Fokus auf die Ausblicke, nicht die Ergebnisse

Nachdem die ersten US-Unternehmen ihre Ergebnisse zum 1. Quartal 2015 veröffentlicht haben, werden in den nächsten Wochen die übrigen Akteure ihre Umsatz- und Gewinnzahlen für den Zeitraum von Anfang Januar bis Ende März vorlegen.

Urs Kundert Credit Suisse Leiter Marktgebiet St. Gallen Private & Wealth Management Clients Switzerland
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Nachdem die ersten US-Unternehmen ihre Ergebnisse zum 1. Quartal 2015 veröffentlicht haben, werden in den nächsten Wochen die übrigen Akteure ihre Umsatz- und Gewinnzahlen für den Zeitraum von Anfang Januar bis Ende März vorlegen. Dabei werden die letzten beiden Aprilwochen besonders wichtig sein, haben doch 322 Unternehmen, die rund 70% der Marktkapitalisierung des Index S&P 500 auf sich vereinen, ihre Quartalsresultate angekündigt. In diesem Rahmen werden sie den Märkten zudem die Haupttreiber hinter ihren Ergebnissen detailliert erläutern.

Ölpreise im Fokus

Am meisten zu reden geben dürften diese Saison, übrigens wie schon im 4. Quartal des Vorjahres, die Ölpreise und die Wechselkurse. Der handelsgewichtete US-Dollar hat seit Jahresbeginn um 8% zugelegt, wobei er Mitte März mit einem Plus von 11% den Zenit erreichte. Damit resultiert eine Dollaraufwertung von 22% gegenüber der Vorjahresperiode Die Preise für leichtes US-Rohöl entwickelten sich im 1. Quartal zwar volatil, notierten aber am Ende mehr oder weniger unverändert. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum haben die Ölpreise aber dennoch um 50% nachgegeben.

Gewinnerwartungen revidiert

Die Gewinnerwartungen für das 1. Quartal wurden über die letzten Monate markant abwärts revidiert, was hauptsächlich den vorstehend erläuterten Bewegungen der Wechselkurse und Ölnotierungen zuzuschreiben ist. Die USA sind zwar stärker binnenwirtschaftlich ausgerichtet als Europa, US-Unternehmen generieren aber dennoch immerhin rund 35% ihrer Umsätze im Ausland. In der Vergangenheit reduzierte eine zehnprozentige Aufwertung des handelsgewichteten Dollars in einem Jahr das Gewinnwachstum in den USA im darauffolgenden Jahr um circa drei Prozentpunkte. Davon sind allerdings nicht alle Sektoren gleichermassen betroffen. Während Telekommunikationsanbieter und Versorgungsbetriebe fast ausschliesslich binnenwirtschaftlich aktiv sind, beträgt der ausländische Umsatzanteil im Sektor der Informationstechnologie rund 60%.

Enttäuschende Konjunktur

Es geht aber nicht nur um die Umsätze im Ausland. Ein stärkerer Dollar geht auch mit Zweitrundeneffekten auf die US-Wirtschaft einher. Die US-Konjunkturdaten fielen im 1. Quartal enttäuschend aus, schwächten sich doch unter anderem die Beschäftigungszahlen ab. Die verhaltenere Dynamik der US-Konjunktur wurde teilweise der Dollaraufwertung angelastet. Der sich letztlich ergebende Gesamteffekt eines stärkeren Dollars ist daher schwer abzuschätzen. Aus diesem Grund dürften die Prognosen der Unternehmen für die Aktienkursentwicklung in den nächsten drei bis sechs Monaten wichtiger sein als die tatsächlichen Ergebnisse.

Tiefe Hürde für Überraschungen

Als Folge der Abwärtsrevisionen der Gewinnprognosen im Quartalsverlauf liegt die Hürde für Gewinnüberraschungen nun viel tiefer. Die laufende Berichtssaison könnte folglich doch noch einen positiven Ausgang nehmen. Trotzdem glauben wir, dass man sich stärker auf die Ausblicke der Unternehmen als auf die effektiven Resultate konzentrieren sollte.