Raststätte Thurau Nord wird abgerissen, neu gebaut und gastronomisch umgekrempelt: Frisch und schnell soll die Verpflegung sein

Die Autobahnraststätte Thurau Nord an der A1 bei Wil ist in die Jahre gekommen, marode, und das Verpflegungsangebot gilt als nicht mehr zeitgemäss. Nun wird ein Neubau nach dem Vorbild der Raststätte Rheintal Ost an die Hand genommen.

Thomas Griesser Kym
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Die «Frischetheke XXL» der Raststätte Rheintal Ost, wie sie auch die geplante neue Thurau Nord aufwerten soll. (Bild: Mengia Albertin)

Die «Frischetheke XXL» der Raststätte Rheintal Ost, wie sie auch die geplante neue Thurau Nord aufwerten soll. (Bild: Mengia Albertin)

«Gravierende Mängel am bestehenden Bau» – das hat eine Analyse der Raststätte Thurau Nord an der Autobahn A1 nahe des Anschlusses Wil in Fahrtrichtung Winterthur durch ein Ingenieurbüro ergeben. Konkret: Die Gebäudehülle ist energetisch ­ungenügend, das Flachdach dringend sanierungsbedürftig, und die Gebäudetechnik muss total ersetzt werden. Kommt hinzu, dass die Räume wegen zahlreicher Säulen schlecht erschlossen sind, was die Betriebsabläufe erschwert und verteuert, und der Parkplatz gibt Anlass zur Kritik.

Der Verwaltungsrat der Raststätte Thurau AG beschäftigt sich denn auch seit geraumer Zeit mit der Zukunft der Thurau Nord. Abreissen und neu bauen oder sanieren, diese beiden Varianten standen zur Auswahl. Nun sind die Würfel gefallen. Auf Grundlage der vernichtenden Analyse und weil ein Neubau lediglich ­ 20 Prozent teurer zu stehen kommen dürfte als eine aufwendige Sanierung, wird die Raststätte dem Erdboden gleichgemacht und durch etwas Neues ersetzt, wie auf Anfrage Verwaltungsratspräsident Erwin Scherrer sagt.

Frischeinseln und bedient in sieben Minuten

Als Vorbild dient die Raststätte Rheintal Ost zwischen Sevelen und Buchs, die Teil ist der Raststätte Rheintal AG, die zu 50,02 Prozent der Raststätte Thurau AG gehört. Im November 2017 wurde Rheintal Ost neu eröffnet und dies mit einem neuen Gastronomiekonzept. Herzstück ist die «Frischetheke XXL». Diese besteht aus Inseln für Burger, Pasta, Pizza, Salate, Desserts usw., und alle Produkte werden frisch zubereitet, mit regionalen Zutaten. «Der Gast kann zuschauen, wie sein Burger gebraten wird, aber auch wie das Brot in der Hausbäckerei gebacken oder der Pizzateig gefertigt wird», sagt Scherrer.

Erwin Scherrer, Verwaltungsratspräsident der Raststätte Thurau AG. (Bild: Thomas Griesser)

Erwin Scherrer, Verwaltungsratspräsident der Raststätte Thurau AG. (Bild: Thomas Griesser)

Das Konzept setzt nicht nur auf frische Verpflegung, sondern auch auf schnelle. Denn darauf, so hat die Gruppe Thurau erkannt, kommt es dem Durchreisenden und dem Pendler an. Die «Frischetheke XXL» an der Raststätte Rheintal Ost verspricht denn auch dem Gast, dass er sein Gericht binnen sieben Minuten erhält, entweder als Take-away oder serviert am Tisch. «Diese Vorgabe halten wir gut ein», sagt Scherrer, und es gehe erst noch speditiver als bei Selbstbedienung.

Das neue Konzept findet Anklang

Die Erfahrungen sind positiv. Das neue Konzept «hat unsere Erwartungen mehr als erfüllt», schreibt Scherrer im Geschäftsbericht 2018 der Gruppe Thurau. Der Zuspruch der Kunden, Mitarbeitenden und Lieferanten sei gross, die Betriebszahlen zeigten nach oben. Vor diesem Hintergrund zeigt sich Scherrer felsenfest überzeugt, dass es auch an der Thurau Nord gelingen werde, mit der «Frischetheke XXL» die Umsätze wieder zu steigern. Diese sind 2018 im aktuellen bedienten Restaurant um 20 Prozent auf 1,58 Millionen Franken eingebrochen.

