Fortis hat sich verschluckt

Die belgisch-niederländische Bank Fortis ist zumindest vorerst gerettet. Die Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg investieren insgesamt 17,8 Milliarden Franken in den angeschlagenen Finanzkonzern. Sie wollen so eine Pleite des grössten Arbeitgebers und der wichtigsten Privatbank Belgiens verhindern.

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Die belgisch-niederländische Bank Fortis ist zumindest vorerst gerettet. Die Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg investieren insgesamt 17,8 Milliarden Franken in den angeschlagenen Finanzkonzern. Sie wollen so eine Pleite des grössten Arbeitgebers und der wichtigsten Privatbank Belgiens verhindern.

«Dieser Schritt war notwendig, um den zahlreichen Gerüchten den Garaus zu machen und das Vertrauen zu den Kunden und Investoren wieder herzustellen», sagte der neue Fortis-Chef Filip Dierckx gestern in Brüssel. Er geht nicht davon aus, dass sich an der Strategie der Bank durch den staatlichen Eingriff langfristig etwas ändern wird: «Wir bleiben ein börsennotiertes Unternehmen.»

An ABN Amro überlupft

Insgesamt gehören nun zwischen 60 und 70 Prozent des Bankgeschäfts von Fortis den Benelux-Staaten. Aber die staatliche Unterstützung allein war noch nicht genug. Darüber hinaus soll Fortis die erst vergangenes Jahr erworbenen Anteile an der niederländischen Bank ABN Amro verkaufen. Die in Amsterdam ansässige ING soll die Anteile von Fortis übernehmen und dafür 17 Milliarden Franken bezahlen.

Fortis macht damit allerdings keinen Profit. Das Niederlande-Geschäft von ABN Amro hatte die Belgier im vergangenen Jahr 40 Milliarden Franken gekostet. Und genau diese Summe hat der Bank nun endgültig das Genick gebrochen. Das räumte gestern sogar Filip Dierckx ein, der bereits im vergangenen Jahr Mitglied im Vorstand und mit der Integration des ABN-Geschäfts betraut war: «Es ist sicherlich richtig, dass wir nicht immer die beste Entscheidung getroffen haben. Das Timing war nicht das Beste.»

Bis wann die ABN-Amro-Anteile an ING verkauft werden sollen, wollte Dierckx gestern noch nicht sagen. Auch zur weitern Strategie des Fortis-Verwaltungsrates gab er keine Informationen. All das will er am 3. November bekannt geben. An diesem Tag wird Fortis die Zahlen für das dritte Quartal dieses Jahres vorlegen.

Noch keine Details

Warum die Bank sich ausgerechnet für staatliche Investitionen entschieden hat, ist nach wie vor unklar. Dierckx wollte sich gestern auch dazu nicht äussern. Und auch die Analysten wollen das Geschäft vom Wochenende zumindest vorerst nicht im Detail kommentieren. «Das Thema ist zu sensibel. Daran sind Regierungen, Zentralbanken und Regulierungsbehörden beteiligt. Wir brauchen erst einen Überblick über alle Informationen», sagt zum Beispiel Jean Pierre Lambert von KBW in London. In den drei Benelux-Staaten bleiben die Analysten in Solidarität verschwiegen.

Ruth Reichstein, Brüssel

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