Für die Privatbanken wird es eng

Der zunehmende Kostendruck und Regulierungen machen den Privatbanken zu schaffen. 10 bis 15 Institute in der Schweiz suchen nach einer Lösung für ihre Probleme, wie die Beratungs- und Prüfungsfirma KPMG ermittelt hat.

Caspar Hesse
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Konsolidierung in der Branche: Die Basler Privatbank Sarasin wurde im November an die Safra-Gruppe verkauft. (Bild: ky/Walter Bieri)

Konsolidierung in der Branche: Die Basler Privatbank Sarasin wurde im November an die Safra-Gruppe verkauft. (Bild: ky/Walter Bieri)

ZÜRICH. Die Hiobsbotschaften in der Bankenbranche reissen nicht ab. In den vergangenen fünf Jahren folgten die Probleme Schlag auf Schlag: Subprime-Krise, Bankenschliessungen, Diebstahl von Daten-CDs, Steuerstreit, Griechenland, Wechselkurse – keine gute Zeit für Banken. Die Beratungs- und Prüfungsfirma KPMG hat in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen (HSG) in ihrer neusten Studie speziell die Situation der Privatbanken beleuchtet. Und malt ein düsteres Bild, aber trotzdem kein auswegloses. Die Banken müssten sich aber bewegen. Bis jetzt habe sich das Private Banking nie um seine Kosten gekümmert. «Das ist vorbei», sagt Daniel Senn, Geschäftsleitungsmitglied von KPMG Schweiz.

KPMG-Experte Christian Hintermann sieht die Privatbanken in ähnlicher Lage wie Nokia, die in den 90er-Jahren in der Handybranche den Markt beherrschte, inzwischen aber die Führung an Google und Apple verloren hat. Die Schweizer Privatbanken stünden vor vielen Problemen, hätten es aber in der Hand, das Ruder herumzureissen: «Nur Nichthandeln ist keine Option.»

Viele schreiben rote Zahlen

2011 ist laut Hintermann ein weiteres schwieriges Jahr für die Branche gewesen. Doch sei es eine Illusion, anzunehmen, dass es wieder besser werde. Die Kostenbasis für die Banken liegt im Schweizer Franken, die Erträge fallen aber grösstenteils in Fremdwährungen an. Die Konsolidierung werde sich beschleunigen. Zwar seien viele kleine Banken derzeit noch überkapitalisiert, schrieben aber laufend rote Zahlen. Hier stelle sich die Frage, wie lange die Eigentümer dieser Entwicklung noch zuschauen wollten. «Im Private Banking ist es schwieriger geworden, erfolgreich zu sein», sagt Hintermann. So gesehen ist es zu einer «normaleren Industrie» geworden.

Die Situation ist aber heute schwieriger als noch vor zwei Jahren. Damals hätten Interessenten noch Schlange gestanden, um eine Privatbank zu einem hohen Preis zu übernehmen, heute habe man Mühe, zu einem tiefen Preis Käufer zu finden. Auf jeden Fall wird es laut Senn in den nächsten Jahren weniger Banken in der Schweiz geben.

Kunden bleiben bereit, zu zahlen

Trotz aller Probleme blicken die Privatbanken aber immer noch mehrheitlich positiv in die Zukunft. Generell sehen 68% die Zukunft als Chance, 32% als Bedrohung. Bei den Änderungen in der Regulierung sehen die untersuchten Institute in der Schweiz und Luxemburg Chancen, in Österreich und Asien werden sie als Bedrohung empfunden. Die Herausforderungen in der Informatik sehen die Schweiz und Asien als Chance, Österreich und Luxemburg als Bedrohung.

Die Untersuchung hat gezeigt, dass Schweizer Banken weiterhin ihren Fokus hauptsächlich auf die Kosten richteten. Sie sollten aber auch die Ertragsseite stärker anschauen, so wie dies Privatbanken in Luxemburg und Asien bereits tun. Zum Glück für die Privatbanken spielten die Kosten noch keine grössere Rolle: Die Kunden seien bereit, etwas zu bezahlen.

Berater müssen auf Zack sein

Am globalsten eingestellt sind die Schweizer Privatbanken. Die Luxemburger engagieren sich hauptsächlich in Europa, die Österreicher legen ihren Fokus auf Osteuropa. In der letzten Studie war Europa noch als einer der wichtigsten Märkte betrachtet worden, diesmal nicht mehr. Vor allem asiatische Banken verzichteten darauf, europäische Kunden zu gewinnen.

Als Haupthindernis beim Eintritt in einen ausländischen Markt werden mit grossem Abstand die Regulierungen genannt. «Kleine Banken, die nicht fokussieren, werden mittelfristig nicht überleben», äussert sich Senn überzeugt. Die Kunden fragen heute einen spezifischeren Service nach, der auch Fragen in nationalen Steuersachen enthält.

Die neuen Anforderungen an Kundenberater sind denn auch sehr hoch. Das Abwerben von Experten hat weniger gebracht als erhofft und die Preisspirale bei den Löhnen getrieben. Jetzt folgt eine Gegenbewegung: «Kundenberater, die ihre Leistung schuldig bleiben, erhalten weniger Lohn oder Boni», sagt Hintermann.

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