Französische Arbeiter als faul bezeichnet

PARIS. Die Anfrage war sehr höflich: Ob der US-Reifenhersteller Titan eventuell interessiert sei, im Goodyear-Werk im nordfranzösischen Amiens einzusteigen, wollte die Pariser Regierung wissen. Die Antwort von Titan-Gründer Maurice M.

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PARIS. Die Anfrage war sehr höflich: Ob der US-Reifenhersteller Titan eventuell interessiert sei, im Goodyear-Werk im nordfranzösischen Amiens einzusteigen, wollte die Pariser Regierung wissen. Die Antwort von Titan-Gründer Maurice M. Taylor fällt weniger galant aus: «Ich habe diese Fabrik mehrmals besucht. Die französischen Arbeiter erhalten hohe Löhne, aber sie arbeiten nur drei Stunden. Sie haben eine Stunde für die Pausen und für das Mittagessen, sie diskutieren drei Stunden und arbeiten drei Stunden», schreibt Taylor an Industrieminister Arnaud Montebourg, der seit Monaten einen Investor für die von der Schliessung bedrohte Goodyear-Fabrik sucht. «Ich habe das den Gewerkschaften gesagt», fährt Taylor fort. «Sie haben geantwortet, das sei eben so in Frankreich.» Nun wünsche die Regierung die Aufnahme von Verhandlungen. «Denken Sie, dass wir so blöd sind? Sie können ihre sogenannten Arbeiter für sich behalten. Titan ist nicht interessiert an der Fabrik Amiens», schreibt Taylor.

Die Gewerkschaft CGT spricht von einer «totalen Beleidigung» und meint, Taylor sei «näher am psychiatrischen Exil als an der Spitze eines Multis». Titan setzt mit Reifen für die Landwirtschaft 1,4 Mrd. $ um. Taylor, Mitglied der Republikaner, heisst bei Analysten an der Wall Street «The Grizz», wegen seines harten Verhandlungsstils. In Frankreich fällt sein wenig diplomatisches Schreiben mitten in Montebourgs Kampagne für das «Made in France». Taylor hat dafür nicht viel übrig: Er prophezeit, dass Branchenführer Michelin in fünf Jahren nicht mehr in Frankreich produzieren könne – obwohl der Reifenhersteller soeben einen guten Jahresabschluss vorgelegt hat. (brä.)

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