Frankreichs Atomkonzern Areva steht vor der Pleite

PARIS. Die Ankündigung klang unspektakulär. Das Ziel, den frei verfügbaren Cashflow annähernd ausgeglichen zu gestalten, werde 2014 wohl nicht erreicht, teilte Areva Mitte Woche mit. In Paris schlug die Neuigkeit aber ein wie ein Absturz eines Jumbos auf einen der 58 Atomreaktoren im Land.

Stefan Brändle
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PARIS. Die Ankündigung klang unspektakulär. Das Ziel, den frei verfügbaren Cashflow annähernd ausgeglichen zu gestalten, werde 2014 wohl nicht erreicht, teilte Areva Mitte Woche mit. In Paris schlug die Neuigkeit aber ein wie ein Absturz eines Jumbos auf einen der 58 Atomreaktoren im Land. Arevas Aktie sackte ab.

In der Chefetage von Areva, an dem die Pariser Regierung 87% hält, sitzt seit kurzem eine Interimsleitung mit dem ehemaligen Peugeot-Chef Philippe Varin und Philippe Knoche. Sie sollen den Bankrott verhindern. Die 45 000 Angestellten decken die ganze Atomkraftkette ab, von der Uranförderung in Westafrika und Lieferung von Kernbrennstoff über den AKW-Bau und -Unterhalt bis zu Wiederaufbereitung und Endlagerung. Areva gilt als Speerspitze der heimischen Industrie, als Quintessenz französischer Ingenieurskunst, solide und strahlend wie der Eiffelturm.

Jetzt, fast über Nacht, steht Areva schiefer da als der Turm von Pisa. Hauptgrund für den lange kaschierten und nun um so tieferen Fall von Areva ist die lahme Weltkonjunktur für Atomenergie. Der klamme Staat dürfte 2 Mrd. € beisteuern müssen, um seinen Prestigekonzern zu retten. Areva selber hat schon begonnen, die Investitionen zu reduzieren. Umweltverbände befürchten, dies könnte auch auf Kosten der Sicherheit gehen. Und dass Areva das billigste Mittel sucht, die Rendite zu erhöhen, indem die Laufzeit alter Kernkraftwerke verlängert wird.