in Europa mit einem Marktanteil von 17 Prozent Nummer zwei (hinter Volkswagen). Weltweit kommen PSA und Opel zusammen auf einen Marktanteil von 5,3 Prozent und Rang neun.

«Konstruktiver Geist, reifer Dialog»

Auch GM-Chefin Mary Barra, die eigens aus Detroit eingeflogen ist, wünscht der deutsch-fran­zösischen «Partnerschaft» viel Glück. Dies umso mehr, als GM einen Teil des Verkaufserlöses in Optionsscheinen erhält, die eine Beteiligung an Opels Zukunft ermöglichen. Und von der Zukunft ist an der Pressekonferenz viel die Rede. Opel soll 2020 wieder Gewinn abwerfen. Schon jetzt rechnet PSA mit Synergien und Skaleneffekten von 1,7 Mrd. € in Einkauf, Fertigung, Forschung und Entwicklung. Betriebsbedingte Entlassungen sind aber nicht vorgesehen. PSA-Chef Carlos Tavares bekräftigt, dass er die bis 2020 laufenden Abkommen mit den Gewerkschaften einhalten will: «Wir halten Wort, und das allein schon aus ethischen Gründen.» Und nach 2020?, wollen deutsche Journalisten wissen. «Wir setzen auf einen konstruktiven Geist und einen reifen Dialog, um gemeinsam die Zukunft zu bauen», sagt Tavares wenig verbindlich. Seit seinem Amtsantritt bei PSA vor drei Jahren habe er kein einziges Werk geschlossen, sagt er – ohne anzufügen, dass sein Vorgänger bei PSA die Peugeot-Fabrik in Paris-Aulnay dicht gemacht hatte; und dass trotzdem auch unter seinem Management noch Tausende Jobs gestrichen wurden und werden.

Über die einzelnen Opel-Standorte in Deutschland, England und Spanien sagt Tavares, dass er nicht einzelne Fabriken im Visier habe. Vielmehr wolle er eine «europäische Benchmark» (Messlatte) anlegen, die von jeder Opel-Einheit zu erfüllen sei. Mit diesem Vorgehen hatte er die Fast-Pleite von PSA 2013 binnen zweier Jahre in schwarze Zahlen verwandelt. Das Geheimnis sind sogenannte «Wettbewerbs-Abkommen» mit den Gewerkschaften. Das spart massiv Kosten und baut Überkapazitäten ab, ohne ganze Werke zu schliessen.

Auch Opel-Chef Neumann sieht nur Vorteile in der neuen Partnerschaft: «Die Ingenieure von Opel und Peugeot arbeiten bei drei Modellen bereits sehr gut zusammen. Das zeigt, dass es möglich ist, Opel- und Vauxhall-Modelle auf einer PSA-Plattform zu bauen.» So endet die Pressekonferenz in Minne. Nur eine Journalistin des Pariser «Figaro» fragt sich, ob Tavares mit seiner Job­garantie bis 2020 nicht zu viel Zugeständnisse gegenüber dem Sanierungsfall Opel mache. Solche undiplomatischen Gedanken werden an der Pressekonferenz aber nicht öffentlich geäussert.

Die wichtige Frage der Opel-Lizenzen

Auch Details beantwortet PSA-Finanzchef Jean-Baptiste de Chatillon erst später, als die Scheinwerfer wieder gelöscht sind. Er bestätigt, dass GM für die Rentenansprüche der Opel-Mitarbeiter in der ganzen Welt im Umfang von 7 Mrd. € geradestehe; für die deutschen Arbeiter selbst zahlten die Amerikaner 3 Mrd. € an PSA. Weniger klar äussert sich der Franzose zur Frage der Opel-Lizenzen, die GM zum Teil für sich behält. Dahinter steckt die wichtige Frage, ob Opel in Zukunft neue Absatzmärkte erschliessen kann. Denn die Amerikaner wollen in Ländern und Erdteilen, wo ihre Modelle stark sind, natürlich keine lästige Opel-Konkurrenz. De Chatillon erklärt zwar, dass alle Opel-Modelle wie bisher in jenen Ländern verkauft werden könnten, in denen sie jetzt schon präsent sind. Wo genau und bis wann diese Lizenzen Opel behindern könnten, will der PSA-Finanzchef aber nicht sagen. Sicher sei nur, fügt er an, dass Opel vorerst nicht plane, den US-Markt zu erobern.