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Frauenmangel auf Führungsstufe: Wie Retailbanken das Problem lösen sollen

Der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen von Schweizer Retailbanken liegt im einstelligen Prozentbereich. Deutlich höher ist der Anteil in den Verwaltungsräten. Eine Studie zeigt, wie mehr Frauen in Spitzenpositionen gebracht werden können.
Maurizio Minetti
Eine der wenigen Frauen auf einem CEO-Posten einer Schweizer Retailbank: Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg. (Bild: Alex Spichale, Lenzburg, 2. November 2017)

Eine der wenigen Frauen auf einem CEO-Posten einer Schweizer Retailbank: Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg. (Bild: Alex Spichale, Lenzburg, 2. November 2017)

«Ich habe fünf Töchter. Allein deshalb ist mir Frauenförderung ein grosses Anliegen», sagte Guy Lachappelle am letzten Wochenende kurz nach seiner Wahl zum Verwaltungsratspräsidenten von Raiffeisen Schweiz. In dieser Hinsicht ist Lachappelle gefordert, denn Raiffeisen Schweiz hat derzeit mit Karin Valenzano-Rossi eine einzige Frau im Aufsichtsgremium. Dasselbe gilt für die Geschäftsleitung: Gabriele Burn ist die einzige Frau.

Nicht nur Raiffeisen Schweiz hat bezüglich Frauenförderung Aufholbedarf. Das zeigt die am Donnerstag veröffentlichte Retail-Banking-Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern. Unter den 531 Verwaltungsratsmitgliedern der analysierten 74 Retailbanken gibt es lediglich 102 Frauen, was einem Anteil von 19 Prozent entspricht (siehe Grafik). Der Frauenanteil ist tendenziell leicht steigend; bei der Erhebung von 2014 lag er noch bei 16 Prozent. Es sind aber jeweils kleine Schritte: 2017 zählten die Studienautoren 101 Frauen, also nur eine weniger als heuer. Noch immer setzen sich 15 der untersuchten 74 Verwaltungsräte ausschliesslich aus Männern zusammen. Die Aufsichtsgremien werden zudem grossmehrheitlich von Männern geleitet: Nur sieben Verwaltungsräte haben eine Frau als Präsidentin.

Quelle: IFZ

Quelle: IFZ

Einsame Frauen in der operativen Führung

Während sich der Frauenanteil in den Verwaltungsräten der hiesigen Retailbanken zögerlich der politisch geforderten Quote von 30 Prozent nähert, gibt es in den Geschäftsleitungen noch deutlich mehr Aufholpotenzial. Zumindest bei börsenkotierten Gesellschaften mit mehr als 250 Mitarbeitenden wird hier im Rahmen der laufenden Aktienrechtsrevision eine Quote von mindestens 20 Prozent angestrebt. Die Realität im Retailbanken-Umfeld ist aber eine andere: Der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der Retailbanken liegt derzeit bei 8 Prozent. Unter den 314 in der IFZ-Studie erfassten Geschäftsleitungsmitgliedern befinden sich nur gerade 26 Frauen. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es neun Frauen. Lediglich bei drei der 74 untersuchten Banken haben Frauen die operative Leitung inne: Bei der Bank Cler, der Clientis Bank Toggenburg und der Hypothekarbank Lenzburg sind mit Sandra Lienhart, Gertrud Schmucki und Marianne Wildi Frauen mit dem Vorsitz der Geschäftsleitung betraut.

Die Valiant ist eine jener Banken, die keine einzige Frau in der Geschäftsleitung haben – sie ist aber gleichzeitig schweizweit die Retailbank mit dem höchsten Frauenanteil im Verwaltungsrat (siehe Tabelle). Vier von acht Verwaltungsräten der lila Bank sind weiblich. Die Valiant weist neben der Alternativen Bank Schweiz und der Basler Kantonalbank auch in absoluten Zahlen die höchste Anzahl Frauen aller Verwaltungsräte von Schweizer Retailbanken auf.

Quelle: IFZ

Quelle: IFZ

Valiant-Verwaltungsratspräsident Jürg Bucher erklärt sich die Diskrepanz zwischen VR und GL so: «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es viel mehr Frauen gibt, die gezielt eine Teilzeitaufgabe suchen, insbesondere in einem Verwaltungsrat. Für die Geschäftsleitung ist die Auswahl unter den Frauen in der Finanzbranche jedoch sehr klein, auch weil es wenige hochqualifizierte Frauen gibt, die einen Vollzeitjob auf dieser Stufe ausüben möchten.» Reduzierte Pensen gebe es zwar auch bei Valiant auf Führungsebene, aber nicht in der Geschäftsleitung.

Bei der jüngst erfolgten CEO-Wahl war zwar eine Frau auf der Shortlist, am Ende machte aber der interne Kandidat Ewald Burgener das Rennen. Bucher möchte diese Wahl als Zeichen dafür verstanden wissen, dass man bei der Valiant nicht blindlings Frauen in Führungspositionen hieve, sondern am Ende immer die Qualifikation entscheidend sei. «Das Geschlecht ist zwar wichtig, aber es ist nur eines von vielen Kriterien bei der Wahl von Führungskräften. Bei Valiant erhalten die besten Kandidatinnen oder Kandidaten den Job.»

Studienautoren geben Tipps

Laut den Studienautoren können Banken aber noch einiges tun, um mehr Frauen in Spitzenpositionen zu bringen: Themen, die für Frauen wichtig seien, sollten stärker gewichtet werden, zum Beispiel die Werte des Unternehmens, der Team-Aspekt, die Flexibilität oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Weiter sollte vermieden werden, dass Personalentscheide aufgrund von Klischees und Voreingenommenheit getroffen werden. Bei der Personalrekrutierung soll das Geschlecht aussen vor gelassen, sprich nicht genannt werden. Dies könne helfen, um sich mit den Kandidatinnen und Kandidaten ausschliesslich an den Kompetenzen zu orientieren.

Nach Meinung der Studienautoren sollte es zudem in Führungspositionen möglich sein, in reduziertem Pensum zu arbeiten und flexible Arbeitsformen (wie Home-Office) zu nutzen, damit Beruf und Familie besser in Einklang gebracht werden können. Weiter sollen die Banken ihre Strukturen hinterfragen, welche möglicherweise die Männer systematisch begünstigen.

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