«Froh um jeden heissen Tag»

Die St. Galler Brauerei Schützengarten ist Preisträger des diesjährigen «KMU-Primus» der St. Galler Kantonalbank. Unternehmenschef Christoph Kurer sagt, wo die älteste Schweizer Bierbrauerei steht und wo sie hinwill.

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Heisse Sommer treiben den Bierdurst in die Höhe; zentral sind laut Schützengarten-Chef Christoph Kurer die Monate Mai und Juni. (Bild: Ralph Ribi)

Heisse Sommer treiben den Bierdurst in die Höhe; zentral sind laut Schützengarten-Chef Christoph Kurer die Monate Mai und Juni. (Bild: Ralph Ribi)

Herr Kurer, endlich Sommer. Froh?

Christoph Kurer: Ja. Im Mai und auch im Juni haben wir unter dem schlechten Wetter gelitten. Der Durst war sowohl nach Bier als auch nach alkoholfreien Getränken weniger gross. Bis Ende März, also bei Halbzeit des laufenden Geschäftsjahres, hatten wir einen Vorsprung, der ist nun geschmolzen. Aber auch Ende des laufenden Monats werden wir vermutlich noch im Plus sein.

Nun regt das sonnig-heisse Sommerwetter den Durst an. Zu spät?

Kurer: Es ist schon so, dass Mai und Juni für uns die zentralen Monate sind. Denn in den Sommerferien verreisen viele Leute, und unsere Absatzgebiete entleeren sich tendenziell. Aber wir sind froh um jeden heissen Tag.

Soeben ist Schützengarten «KMU-Primus» geworden. Überrascht?

Kurer: In einem Wettbewerb ist es immer eine Überraschung, wer gewinnt.

Ich habe schon damit gerechnet, dass wir irgendwo vorne mit dabei sind, denn wir haben vieles richtig gemacht. Aber es gibt auch zahlreiche andere gute und erfolgreiche Unternehmen.

Die Jury hat fünf Kriterien bewertet. Erstens die unternehmerische Gesamtleistung. Wo stehen Sie?

Kurer: Wir haben uns konstant entwickelt, in einem sehr kompetitiven Markt, auf den zudem immer mehr ausländisches Billigbier in Dosen drängt. Dennoch wachsen wir im Schnitt stets um 2 Prozentpunkte stärker als der Markt.

Zweitens die Arbeitsplätze. Stimmt es in der Belegschaft?

Kurer: Gefühlsmässig stimmt es, wir führen aber in der nächsten Zeit wieder einmal eine Analyse durch. Ohne deren Resultaten vorgreifen zu wollen, kann ich sagen: Unsere Mitarbeitenden sind motiviert, fühlen sich verbunden mit dem Unternehmen. Sie wissen, wofür und für wen sie arbeiten. Die Grösse unseres Unternehmens und unseres Absatzgebietes sind überschaubar, das macht vieles einfacher.

Drittens das soziale Engagement. Inwiefern ist Schützengarten mehr als Brauer und Getränkehändler?

Kurer: Wir treten als Sponsor auf, unterstützen viele Vereine und Institutionen und haben die Arnold-Billwiller-Stiftung für soziale und kulturelle Zwecke. Diese Stiftung kann dafür jährlich gut 100 000 Franken ausgeben. Auf diesem Niveau wollen wir weiterfahren.

Viertens die Nachhaltigkeit. Wo kann Schützengarten noch besser werden?

Kurer: Wir sind schon auf einem sehr hohen Stand, aber natürlich kann man immer noch besser werden. Bei Wasser-, Strom- und Wärmeverbrauch sind wir schon sehr gut, unser begrenztes Marktgebiet ist gut für den Dieselverbrauch unserer Flotte. Hier können wir versuchen, die Touren zu optimieren. 80 Prozent unseres Biers verkaufen wir in umweltfreundlichen Mehrweggebinden.

Leider geht hier der Detailhandel in die andere Richtung, der mehr Einwegflaschen und Aluminiumdosen wünscht. Zudem betreiben wir ein eigenes Kleinwasserkraftwerk, das mehr Strom produziert, als wir brauchen.

Fünftens die Innovationskraft. Was dürfen die Konsumenten als nächstes von Schützengarten erwarten?

Kurer: Es läuft etwas, aber ich kann noch nichts verraten. Erst mal wollen wir unser Weissbier, den «Weissen Engel», noch besser plazieren und begleiten.

Unser Informationsdurst ist noch nicht gestillt. Was läuft?

Kurer: Ich kann nur so viel sagen: Es wird ein klassisches Bier sein, und wir wollen es 2012 einführen.

Schützengarten erweitert seit Jahren sein Marktgebiet aus seinem Stammland Ostschweiz in angrenzende Regionen. Wie geht es weiter?

Kurer: Wir haben in der Ostschweiz einen Marktanteil von rund 25 Prozent, in unserem gesamten Absatzgebiet aber nur etwa 12 Prozent. Da und dort haben wir eine gewisse Dichte, sie ist aber sehr heterogen.

Ich sehe darum noch viel Potenzial für uns im Zürichbiet, in der Stadt Zürich und in Richtung Innerschweiz.

Zum Schluss vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: Im Jahr 2020 ist die Brauerei Schützengarten…

Kurer: …immer noch die führende Ostschweizer Brauerei, die beliebteste, und immer noch eigenständig.

Interview: Thomas Griesser Kym

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