Fokus auf Währung, nicht auf Zinsen

Trotz expansiver Geldpolitik dürfte die Teuerung in der Schweiz vorerst auf tiefem Niveau bleiben. Als Anlage bevorzugen wir weiterhin mittelgrosse Unternehmen.

Anton Simonet Regionaldirektor UBS Ostschweiz
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Trotz expansiver Geldpolitik dürfte die Teuerung in der Schweiz vorerst auf tiefem Niveau bleiben. Als Anlage bevorzugen wir weiterhin mittelgrosse Unternehmen.

Mit der Einführung der Wechselkursuntergrenze des Schweizer Frankens zum Euro im Jahr 2011 gab die Schweizerische Nationalbank (SNB) die autonome Geldpolitik und damit ihr Zinssteuerungsinstrument auf. Um den Schweizer Franken im Vergleich zum Euro für Anleger möglichst unattraktiv zu gestalten, hielt die SNB die Schweizer Zinsen relativ gesehen zu den europäischen tief.

Nationalbank im Dilemma

Die aktuelle Geldpolitik mit der Kursuntergrenze zum Euro und den gleichzeitig tiefen Zinsen stellt die SNB allerdings vor ein Dilemma. Die Schweizer Wirtschaft wuchs im vergangenen Jahr real um 2%, getrieben durch die Binnenwirtschaft. Würde die Nationalbank die 1.20-Grenze zum Euro nicht verteidigen und allein auf den Zustand der Binnenwirtschaft achten, hätte sie die Zinsen bereits vor einiger Zeit erhöhen müssen – auch um dem Anstieg der Immobilienpreise entgegenzuwirken.

Zinserhöhung in der Ferne

Da die Geldpolitik in Europa aktuell immer noch sehr expansiv ist und dies gemäss Äusserungen von Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, in nächster Zeit auch so bleiben wird, ist nicht vor 2017 mit einer Zinserhöhung seitens der SNB zu rechnen.

Trotz der extrem lockeren Geldpolitik in den USA, der Eurozone und der Schweiz ist die Inflation hierzulande seit Jahren auf einem sehr tiefen Niveau. Letztes Jahr war die Jahresteuerung in der Schweiz mit –0,2% negativ, und auch im laufenden Jahr erwarten wir mit +0,2% nur eine geringe Inflation.

Inflation dürfte tief bleiben

Der Haupttreiber dieser geringen oder sogar negativen Inflation in den letzten Jahren waren die Preise der importierten Güter. Die importierte Teuerung war zuerst negativ aufgrund der Frankenstärke und später auch wegen rückläufiger Teuerungsraten im Ausland und teilweise rückläufiger Energiepreise. Trotz expansiver Geldpolitik dürfte somit die Teuerung in der Schweiz vorerst auf einem tiefen Niveau verharren.

Im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld der Schweiz mit einem soliden Wirtschaftswachstum und tiefen Zinsen bevorzugen wir weiterhin Aktien mittelgrosser Schweizer Unternehmen.

Was für Mid Caps spricht

Obwohl die Konsenserwartung für das diesjährige Gewinnwachstum in den letzten drei Monaten von etwas über 11% auf knapp 10% reduziert wurde, ist der Wachstumsvorsprung der Mid Caps zu den SMI-Werten gestiegen, da das erwartete Gewinnwachstum für die Top 20 der Schweizer Firmen in ebendiesem Zeitraum von gut 5% auf unter 3% fiel. Da die Prämie für das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Mid Caps unter dem Zehnjahresdurchschnitt von 12% liegt, spricht auch die relative Bewertung für das Engagement in Mid Caps.

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