Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Interview

«Im Spiel der globalen Kräfte dient der Franken als Fiebermesser»: SGKB-Ökonom zeigt sich zuversichtlich

Die geopolitischen Verwerfungen halten an. Dennoch äussert Ökonom Thomas Stucki von der St.Galler Kantonalbank Zuversicht für die Schweizer und die globale Wirtschaft.
Thomas Griesser Kym
Arbeiter passieren gestapelte Container in einem Containerhafen in Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong. (Bild: AP)

Arbeiter passieren gestapelte Container in einem Containerhafen in Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong. (Bild: AP)

In den Handelsstreitigkeiten zeichnet sich keine Entspannung ab, der Frankenkurs hat leicht angezogen, die Börsen haben an Schwung verloren. Thomas Stucki, Investmentchef der St. Galler Kantonalbank, sieht trotzdem wenig Grund zur Sorge.

Die Schweizer Wirtschaft ist im ersten Quartal um 0,6 Prozent gewachsen und damit überraschend doppelt so stark als im Schlussquartal 2018. Ihre Einschätzung?

Thomas Stucki: Quartalswerte können relativ stark schwanken, deshalb sollte man sie nicht überbewerten. Das Wachstum ist sicher positiv, aber wir dürfen auch nicht blauäugig sein. Das internationale Umfeld bleibt unruhig, und das wird auch die Schweizer Wirtschaft beeinträchtigen.

Der Bund rechnet für 2019 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent, die UBS hat ihre Prognose von 0,9 auf 1,3 Prozent heraufgesetzt. Was erwarten Sie?

Eine solide Entwicklung. Ich ge­he von einem Wachstum von 1 bis 1,5 Prozent aus. Das läge dann im günstigsten Fall leicht unter dem Potenzialwachstum der Schweizer Wirtschaft. Wichtiger ist: Ich sehe keinerlei Gefahr eines Absturzes in eine Rezession.

Was macht Sie trotz globaler Ungewissheiten und Verwerfungen so zuversichtlich?

Der Privatkonsum als wichtiger stabilisierender Faktor entwickelt sich gut. Und solange die Arbeitslosigkeit tief bleibt, stützt das den Konsum.

Wichtig ist aber auch der Export, und hier sehen wir, dass der Franken zum Euro wieder leicht stärker geworden ist, und im Maschinenbau sinken da und dort die Auftragsbestände.

Der Frankenkurs hat sich über die letzten Jahre sehr stabil entwickelt. Mit dem heutigen Niveau kann der Maschinenbau umgehen. Dass viele Unternehmen weniger Bestellungen erhalten, hat damit zu tun, dass das internationale Umfeld nicht mehr so sonnig ist und viele Kunden mit Neubestellungen abwarten.

Thomas Stucki, Investmentchef der St.Galler Kantonalbank. (Bild: Michel Canonica)

Thomas Stucki, Investmentchef der St.Galler Kantonalbank. (Bild: Michel Canonica)

Dennoch: Der Euro kostete einige Zeit 1.13 oder 1.14 Franken, jüngst fiel er aber gar wieder unter 1.12.

Der Franken spielt seine Rolle als sicherer Hafen. Der Wechselkurs reagiert sehr rasch auf Veränderungen im Umfeld der Finanzmärkte. Der Franken gilt gewissermassen als Fiebermesser der allgemeinen Stimmung.

Keine Sorge, dass diese stark ins Negative kippt und der Franken stark aufwertet?

Der Franken wird dann stärker, wenn es wirklich schlimm wird. Wenn zum Beispiel der Streit der USA mit China über die Strafzölle hinausginge. Oder wenn die USA ihren Handelsstreit massiv auf die EU ausweiten würden. Doch danach sieht es nicht aus.

Immerhin hat China gerade mit neuen Zöllen auf US-Exporten Vergeltung geübt auf die Anhebung der Zölle auf chinesischen Waren durch den amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China ist ein ständiges Auf und Ab. Er eskaliert teils mit Worten, teils mit Taten. Fakt ist aber, dass die USA nächstes Jahr im Wahlkampf stehen. Trump kann sich keine negativen Auswirkungen des Streits auf die US-Wirtschaft und besonders nicht auf die Arbeitslosigkeit erlauben. Deshalb werden die USA ver­suchen, den Konflikt gesichtswahrend zurückzuschrauben.

Noch sieht es aber nicht danach aus, dass Trump diplomatischer wird. Er hat ja gerade auch Mexiko neue Strafzölle angedroht als Druckmittel gegen die illegale Einwanderung.

Trump macht sehr viel Lärm. Das ist ein klassisches Manöver, um die Aufmerksamkeit von einem Thema wegzulenken. Im Moment sind das die Vorwürfe des US-Sonderermittlers in der Russland-Affäre, Robert Mueller. Wie vehement Trump gegen Mexiko wirklich vorgeht, muss sich erst noch zeigen.

Auch die Aktienbörsen haben jüngst etwas an Schwung verloren. Was steckt dahinter?

Wie der Franken reagieren auch die Aktien auf den raueren Ton im Handelsstreit. Sie beruhigen sich aber immer wieder. Fakt ist, dass sich das Wirtschaftswachstum weltweit etwas abschwächt, doch eine globale Rezession ist nicht in Sicht. Zudem haben die Börsen seit Anfang Jahr kräftig zugelegt, da wäre eine Korrektur um sagen wir 5 bis maximal 10 Prozent ganz natürlich und gar nicht mal so schlecht.

Wenn wir nochmals nach China schauen: Dort sinkt die Autoproduktion, der Einkaufsmanagerindex fällt – das sind für manche Analysten beunruhigende Daten.

Eine massive Abschwächung der chinesischen Wirtschaft wäre tatsächlich ein Riesenproblem für die Weltwirtschaft. Doch die Vergangenheit lehrt, dass die Pekinger Regierung relativ schnell Gegenmassnahmen ergreift. Beispiele sind neue Investitionsprogramme, Steuersenkungen oder Erleichterungen der Kreditvergabe.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.