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«Für Interessen gekämpft»

Der Swissprinters-Standort in Renens wurde gerettet – auch dank der Waadtländer Regierung. Für die St. Galler Regierung wäre ein solches Engagement bei der Schliessung der Swissprinters St. Gallen nicht in Frage gekommen.
Kaspar Enz
Die Mitarbeitenden der Swissprinters in St. Gallen demonstrierten letzten Herbst für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze – vergeblich. (Bild: Michel Canonica)

Die Mitarbeitenden der Swissprinters in St. Gallen demonstrierten letzten Herbst für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze – vergeblich. (Bild: Michel Canonica)

Was dem St. Galler Standort der Swissprinters widerfuhr, bleibt dem Westschweizer Standort des Unternehmens erspart: Die Druckerei der Swissprinters in Renens wird nicht geschlossen, sondern sie löst sich vom Konzern. Ein neues Management will den Betrieb mit 69 von 126 Mitarbeitenden unter dem Namen IRL Plus weiterführen – eine Reminiszenz an den Namen der Druckerei, bevor sie unter das Swissprinters-Dach kam. Massgeblich an dem Deal beteiligt war auch die Waadtländer Regierung: So übernahm sie eine Bürgschaft über eine Million Franken für den Kauf einer neuen Druckmaschine.

Ein stärkeres Engagement der Regierung hatte die Gewerkschaft Syndicom auch in St. Gallen gefordert, als es im letzten Herbst um die Schliessung des St. Galler Standorts der Swissprinters, der ehemaligen Druckerei Zollikofer, ging. Syndicom-Regionalsekretär Dominik Dietrich fühlt sich durch die Nachrichten aus dem Waadtland bestärkt. «Wäre die Regierung dahinter gestanden, wäre auch in St. Gallen eine ähnliche Lösung möglich gewesen», glaubt Dietrich. Als die Swissprinters AG im Juli die Schliessung des Westschweizer Standorts ankündigten, seien die Behörden schon bei der ersten Betriebsversammlung der Belegschaft anwesend gewesen. Das habe den Druck auf die Firmenleitung erhöht, eine Lösung zu finden. Hätte der Betrieb in St. Gallen gerettet werden können, wäre die Belegschaft auch zu Kompromissen bereit gewesen, glaubt Dietrich – so wie in Renens, wo die Löhne um 15 Prozent gekürzt werden sollen.

Keine Investoren in Sicht

Eine Lösung wie in Renens sei für den St. Galler Standort der Swissprinters aber nicht in Frage gekommen, sagt Regierungsrat Benedikt Würth. «Die Option einer Auffanggesellschaft hat sich im Rahmen des Konsultationsverfahrens nicht ergeben.» Für die Druckerei in Renens wurde ein Investor gefunden, der sich an einem Management-Buy-Out beteiligt – ein solches habe in St. Gallen gefehlt. Und die Vorschläge, die seitens der Arbeitnehmer eingebracht worden waren, seien von der Firmenleitung als nicht nachhaltig beurteilt worden.

Nicht in Frage käme für den St. Galler Regierungsrat auch die finanzielle Unterstützung, die die Waadtländer Regierung zur Rettung der Druckerei leistet. «Einzelbetriebliche Förderungen wollte der Gesetzgeber quer durch alle Fraktionen bewusst nicht», sagt Würth. Deshalb lasse das Standortförderungsgesetz nur Zusatzbürgschaften bis maximal 100 000 Franken zu. Schliesslich verstosse die in Renens getätigte Lohnreduktion gegen den Gesamtarbeitsvertrag, sagt Würth.

Hingegen unterstützte das Amt für Arbeit die über 170 Betroffenen in St. Gallen mittels eines betrieblichen Arbeitsmarktzentrums bei der Stellensuche. Für Volkswirtschaftsdirektor Benedikt Würth ein Erfolg. «In St. Gallen haben nun rund 80 Prozent der Betroffenen eine Anschlusslösung. In Renens konnte so erst 55 Prozent der betroffenen Mitarbeiter eine Anschlusslösung geboten werden», sagt er.

Ein geschlossener Markt

Dass die Druckerei in Renens nicht geschlossen wird, hat aber nicht nur mit dem Engagement der Waadtländer Regierung zu tun. «Die Westschweiz ist ein geschlossener Markt mit einer anderen Dynamik», sagt Swissprinters-Sprecher Bruno Hörler. So habe eine andere Situation geherrscht, «auch rechnerisch.» Die neue IRL Plus könne wirtschaftlich arbeiten, glaubt Hörler. Allerdings habe es erst im zweiten Anlauf geklappt, als ein externer Investor, ein «Insider der Branche» dazugestossen sei. Ein erster Vorschlag eines reinen Management-Buy-Outs sei für die Beteiligten zu risikoreich gewesen.

Trotzdem sei in der Westschweiz «spürbar, wie für die Interessen des Marktes gekämpft wird», sagt Bruno Hörler – gerade auch von Seiten von Regierung und Gewerkschaften. Die Unterstützung der Regierung habe viel ausgemacht. «Das gibt bei Kapitalgebern auch eine höhere Glaubwürdigkeit», sagt Hörler. Und auch die Gewerkschaften hätten keinen Widerstand geleistet, auch wenn die Mitarbeiter der neuen IRL Plus eine Lohneinbusse von 15 Prozent hinnehmen müssen.

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