Frankreichs Atom-Riese EDF wankt

PARIS. Der staatliche Stromkonzern EDF gerät in eine Finanzklemme. Electricité de France (EDF) hat gestern einen Reingewinn von 1,2 Mrd. € auf einem Umsatz von 75 Mrd. € bekanntgegeben.

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PARIS. Der staatliche Stromkonzern EDF gerät in eine Finanzklemme. Electricité de France (EDF) hat gestern einen Reingewinn von 1,2 Mrd. € auf einem Umsatz von 75 Mrd. € bekanntgegeben. Da der Nettoüberschuss um 68% eingebrochen ist, senkt der seit gut einem Jahr amtierende Konzernchef Jean-Bernard Lévy die Dividende von 1.25 € auf 1.10 € pro Aktie.

Gleich mehrfach Finanzbedarf

Gravierender sind die sinkenden Stromhandelspreise und die hohen Konzernschulden. Denn EDF hat einen massiven Finanzbedarf. Sie muss den gestrauchelten französischen Atomkonzern Areva mit rund 2,5 Mrd. € retten, die Überholung des nicht eben taufrischen französischen AKW-Parks aus 58 Reaktoren kostet jährlich bald 5 Mrd. €, der neue Druckwasserreaktor EPR in der Normandie wird teurer, und der Bau von zwei EPR-Reaktoren im englischen Hinkley Point dürfte EDF 18 Mrd. € kosten. «Hinkley Point allein droht EDF den Garaus zu machen», sagte ein Gewerkschafter im Radio.

Pariser Regierungskreise machen gerne die Energiepolitik der EU-Kommission und der deutschen Regierung verantwortlich: Da nur noch erneuerbare Energie subventioniert werde, sei es für die europäischen Konzerne nicht mehr möglich, in CO2-freie Energieträger wie Atomstrom zu investieren.

Allerdings ist die französische Atomindustrie für den Grossteil ihrer Mehrkosten selber verantwortlich. Die Bruchlandung Arevas erfolgte wegen gravierender, sehr teurer Fehlentscheide des Managements. Zudem mehren sich die Indizien, dass sich die staatlichen Verwaltungsräte Arevas bei dem desaströsen, womöglich betrügerischen Kauf einer afrikanischen Uranmine hatten täuschen lassen.

Rettender Anker gesucht

Die EDF-Spitzen und ihr staatlicher Hauptaktionär – der 85% der Anteile hält – suchen verzweifelt den rettenden Anker. Pariser Medien glauben, dass sich EDF auch vom 25%-Anteil an seinem Schweizer Partner Alpiq «trennen möchte», doch sei das weder einfach zu realisieren noch derzeit sehr ergiebig.

Das Mammutprojekt von Hinkley Point ganz oder teilweise aufzugeben, wäre aber ein Rückschlag für die gesamte französische Atomindustrie. Am Montag hiess es in Paris, EDF könnte als Ausweg eine Kapitalerhöhung von 5 Mrd. € beantragen. Über kurz oder lang dürfte die Zeit des billigen Atomstroms in Frankreich auf jeden Fall zu Ende gehen. Und damit wohl auch der von Industrie und Regierung viel bemühte «nationale Atomkonsens», der darauf beruhte. (brä)

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