Flugverbot, Home Office, Fiebermessen: Was Ostschweizer Firmen in China nach dem Ausbruch des Corona-Virus unternehmen

Das Corona-Virus beeinträchtigt auch chinesische Werke von Firmen aus der Region. Bisher klappt das Krisenmanagement.

Thomas Griesser Kym
Drucken
Teilen
Das Werk von Bühler in Changzhou, kurz nach seiner Eröffnung im Frühling 2018. Bühler ist in China seit 1983 präsent.

Das Werk von Bühler in Changzhou, kurz nach seiner Eröffnung im Frühling 2018. Bühler ist in China seit 1983 präsent.

(Bild: PD)

Das Corona-Virus hat immer grössere wirtschaftliche Auswirkungen. Dies unter anderem, weil in mehreren chinesischen Städten die Behörden die Ferien anlässlich des Chinesischen Neujahrs bis und mit 9. Februar, also Sonntag in einer Woche, verlängert haben. Das betrifft beispielsweise die Appenzeller KUK Electronic AG. Sie hält ihr Werk in Shanghai bis zu diesem Datum geschlossen, wie KUK-Geschäftsführer Hansueli Koster sagt. KUK hat ihre chinesische Gesellschaft 2003 gegründet und produziert dort Spulen für die Auto- und die Medizinindustrie. Unter den 240 Mitarbeitenden gebe es keine Krankheitsfälle, und momentan seien auch keine Schweizer Mitarbeitenden am Ort. Koster sagt aber: «Wir haben unsere vorgesehene Reise nach Shanghai bis auf Weiteres verschoben.» Und:

«Die Zwangspause hat auch Einfluss auf Kunden, die ihre Produkte nicht rechtzeitig bekommen.»

Koster geht allerdings davon aus, «dass die Epidemie bis zum 9. Februar abklingt». Produktionsverlagerungen seien «noch nicht vorgesehen», und «wir kommunizieren täglich mit unserem Leiter in Shanghai».

Reiseverbot und Angebot für Home Office

Reagiert hat auch die STI Surface, die in der Oberflächentechnologie tätig ist. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Steinach gehört dem früheren AFG-Arbonia-Forster-Patron Edgar Oehler und hat 2012 in Changzhou ein Werk eröffnet, das mit 78 Beschäftigten Zylinder und Siebkörbe für die Papier- und Druckindustrie beschichtet. «Unser Werk bleibt bis zum 9. Februar geschlossen. Ab dem 10. Februar werden gratis Schutzmasken verteilt», sagt STI-Sprecherin Andrea Oehler. In der Fabrik seien ausschliesslich einheimische Arbeitskräfte beschäftigt. Erkrankt sei niemand.

Der Liechtensteiner Baugerätehersteller Hilti lässt ebenfalls Vorsicht walten. «Global haben wir derzeit ein generelles Reiseverbot von und nach China, Hongkong und Taiwan erlassen», sagt Konzernsprecher Matthias Hassler. Hilti hat in Shanghai den Hauptsitz der chinesischen Marktorganisation sowie dort und in Zhanjiang je ein Produktionswerk. Zudem finden sich in Suzhou Fabrikationsstandorte der Hilti-Tochterfirmen Oglaend System und PEC. Total sind das 1450 Angestellte, davon zwei Drittel in der Produktion von Elektrogeräten, Dübeln, Nägeln usw.

In Shanghai und Suzhou sind die Ferien bis 9. Februar verlängert, und in Zhanjiang startet der Betrieb des Hilti-Werks am 3. Februar, wie Hassler sagt, wobei «die Möglichkeit für Home Office angeboten» werde. Auch generell empfehle Hilti den Mitarbeitenden in den betroffenen Regionen, «vorläufig von zu Hause zu arbeiten, wenn dies möglich ist». Alle Beschäftigten würden täglich über die Lage informiert.

Technologiekonzern Bühler ist krisenerprobt

Die zwangsweise Ferienverlängerung betrifft auch die grössten chinesischen Standorte des Technologiekonzerns Huber + Suhner in den Städten Changzhou und Shanghai. Das Unternehmen aus Herisau deckt in China mit rund 1000 Mitarbeitenden alle Schritte der Wertschöpfungskette ab. Die Fabrik in Changzhou, eröffnet 2013, war damals die erste Kupferkabelproduktion Huber + Suhners ausserhalb der Schweiz. Im Falle des Corona-Virus habe man an den chinesischen Standorten «rasch Vorkehrungen getroffen und einen Massnahmenplan implementiert», sagt Konzernsprecher Patrick G. Köppe, ohne konkreter zu werden. Und:

«Geplante Geschäftsreisen von und nach China werden derzeit nicht angetreten.»

Einen Repatriierungsbedarf gebe es zurzeit allerdings auch nicht.

Gleich an sieben Standorten in China ist der Uzwiler Technologiekonzern Bühler präsent, in Peking, Shanghai, Changzhou, Hefei, Shenzen, Wuxi und Xian. Insgesamt beschäftigt der Maschinenbauer dort 3000 Mitarbeitende, nicht nur in der Produktion, sondern auch in Forschung und Entwicklung sowie im Kundenservice. Konzernsprecher Markus Reber sagt:

«Noch vor den grossen Fluggesellschaften hat Bühler konzernweit ein Flugverbot von und nach China ausgesprochen.»

In China befänden sich «derzeit noch einige wenige internationale Mitarbeitende». Diese hätten momentan keinen Bedarf, das Land zu verlassen, und mit ihnen sowie mit Behörden, Kunden und Lieferanten stehe Bühler permanent in Kontakt. Der Konzern geht aktuell davon aus, in der zweiten Februarwoche die Produktion in China wieder voll aufnehmen zu können. Laufe alles wie geplant, «können wir die Situation gut beherrschen und vermeiden nennenswerte Auswirkungen», sagt Reber.

Laut seinen Angaben bewährt sich Bühlers Krisenmanagement bisher. Zumal man als globale Firma regelmässig vor vergleichbaren Herausforderungen stehe. Reber nennt den Ausbruch des Sars-Virus in China 2002/03 oder den Ebola-Ausbruch in Westafrika von 2014 bis 2016. Bevor Bühler die Arbeit in China wieder aufnehme, durchlaufen alle Mitarbeitenden einen Prozess, um ihre Gesundheit zu gewährleisten. «Dazu gehören eine Fiebermessung oder Schulungen zu Verhaltens- und Hygienevorschriften.» Und was ist mit Schutzmasken, die in China rar geworden sind? Reber: «Bühler fliegt sie per Luftfracht ein, etwa aus Deutschland oder Indonesien.»

Mehr zum Thema