Mitgespielt hat gewiss auch die Wiedereröffnung der Raststätte Ruderbach zwischen Rheineck und St. Margrethen durch den italienischen Betreiber Autogrill, aber klar ist: «Das bisherige Angebot im Norden erlaubt keine rasche Reaktion auf das sich schnell ändernde Konsumverhalten. Es sind neue Verpflegungskonzepte gefragt», schreibt Scherrer. Bestärkt fühlt er sich auch durch den Erfolg der Thurau Süd, in der eine kleinere Frischetheke sowie als Mieter McDonald’s tätig sind.

Neueröffnung im kommenden Frühling

Mittlerweile liegt das Baugesuch für die Thurau Nord auf. Läuft alles glatt, rechnet Scherrer damit, dass die Arbeiten kommenden Spätherbst beginnen und man im Frühling nächsten Jahres die nigelnagelneue Thurau Nord eröffnen kann, samt Fotovoltaik-Anlage und Parkplatz, der die Lastwagen von den Autos trennt. Über Schnellladestationen für Elektrofahrzeuge, wie sie an der Thurau Süd und der Rheintal Ost schon bereitstehen, verhandelt man derzeit mit zwei Anbietern.

Die veranschlagte Bauzeit von rund einem halben Jahr ist ähnlich wie jene der neuen Raststätte Rheintal Ost, und auch die budgetierten Baukosten von 7,5 Millionen Franken bewegen sich im vergleichbaren Rahmen. Während der Bauzeit betreibt die Thurau Nord ein Provisorium. Reisende können also ohne Unterbruch dort essen, im Shop einkaufen und tanken. Offen bleibt auch der Fussgängertunnel unter der A1, der die Thurau Nord mit der Thurau Süd verbindet.

Personal: Die Kruz mit der Motivation

2018 bleibt der Raststätte Thurau als «eher schwieriges Jahr» in Erinnerung. Nicht nur sank der Restaurantumsatz um 20 Prozent, sondern auch der Treibstoffverkauf ging um 7 Prozent zurück. Besser entwickelten sich dank modernerer Verpflegungsangebote die Tochtergesellschaften, die Raststätten Rheintal und Walensee (54,11-Prozent-Anteil der Raststätte Thurau), deren Betriebsergebnisse «robust bis sehr erfreulich» ausfielen. Insgesamt zeigt die Gruppe Thurau, der überdies ­20 Prozent an der Viamala-Raststätte Thusis gehören, 2018 einen Umsatz von 29,4 Millionen Franken, ein Plus von 6,7 Prozent. Das Betriebsergebnis stieg zweistellig um 17 Prozent auf 2,05 Millionen, der Jahresgewinn um 2,3 Prozent auf gut 1,1 Millionen.

Arbeitszufriedenheit soll zunehmen

Umgerechnet auf Vollzeitstellen beschäftigt die Gruppe Thurau im Jahresmittel gegen 250 Mitarbeitende. Qualifiziertes und motiviertes Personal zu finden, ist laut Scherrer eine grosse Herausforderung. Dies auch, weil die Arbeitszeiten unregelmässig sind und oft Einsätze am Abend, am Wochenende und an Feiertagen erfordern. Zudem müssen Angestellte mobil sein, um an eine Raststätte zu gelangen. Die Gruppe Thurau arbeite nun mit Programmen daran, das Personal verstärkt zu schulen und die Ar­beitszufriedenheit zu erhöhen. Gutes Personal sucht man auch weiterhin für die Raststation Bodensee Hörbranz in Vorarlberg, die im Juli 2018 eröffnet wurde und zu 51 Prozent der Raststätte Thurau AG gehört. Kommt dazu, dass immer neue Autobahnbaustellen den Betrieb plagen. Zuversichtlich stimmten aber die Besucherzahlen. (T. G.)