Frankreich in der Gerüchteküche

Die Börsenkurse europäischer Banken sind eingebrochen, die Märkte sorgen sich um die Kreditwürdigkeit Frankreichs.

Sylvie Stephan
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Paris. Eigentlich hatte Nicolas Sarkozy genau dies vermeiden wollen: Dass die Märkte auf eine Unterbrechung seiner Ferien hektisch reagieren. In der Zwickmühle zwischen Gelassenheit bewahren und Handlungsfähigkeit demonstrieren kehrte Frankreichs Präsident letzten Endes doch vom Mittelmeerstrand in die Hauptstadt zurück und berief kurzfristig eine Krisensitzung im Elysée-Palast ein. Kurz darauf purzelten an der Börse die Kurse. Die Aktien europäischer Finanzinstitute, allen voran jene der französischen Société Générale (SocGen), brachen am Mittwoch ein und zogen andere Titel nach unten.

Das Misstrauen regiert

Sarkozys Rückkehr nach Paris nährte zwar prompt die Sorge um Frankreichs Bonität, dies war aber nicht der einzige Grund für die Kurseinbrüche. Der Wirtschaftsexperte Philippe Dessertine verweist darauf, dass an den Märkten das Misstrauen seit Tagen wachse, dies spiegle eher Sorgen über systemische Risiken und die globale Lage. Allerdings spielten Gerüchte auch eine Rolle. Die Nervosität sei so hoch, dass alles auf fruchtbaren Boden falle, sagt ein Händler. So kursierten auch Gerüchte, wonach die SocGen in finanziellen Schwierigkeiten sei und «möglicherweise am Rande des Abgrunds» stehe, wie die britische «Mail on Sunday» schrieb.

Stark engagiert in Griechenland

Zwar wies die SocGen diese Angabe als «völlig unbegründet» zurück, und die Zeitung hat sie inzwischen widerrufen und sich für den «fehlerhaften» Artikel entschuldigt. Doch trotz des energischen Dementis sorgen sich Analysten um das starke Engagement französischer Banken im hoch- verschuldeten Griechenland. Neben dem hohen Bestand an Staatsanleihen gehört der SocGen die griechische Bank Geniki, die unter faulen Krediten leidet.

SocGen-Chef Frédéric Oudéa versicherte unterdessen, «wir machen beständig Gewinne und haben unser Kapital verstärkt». Auch der französische Notenbankchef Christian Noyer sieht den französischen Bankensektor auf einem soliden Fundament. Dies zeigten die Ergebnisse der Geldhäuser im 1. Halbjahr, sagte Noyer. Einige Beobachter machten Spekulanten dafür verantwortlich, Gerüchte über vermeintliche Probleme der französischen Banken und einen angeblich drohenden Verlust der französischen Bonität zu streuen. Zumindest vorerst halten aber alle drei grossen Ratingagenturen am AAA fest. Dennoch will die Regierung Vorschläge ausarbeiten, um das Defizit im Haushalt für 2012 weiter zu senken.

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