FREMDENVERKEHR: Der Sommer der Griechen

Die griechische Tourismusbranche boomt. Hellas-Hoteliers setzen auf mehr Gäste aus China. Dieses Jahr winkt mit 30 Millionen ausländischen Feriengästen ein Besucherrekord.

Gerd Höhler, Athen
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Der Tourismus in Griechenland wird zur Lokomotive, welche die Wirtschaft aus der Krise ziehen könnte. (Bild: Oliver Bunic/Getty)

Der Tourismus in Griechenland wird zur Lokomotive, welche die Wirtschaft aus der Krise ziehen könnte. (Bild: Oliver Bunic/Getty)

Gerd Höhler, Athen

«Die Saison ist gelaufen», sagt Akis Pappas und blickt zufrieden auf den Bildschirm seines Buchungssystems. Der 42-Jährige führt ein Drei-Sterne-Hotel auf der Ägäisinsel Santorin. «So früh im Jahr waren wir noch nie so gut gebucht», sagt Pappas. Bis in den September hinein ist er ausverkauft. Sogar im Oktober, wenn die Saison eigentlich zu Ende geht, ist sein Haus bereits zu fast 70% belegt.

Griechenland steht vor einem neuen Reiserekord. Nachdem die hellenischen Hoteliers und Tavernenwirte bereits 2016 mit 27,8 Mio. Besuchern mehr Gäste als je zuvor begrüssten, erwarten sie in diesem Jahr rund 30 Mio. ausländische Feriengäste. Der Tourismus wird damit immer mehr zu einer starken Lokomotive, die Griechenlands Wirtschaft aus der Krise ziehen könnte. Für 2017 erwartet die Regierung ein Wachstum von 1,8%. Das vor allen dank des Fremdenverkehrs. Steuerte der Tourismus zu Beginn der Krise 2010 noch 15,6% zum griechischen Bruttoinlandprodukt bei, waren es 2016 nach Berechnungen des World Travel & Tourism Council (WTTC) bereits 18,6%. Auf den Fremdenverkehr entfallen direkt 12% und mittelbar 25% aller Arbeitsplätze.

Griechenland bei den Deutschen immer beliebter

Vor allem bei den Deutschen steht Griechenland 2017 hoch im Kurs. «Kein anderes Reiseland gewinnt in absoluten Umsatzzahlen derzeit so stark», ermittelte das Marktforschungsunternehmen GfK jetzt in einer Analyse zum Reiseverhalten der Deutschen. «Griechenland steigt nach den Balearen zum zweitstärksten Urlaubsziel im deutschen Markt auf», stellt GfK fest. Die griechischen Hoteliers profitieren nicht nur von der prekären Sicherheitslage und den politischen Turbulenzen in der Türkei, sondern auch von eigenen Stärken: «Die Qualität der Hotels und der Servicelevel in Griechenland waren noch nie so hoch wie heute», berichtet Marek Andryszak, Geschäftsführer des Reisekonzerns TUI in Deutschland. TUI hat das Griechenland-Geschäft in diesem Jahr kräftig ausgebaut. Vor allem auf den Inseln Kreta, Rhodos und Kos wurden die Hotelkapazitäten erweitert.

Auch beim Preis-Leistungs-Verhältnis kann das früher als teuer geltende Hellas mithalten. Im Tourismus-Wettbewerbsranking des World Economic Forum erzielte Griechenland in diesem Jahr 4,51 von sieben möglichen Punkten und stieg unter 136 Ländern vom 31. auf den 24. Rang. Nach den Prognosen des WTTC sollen die Erlöse im griechischen Tourismus von 14,7Mrd. $ im vergangenen Jahr bis 2027 auf 24,6 Mrd. $ steigen. Allein mit Gästen aus den europäischen Ländern und den USA ist das allerdings nicht zu schaffen.

Zahl der chinesischen Gäste soll ums Zehnfache steigen

Die griechische Tourismuswirtschaft setzt deshalb verstärkt auf neue Märkte. Eine Schlüsselrolle soll China spielen. Im vergangenen Jahr kamen 150000 Gäste aus dem Reich der Mitte nach Griechenland. Jim Jiannong Qian, Vizepräsident der chinesischen Fosun International Ltd., will diese Zahl mittelfristig auf 1,5 Millionen verzehnfachen. Zum Fosun-Portfolio gehört seit Anfang 2015 der Cluburlaub-Anbieter Club Méditerranée. Ausserdem hält Fosun rund acht Prozent an Europas zweitgrösstem Reiseveranstalter Thomas Cook. Über Thomas Cook werde man speziell auf die chinesische Kundschaft zugeschnittene Griechenland-Angebote anbieten, kündigte Qian jetzt bei einem Besuch in Athen an. «Griechenland ist ein sehr sicheres Reiseziel», unterstrich der Fosun-Vizechef.

Fosun, das grösste private Konglomerat Festlandchinas, ist in Griechenland bereits stark engagiert: Die Beteiligungsgesellschaft hält Anteile am griechischen Schmuck- und Lifestyle-Konzern Folli Follie. Gemeinsam mit dem griechischen Immobilienentwickler Lamda Development und dem Investor Al-Maabar aus Abu Dhabi ist Fosun auch an einem Joint Venture zur Entwicklung des früheren Flughafengeländes Ellinikon bei Athen beteiligt.

Auf dem 620 Hektaren grossen Areal sollen Hotels, ein Kasino, Einkaufszentren, Wohnungen, Konferenzeinrichtungen und eine Parklandschaft entstehen. Das Volumen beträgt rund 8 Mrd. € und ist die grösste private Investition in Griechenland. Das Projekt soll auch zu einem Magnet für Touristen werden.

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