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FORSCHUNG: Tierversuche sind auch in der Schweiz üblich

Die Abgasversuche deutscher Autobauer mit Affen in den USA haben weitherum Empörung ausgelöst. Dabei sind Tierversuche auch in Deutschland oder der Schweiz an der Tagesordnung.
Gisela Gross (dpa), Berlin
Mäuse werden in Tierversuchen weitaus am meisten verwendet. (Bild: Adam Gault/Getty)

Mäuse werden in Tierversuchen weitaus am meisten verwendet. (Bild: Adam Gault/Getty)

Gisela Gross (DPA), Berlin

Affen mit Gehirnimplantaten, blutverschmiert, hinter Gittern: Wenn es um Affen in Tierversuchen geht, begleiten solche Bilder die immer wieder emotional geführten Diskussionen. Das erlebten auch Forscher in Deutschland schon, teils wurden Versuche eingestellt. Dieser Tage richtet sich die Empörung gegen Autobauer, nachdem Abgasexperimente an zehn Javaneraffen in den USA bekannt geworden waren. Die Tests im Auftrag der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT), einer von Volkswagen, Daimler und BMW finanzierten Lobby-Initiative, sollten helfen zu belegen, dass die Schadstoffbelastung von Dieselmotoren durch moderne Abgasreinigung erheblich abgenommen habe. Das wirft auch die Frage auf, wie es die Wissenschaft hierzulande mit Affen und anderen Tieren hält.

Laut den jüngsten Zahlen haben Wissenschafter in Deutschland im Jahr 2016 an 2,8 Millionen Tieren Versuche vorgenommen. Wie aus den Daten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hervorgeht, waren darunter auch 2460 Affen und Halbaffen. Der überwiegende Grossteil der Versuchstiere sind jedoch Mäuse, gefolgt von Fischen, Ratten, Kaninchen und Vögeln.

Keine rauchenden Kaninchen

Zwar sind Affenversuche damit vergleichsweise selten – für Tierschützer aber ein schwaches Argument. «Primaten sind sinnesphysiologisch hoch entwickelt, auf soziale Beziehungen angewiesen und leiden mehr als andere Tiere in Tierversuchen», sagt Marius Tünte, Sprecher des Deutschen Tierschutzbundes. Dieses Leid sei auch psychischer Natur. «Auch wenn die Aufmerksamkeit gerade auf Konzernen wie VW liegt, wird gleichzeitig geduldet, dass Affen und andere Tierarten tagtäglich mit Zustimmung des Gesetzgebers ähnlichen fragwürdigen Versuchen in Deutschland ausgesetzt werden», sagt Tünte. Seine Organisation fordert ein Verbot zumindest von Affenversuchen.

Aus wissenschaftlicher Sicht hingegen gelten Tierversuche, auch an Primaten, noch immer als unverzichtbar. Gerade dann, wenn es um die medizinische Forschung geht. «Es muss uns allen klar sein, dass die Sicherheit unserer Medikamente natürlich auch auf Tierversuchen beruht», sagt Neurologe und Biologe Stefan Treue vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen. Gemäss den ethischen Grundsätzen hierzulande dürfen Forscher aber jeweils nur die am wenigsten leidende Art verwenden, die für ihre Fragestellung geeignet ist, wie Treue sagt. Das heisst: Ist zu erwarten, dass ein Test an einer Maus aussagekräftige Ergebnisse liefert, ist der Einsatz eines Affen verboten. Generell nicht erlaubt sind hierzulande rauchende Kaninchen für die Tabakforschung oder Kosmetiktests an Tieren, laut einer EU-Richtlinie sind zudem Menschenaffen wie Schimpansen als Versuchstiere tabu.

Forscher, die einen Tier­versuch machen wollen, müssen einen Antrag stellen, den die zuständige Landesbehörde prüft – unter anderem geht es um die Bedeutsamkeit des Vorhabens und die ethische Vertretbarkeit. Dabei werden die Behörden von einer Tierschutzkommission aus Veterinären, Ärzten, Wissenschaftern und Tierschützern unterstützt. In den vergangenen Jahren wurden auch einzelne Anträge abgelehnt.

Risiko unerwarteter Nebenwirkungen

Generell gibt es das Prinzip, dass Tierversuche verringert, verbessert und anderweitig ersetzt werden sollen (siehe auch Zweittext). Bei der Entwicklung von Alternativmethoden sehen Experten Deutschland durchaus in einer Vorreiterrolle. Gleichwohl argumentieren Forscher, dass sich ein vollständiger, lebendiger Organismus bisher nicht immer ersetzen lasse, beispielsweise durch eine Zellkultur.

Erlaubt sind Tierversuche, wenn ihr Zweck bestimmte Kriterien erfüllt – etwa die Heilung von Krankheiten von Menschen und Tieren zum Ziel haben. Gerade die Forschung an Affen konzentriere sich zu mehr als drei Vierteln auf medizinische Sicherheitsprüfungen, weil die Tierart dem Menschen besonders ähnlich sei, sagt Treue. «Die Rolle dieser Tierversuche ist, Risiken für die anschliessenden Studien von neuen Medikamenten an Menschen zu verhindern.» Tierversuchsgegner argumentieren jedoch, dass sich bei den Tests an Menschen dennoch oft unerwartete Nebenwirkungen ergeben.

Bisher geht es im Alltag vieler Forscher aber noch nicht ohne Tier. Ist die Aufregung um VW also auch den Verdrängungskünsten des Menschen geschuldet? Vielleicht. Wissenschafter Stefan Treue jedenfalls beschreibt den Versuch in den USA allerdings als besonders fragwürdig: «Nach allem, was bisher an Details bekannt ist, kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass dieser Versuch in Europa unter keinen Umständen vertretbar und genehmigungsfähig gewesen wäre.» Das Ganze sei «wirklich ein schrecklicher Auswuchs einer PR-Maschinerie und nicht von verantwortungsbewusster Wissenschaft».

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