«Frauen müssen mutiger werden»

In den Verwaltungsräten von Ostschweizer Unternehmen sind Frauen Mangelware – obwohl die Männergremien durchaus bereit wären, Frauen aufzunehmen. Für eine gesetzliche Frauenquote kann sich aber niemand begeistern.

Katrin Meier
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40 Prozent Frauenanteil in Verwaltungs- und Aufsichtsräten von grossen Unternehmen – diese Quote hat das französische Parlament vor kurzem festgelegt. Dies nach norwegischem Vorbild, wo ein solches Gesetz schon seit 2008 in Kraft ist. In der Schweiz hinkt die Frauenquote diesem Ziel aber weit hinterher: Nach einer Studie von Egon Zehnder Personalberatung betrug der Frauenanteil in Schweizer Verwaltungsräten 2010 nur 8,3 Prozent.

Gähnende Leere

Dasselbe Bild zeigt sich auch bei den grossen Ostschweizer Unternehmen. In vielen Verwaltungsräten herrscht sogar gähnende Leere, wenn man nach weiblichen Mitgliedern sucht. So zum Beispiel bei Huber und Suhner in Herisau, der Stadler Rail AG in Bussnang oder der SFS Group mit Sitz in Heerbrugg.

«Unsere Branche ist für Frauen wohl nicht sexy genug», sagt Christian Fiechter, Geschäftsleitungsmitglied und Mediensprecher der SFS Group. «Wir würden sehr gerne eine Frau im Verwaltungsrat begrüssen.

Leider ist es extrem schwierig, geeignete Personen zu finden.»

Da meist auch in den Geschäftsleitungen keine Frauen sitzen, müsste man gezielt und hartnäckig nach einer Frau suchen. «Wir wollen auch nichts erzwingen. Schliesslich sollen die bestqualifizierten Bewerber in den Verwaltungsrat gewählt werden, egal ob Frau oder Mann», sagt Fiechter.

So stösst auch die Idee einer gesetzlich verankerten Frauenquote bei den Ostschweizer Unternehmen auf wenig Begeisterung: «Wir würden gerne mehr Frauen in unsere Gremien aufnehmen, aber dies sollte nicht via Quote forciert werden», sagt Corina Atzli, Mediensprecherin der Bühler AG in Uzwil. «Wir suchen die richtige fachliche Durchmischung, wobei das Geschlecht keine Rolle spielt.» Ähnlich tönt es von der HRS Real Estate AG in Frauenfeld: «Hauptsache, die Qualität stimmt. Wir schauen bei der Rekrutierung nicht auf das Geschlecht», sagt Mediensprecherin Julia Flückiger.

Allerdings sitzt im dreiköpfigen Verwaltungsrat der HRS die 38jährige Rebecca Zuber, was dem Unternehmen eine Frauenquote von 33,3 Prozent beschert: «Damit sind wir ganz zufrieden», sagt Flückiger.

Auch im Verwaltungsrat der Helvetia Versicherungen sind mit der 54jährigen Doris Russi Schurter und der 47jährigen Paola Ghillani zwei der neun Mitglieder weiblich. «Wir sind glücklich mit unseren beiden Frauen im Verwaltungsrat», sagt Mediensprecherin Sindy Schmiegel.

Eine gesetzliche Frauenquote hält aber auch sie für «unsinnig», denn auf diesem Niveau seien die Kandidaten selten exakt vergleichbar.

«Drei Frauen wären ideal»

«Drei Frauen in einem siebenköpfigen Verwaltungsrat wäre ideal», sagt Martin Hilb, Leiter des Instituts für Führung und Personalmanagement und Professor an der Universität St. Gallen.

«Studien haben gezeigt, dass dann Frauen nicht mehr zu Quotenfrauen reduziert, sondern für ihr Know-how geschätzt werden. Zudem ergab eine neue Studie, dass in Verwaltungsräten mit einem hohen Frauenanteil vermehrt wichtige Fragen gestellt werden.»

Hilb widerspricht auch der Ansicht vieler Unternehmen, es gäbe zu wenig Frauen, die sich als Verwaltungsrätinnen eignen würden. Es mangle an der Nachfrage, nicht am Angebot. Dieser Meinung ist auch Claudia Vieli Oertle, Präsidentin der KMU-Frauen Thurgau.

Sie denkt aber, dass sich viele Frauen einen solchen Posten nicht zutrauen: «Sie müssen mutiger werden.» Zudem gäbe es Kurse und Seminare für angehende und amtierende Verwaltungsrätinnen sowie Netzwerkangebote, die gezielt Frauen ans obere Management vermitteln.

Wenn sich Frauen etwas zutrauen und gut vernetzen, bietet sich bald auch Firmen wie der SFS Group eine grössere Auswahl – denn die Chancen stehen gut: «Hätten wir zwei genau gleichwertige Verwaltungsratskandidaten, würden wir die Frau vorziehen», sagt Christian Fiechter.

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