Frankreich will Marke werden

Um den dramatischen Exporteinbruch zu stoppen, will sich Frankreich im Ausland besser verkaufen: Die Regierung in Paris lanciert dazu ein nationales Label.

Stefan Brändle
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Bild: STEFAN BRÄNDLE

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PARIS. Jüngst kam Aussenhandelsministerin Nicole Bricq heim aus China, ernüchtert: «Im internationalen Weltbild ist Frankreich das Land der Baguettes, des Eiffelturms, des Käses und der Verliebten.» Dabei exportiere ihr Land Airbus-Flieger und TGV-Züge, Renaults und Peugeots. Firmen wie Electricité de France oder der Luxusgüterkonzern LVMH seien Branchenführer. Doch auch eine deutsch-französische Umfrage ergab Anfang Jahr: Deutsche verbinden mit Frankreich zuerst Paris, die Stadt der Liebe, dann Eiffelturm, Wein und die Baguettes.

Made in Germany als Vorbild

Das «romantische» Image ist ein Grund für die Exportschwäche, so die Pariser Regierung. Daher schafft sie ein neues Label, das die französischen Produkte global besser vermarkten soll. Der Plan des beauftragten Werbers Philippe Lentschener: «Wir müssen eine gemeinsame nationale Referenz schaffen, ähnlich wie das Made in Germany oder der amerikanische Traum», sagt der Chef des Werbebüros MacCann. Das Label fusst nicht zufällig auf einer Idee von Industrieminister Arnaud Montebourg, der die Produktionsstandorte der Nation retten soll. 700 000 industrielle Arbeitsplätze sind in Frankreich seit der Jahrtausendwende verschwunden. Nach Peugeot in Paris und dem Stahlkonzern Arcelor Mittal in Lothringen hat gestern der US-Pneuhersteller Goodyear das Aus für eine Fabrik in Nordfrankreich angekündigt; 1173 Jobs gehen verloren.

Der Minister als Werbeträger

Die Regierung hat 2012 als Antwort auf den Gallois-Bericht zahlreiche Massnahmen zur Wettbewerbsförderung beschlossen. Die Sozialpartner haben das Arbeitsrecht gelockert. Doch das genügt Montebourg nicht: Jeder Franzose müsse «ein Sprachrohr Frankreichs» werden. «Wir müssen von uns im Ausland mit Freude, Ehre, Stolz und Patriotismus sprechen», sagt der Minister, der mit gutem Beispiel vorangeht und auf dem Cover eines Magazins mit einem Moulinex-Mixer erscheint, einer Uhr von Michel Herbelin und in einem Seemann-Pulli von Armor Lux – alles französische Marken.

Das neue Label soll im Mai vorliegen. Worin es genau bestehen soll, weiss noch keiner so recht.