Frauenfelder BFW Liegenschaften AG ist bereit für den Abschied von der Börse - verbliebene Kleinaktionäre werden abgefunden

Die Immobiliengesellschaft hat genügend eigene Aktien aufgekauft, um die verbliebenen Publikumsaktionäre aus dem Unternehmen drängen zu können. Beim Gericht wird beantragt, die noch ausstehenden Aktien für kraftlos zu erklären. Damit wird die BFW eine privaten Gesellschaft.

Thomas Griesser Kym
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Der Hauptsitz der BFW Liegenschaften AG an der Bahnhofstrasse in Frauenfeld.

Der Hauptsitz der BFW Liegenschaften AG an der Bahnhofstrasse in Frauenfeld.

Bild: Reto Martin

Ende November 2019 hat BFW-Gründer und -Chef Beat Frischknecht den Abschied des Unternehmens von der Börse angekündigt. Begründung: Die BFW verfolge keine erneute Wachstumsstrategie und plane auch nicht, das bestehende Liegenschaftenportfolio wieder substanziell zu erhöhen. Das nach diversen Verkäufen verbleibende Liegenschaftenportfolio sei aber mit rund 330 Millionen Franken zu klein, um eine Kotierung an der Schweizer Börse SIX zu rechtfertigen.

In der Folge hat Frischknechts privat gehaltene BFW Holding AG als Hauptaktionärin der BFW Liegenschaften AG ein öffentliches Kaufangebot für alle im Publikum liegenden Namenaktien Kategorie A lanciert mit der Absicht, die BFW Liegenschaften zu dekotieren und zu privatisieren. Ende November 2019 kontrollierte die BFW Holding mit 26 Prozent des Aktienkapitals 68,2 Prozent der Stimmrechte der BFW Liegenschaften AG.

Aktien sollen für kraftlos erklärt werden

Beat Frischknecht, Gründer, Verwaltungsratspräsident und Firmenchef der BFW Liegenschaften AG.

Beat Frischknecht, Gründer, Verwaltungsratspräsident und Firmenchef der BFW Liegenschaften AG.

Bild: Nana Do Carmo

Nun steht Frischknecht kurz vor dem Ziel. Nach Andienungen und Käufen am Markt kontrolliert die BFW Holding mittlerweile 95,47 Prozent des Kapitals und 98,05 Prozent der Stimmrechte der BFW Liegenschaften AG. Konkret beträgt die Beteiligung gut 2,734 Millionen Namenaktien Kategorie A und 5 Millionen Stimmrechts-Namenaktien Kategorie B.

Damit sind die Voraussetzungen gegeben, dass die BFW Holding AG beim zuständigen Gericht im Kanton Thurgau beantragen kann, sämtliche noch im Publikum liegenden Namenaktien Kategorie A für kraftlos zu erklären. Dies gemäss Finanzmarktinfrastrukturgesetz Artikel 137: «Verfügt der Anbieter nach Ablauf der Angebotsfrist über mehr als 98 Prozent der Stimmrechte der Zielgesellschaft, so kann er binnen einer Frist von drei Monaten vom Gericht verlangen, die restlichen Beteiligungspapiere für kraftlos zu erklären.» Ein solcher Squeeze-out soll verhindern, dass ein paar wenige Aktionäre mit wenigen Anteilen eine Dekotierung blockieren können.

Die restlichen Kleinaktionäre werden in bar ausbezahlt

Für die verbliebenen Aktionäre der BFW Liegenschaften AG bedeutet dies, dass sie wie im öffentlichen Kaufangebot vom 29. November angekündigt eine Barabfindung in Höhe des Angebotspreises von 44.25 Franken je Aktie erhalten. Dies sobald das Gerichtsurteil bezüglich Kraftloserklärung vorliegt und rechtskräftig ist. Gleichzeitig wird die BFW Holding AG als Hauptaktionärin respektive die BFW Liegenschaften AG als Emittentin das Dekotierungsgesuch zu Handen der SIX einreichen.